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Freitag, 25.11.2016

Warum nicht mehr positive Berichte?

Die SZ berichtet wochenlang über die Auseinandersetzungen mit Asylbewerbern in Bautzen, sie schreibt ganze Seiten Kritisches über Lutz Bachmann. Und ein steter Tropfen höhlt den Stein, hier ein für Sachsen recht negativer. Warum berichten die Medien so wenig über erfolgreiche Integration und die gute Mehrheit der Sachsen? MfG A. Schmidt

Sehr geehrter Herr Schmidt,

das schiefe Licht, in das Sachsen geraten ist, bewegt uns alle. Es ist richtig, nach Ursachen zu suchen und dabei auch die Rolle der Medien zu betrachten. Zunächst also: Berichtet die SZ zu kritisch?

Nehmen wir Ihre Beispiele. Die Auseinandersetzungen zwischen minderjährigen Asylbewerbern und Rechtsradikalen in Bautzen haben tagelang eine Rolle gespielt, weil lange unklar war, wie sich die Dinge abgespielt haben, wer welche Verantwortung trägt, welche Konsequenzen das haben soll. Diese Diskussion ist im ganzen Land verfolgt worden. Es ist selbstverständlich, dass sich die zuständige Regionalzeitung zuallererst um Aufklärung bemüht. Das ist ihre Aufgabe. Viele Online-Nutzer deutschlandweit informierten sich übrigens gerade auf sz.online über die Ereignisse in Bautzen, weil sie zurecht hier die größte Kompetenz vermuten. Auch die Bachmann-Berichte sind notwendig, um die gewaltige Diskrepanz aufzuzeigen zwischen seinen Pegida-Reden und seinem persönlichen Verhalten. Auch das ist Aufklärung im besten Sinne. Meine Antwort auf Ihre erste These lautet deshalb: Nein, die SZ berichtet nicht zu kritisch. Sorgen müssen uns die vielen ausländerfeindlichen Aktionen in Sachsen bereiten, nicht die Berichte darüber.

Anders sieht es aus mit Ihrer zweiten These. Zwar berichtet die SZ durchaus in allen Teilen über positive Beispiele, gerade auch bei der Ausländerintegration. Aber, da haben Sie recht, es ist ein Problem beim Zeitung machen, täglich die richtige Mischung aus kritischen und positiven Geschichten hinzubekommen. Mehr noch: Auch die kritischen Artikel sollten, so unser Anspruch, konstruktive Lösungsansätze enthalten. Leider gelingt uns das nicht jeden Tag.

Das Problem ist erkannt. Deshalb wird die SZ am nächsten Dienstag mit einer besonderen Ausgabe erscheinen. Unter dem Titel „Gut zu wissen“ wird sie deutlich mehr positive Geschichten enthalten als sonst üblich. Es sollen natürlich keine Jubel-Arien werden, wie sie ältere Leser aus DDR-Zeiten kennen, sondern lösungsorientierte Geschichten, die inspirieren und motivieren. Mal sehen, wie diese Ausgabe bei unseren Lesern ankommt und was wir Journalisten daraus lernen.

Ihr Olaf Kittel

Alle Fragen, alle Antworten: www.sz-link.de/leserfragen

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