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Freitag, 13.10.2017

Warum manche Eltern tief in die Tasche greifen müssen

Die Kosten für die Kinderbetreuung schwanken in Görlitz und Umgebung enorm. Eine Analyse.

Von Christian Köhler

Von den Gebühren, die Mama und Papa zahlen, bekommen sie wenig mit: Die Schlümpfe der Kita Deschka.
Von den Gebühren, die Mama und Papa zahlen, bekommen sie wenig mit: Die Schlümpfe der Kita Deschka.

© Nikolai Schmidt

Görlitz/Landkreis. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist gerade während des jüngsten Wahlkampfes von Politikern aller Couleur als ein wichtiges, gesellschaftliches Ziel angepriesen worden. In der Realität aber kommen auf frisch gebackene Eltern einige Kosten zu. Gerade im Bereich der Kita-Gebühren ist es im Landkreis Görlitz nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern vor allem auch des Wohnortes. Im Kreis kann sich der Elternbeitrag beispielsweise für einen Krippenplatz bei neunstündiger Betreuung um ganze 71 Euro pro Monat nur durch den Wohnort unterscheiden. Das zeigt ein Vergleich aus dem Jahr 2016. Hohe Beiträge bedeuten aber nicht gleichzeitig hohe Betreuungsqualität.

Wo müssen Eltern im Kreis am tiefsten in die Tasche greifen?

Derzeit in der Gemeinde Markersdorf. Dort fallen 213 Euro pro Monat für einen Krippenplatz an. Auch der neunstündige Kita-Platz ist hier mit 120 Euro pro Monat am teuersten für die Eltern. Im Norden des Kreises ist der Krippenplatz in Horka mit 200 Euro am teuersten. Zum Vergleich: In den größeren Städten im Kreis wie Görlitz fallen 184,42 Euro für einen Krippenplatz an, in Weißwasser 185,12 Euro oder in Niesky 173,75 Euro.

Am niedrigsten sind die Elternbeiträge in Rietschen (142,70 Euro für einen Krippen- und 88,50 Euro für einen Kitaplatz). In Rietschen hat der Gemeinderat mehrmals Erhöhungen abgelehnt. In Weißwasser dagegen könnte mit dem anstehenden Haushaltssparplan eine Beitragserhöhung für die Eltern ins Haus stehen.

Wo gibt die Kommune am meisten Geld für einen Betreuungsplatz aus?

Mücka bezuschusst mit 758,98 Euro monatlich einen Krippen- und mit 270,55 Euro einen Kita-Platz bei neunstündiger Betreuung. So teuer ist nirgends die Kita-Betreuung für eine Gemeinde im Kreis.

Wie erfolgt überhaupt die Kita-Finanzierung in Sachsen?

Der Freistaat hat gesetzlich geregelt, dass die Betriebskosten für eine Kindertagesstätte vom Land selber, den Eltern und den jeweiligen Kommunen übernommen werden müssen. Während der Landeszuschuss pro Kind bei jährlich 2165 Euro (der Doppelhaushalt des Freistaates hat bis 2018 eine Erhöhung auf 2455 Euro vorgesehen) liegt, kann der Elternbeitrag von Region zu Region variieren.

Wer legt die Elternbeiträge eigentlich fest?

Der jeweilige Stadt- und Gemeinderat. Dieser darf die Elternbeiträge jedoch nur zwischen 20 bis 23 Prozent der gemeindedurchschnittlichen Personal- und Sachkosten für einen Krippenplatz und 20 bis 30 Prozent für einen Kindergarten- oder Hortplatz festlegen. Zudem gibt es Regelungen für Geschwisterrabatte oder Ermäßigungen für Alleinerziehende. Letztlich können Kommunen, die über bessere finanzielle Möglichkeiten verfügen, auch die Elternbeiträge gering halten.

Was lässt die Elternbeiträge steigen?

Einerseits steigen seit Jahren die Preise für Energie und Wasser. Somit hat auch der Zustand des Gebäudes, in dem sich die Kita befindet, Einfluss auf die Betreuungskosten, die Eltern zu entrichten haben. Hohe Energiekosten verursachen in der Konsequenz auch hohe Elternbeiträge. Jedoch schlagen sich Reparaturkosten auch in den Betriebskosten nieder.

Gleichzeitig erhalten Erzieher durch Tarifvereinbarungen mehr Lohn. Auf die Tarifvereinbarungen wiederum haben Kommunen keinen Einfluss. Darüber hinaus ist auch der Betreuungsschlüssel ein Kostenfaktor. Der Schlüssel legt fest, wie viele Kinder eine Erzieherin ganztags betreuen muss. Nach einer Studie der Bertelsmannstiftung liegt Sachsen dabei bundesweit auf dem letzten Platz. Ein Krippenerzieher muss hier laut Studie durchschnittlich sieben Kinder ganztags betreuen – im Bundesdurchschnitt sind es 4,3 Kinder für eine Erzieherin oder einen Erzieher.