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Freitag, 29.09.2017

„Warum trifft es immer mich?“

Niklas Kreuzer ist seit gut drei Jahren bei Dynamo, aber kein Stammspieler. Wie er damit umgeht, erklärt er im Interview.

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Niklas Kreuzer gehört zu den Spielern, die am längsten bei Dynamo sind.
Niklas Kreuzer gehört zu den Spielern, die am längsten bei Dynamo sind.

© Robert Michael

Niklas Kreuzer, es ist wie jede Saison: Sie stehen mal in der Startelf, sitzen dann wieder draußen. Wie gehen Sie mit Ihrer Situation bei Dynamo um?

Es ist zwar nicht das erste Mal, diesmal trotzdem besonders bitter. Ich hatte das Gefühl, vorige Saison durchgängig auf einem guten Niveau gespielt zu haben, konnte in der Rückrunde einige Scorerpunkte sammeln. Und auch diesmal ging es wieder gut los mit dem Sieg gegen Duisburg und meiner Vorlage zum 1:0.

Doch dann hat Dynamo mit Paul Seguin einen Konkurrenten für Ihre Position geholt, der in Wolfsburg schon Bundesliga spielte. Hat Sie das überrascht?

Nein, es war klar, dass noch jemand kommt. Für uns ist es positiv, einen Spieler mit hoher Qualität dazubekommen zu haben. Paul bringt sehr viel mit und davon profitiert die gesamte Mannschaft.

Trotzdem: Was dachten Sie, als Sie vom Neuzugang sofort verdrängt wurden?

Es war nicht so, dass ich mich zu Hause eingeschlossen und mir die Decke über den Kopf gezogen habe. Ich habe mich nach solchen Rückschlägen nie hängenlassen.

Wie schaffen Sie das?

Wir Fußballer lieben den Sport und wollen natürlich immer auf dem Platz stehen. Deshalb ist das bitter. Aber mit schlechter Laune komme ich nicht wieder in die Startelf. Ich versuche, mich im Training anzubieten. Das ist die einzige sinnvolle Lösung.

Fragen Sie sich manchmal, was Sie noch tun müssen, um Stammspieler und nicht Wackelkandidat zu sein?

Sicher stellt man sich die Frage: Warum trifft es immer mich als Ersten? Weil ich das Gefühl hatte, ich habe mir einen gewissen Stand erarbeitet. Wir haben als Mannschaft ein überragendes erstes Jahr in der zweiten Liga gespielt, woran ich meinen Anteil hatte. Aber – so blöd das klingt – Fußball ist Tagesgeschäft.

Eine schöne Floskel. Können Sie sich damit trösten?

Nein, leider nicht. Das ist nicht einfach, vor allem, wenn du nicht verstehen kannst, warum es so ist. Aber ich denke, Darmstadt war kein schlechter Anfang, mich wieder in die erste Elf zu spielen.

Sie waren beim 3:3 in Darmstadt als Standard-Schütze an allen drei Toren beteiligt. Ist das Ihr Argument?

Ich denke, dass in dieser Liga viele Spiele nach ruhenden Bällen entschieden werden. Aber ich will nicht nur deshalb eine Option sein, sondern wegen meiner Spielweise auf der rechten Seite.

Was fehlt Ihnen, um zu überzeugen?

Keine Ahnung. Ich habe zuletzt mit dem Trainer nicht darüber gesprochen. Ich weiß um meine Qualitäten, die ich gerne einbringe. Trotzdem kann ich mich in jedem Bereich verbessern, und daran werde ich arbeiten – bis der Trainer zufrieden ist.

Ihr Vater Oliver war Profi unter anderem beim FC Bayern. Holen Sie sich bei ihm Rat?

Ich bin keine 19 mehr (sondern 24/d. A.), schon im vierten Jahr hier, habe einiges erlebt. Ich bin nicht der Typ, der bei jedem Problem irgendwohin rennt, sondern mache mir lieber erst einmal selber Gedanken. Natürlich kann ich mit meinem Vater über alles reden, auch mit meinem Berater Bektas Dimirtas, der ein guter Freund ist.

Welchen Rat gibt Ihnen Ihr Vater?

Kühlen Kopf zu bewahren. Wenn ich, nachdem ich zweimal 90 Minuten auf der Bank gesessen habe, mit einer – auf Deutsch gesagt – Fresse angekommen wäre, hätte mich der Trainer in Darmstadt sicher nicht gebracht. Wenn ich die professionelle Einstellung beibehalte, ist das die beste Empfehlung.

Denken Sie manchmal darüber nach, ob ein Vereinswechsel im Sommer für Sie besser gewesen wäre?

Nein. Es gab einige Optionen, aber ich weiß, was ich hier habe und was ich dem Verein zu verdanken habe. Ich kam damals aus Erfurt, hatte dort kaum gespielt. Ich hatte dann die Ehre und das Vergnügen, mich hier mit großartigen Menschen und Mitspielern weiterzuentwickeln. Wenn ich mir überlege, was ich für eine Entwicklung genommen habe – sowohl fußballerisch als auch menschlich –, blicke ich sehr positiv auf die bisherige Zeit bei Dynamo zurück. Diese Entwicklung ist nicht abgeschlossen. Ich bin davon überzeugt, dass es richtig ist, weiter hier zu sein. Und wenn ich spiele, bin ich auch sehr, sehr glücklich hier.

Das konnten Sie nach dem Spiel in Darmstadt wohl nicht sein …

Das war sehr bitter, aber wir müssen die positiven Aspekte daraus ziehen.

Welche wären das?

Wir haben gesehen, dass wir mit so einer Mannschaft mithalten können, in der alle Erstliga-Erfahrung haben, Altintop und Großkreutz sogar noch mehr. Wir wussten, dass wir in dem Spiel nicht fußballerisch zelebrieren können mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Das war eine Charakterfrage, wir mussten über die Mentalität kommen. Das haben wir bewiesen. Natürlich müssen wir uns fragen: Warum kriegen wir es nicht hin, nach einem 3:1 den Ball zu halten, ein bisschen mehr Ruhe in unser Spiel zu bringen?

Uwe Neuhaus sagte, er habe Paul Seguin geschont. Wenn Sie am Sonntag in Heidenheim wieder draußen wären, würden Sie dann das Gespräch mit dem Trainer suchen?

Es wäre zu früh, ein Fass aufzumachen. Wenn ich die nächsten drei Spiele auf der Bank sitzen würde, gäbe es schon mal Redebedarf. Aber der Erfolg der Mannschaft steht über allem. Wenn der Trainer umstellt und wir gewinnen in Heidenheim und zu Hause gegen Ingolstadt, muss ich kein Gespräch suchen. Dann legt er mir die Resultate hin und sagt: Schönen Tag noch!

Sie sagten, dass Sie sich in Dresden wohlfühlen. Warum?

Der Umgang in der Mannschaft, auch mit dem Betreuerstab ist sehr herzlich, freundlich, familiär. Fußballerisch passt es, wenn ich an Spiele denke wie gegen Braunschweig und Stuttgart oder in Düsseldorf vorige Saison. Wenn ich mit Freunden in anderen Mannschaften spreche, ist Dresden für sie das Highlight-Spiel. Wir können das jede zweite Woche genießen, wenn hier vor 30 000 Leuten die Hölle los ist. Was in unserem Stadion abgeht, hat Bundesliga-Niveau. Es gibt wenig schönere Erlebnisse, als hier einen Heimsieg zu feiern.

Zuletzt hat das zweimal nicht geklappt. Steigt dadurch der Druck?

Durch das vorige Jahr sind die Ansprüche im Umfeld enorm gestiegen. Dabei hatten wir zu dem Zeitpunkt dieselbe Punktzahl. Man sollte die Kirche einfach mal im Dorf lassen. Obwohl wir jedes Jahr namhafte Abgänge hatten, steckt wieder eine große Qualität in unserer Mannschaft. Die vorige Saison war überragend, dass man das nicht jedes Jahr toppen kann, ist auch klar.

Könnte es trotzdem zum Kopfproblem werden, ein Heimkomplex entstehen?

Dann frage ich mich, wie es in den Köpfen der Spieler in Kaiserslautern oder Ingolstadt aussieht. Nein, wir müssen die Ruhe bewahren. Wir haben schon oft genug gezeigt, was wir können.

Das Gespräch führte Sven Geisler.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Dynamodany

    Das ist die Frage aller Fragen, welche nicht nur Niklas beschäftigt. Ich und viele andere Fans sehen das genau so . Meine Tochter ( war selbst Fußballerin) und ich sind jedes Mal bitter enttäuscht, wenn Niklas draußen sitzt. Seine Ecken, Freistöße und Pässe sind fast immer auf dem Punkt. So gut kann das kaum einer in unserer Mannschaft. Grade letzte Woche wieder in Darmstadt, einfach Klasse. Für uns bleibt du ein klasse Mensch und Spieler, Niklas und wir waren seeeeeehr froh, als du verlängert hast.

  2. LarsD_DD

    Recht hat er, der Dynamodany & natürlich auch Niklas!!!

  3. Anmerkung

    Mir gefällt seine Spielweise auch. Aber er sagt selbst, dass er mit dem Trainer nicht darüber gesprochen hat. Mit der Zeitung spricht er aber darüber. Herr Kreutzer, machen Sie einen Termin bei Ihrem Chef und klären Sie das unter 4 Augen!

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