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Samstag, 18.02.2017

Warum lässt die SZ Nachrichten weg?

Immer wieder muss ich feststellen, dass in den Medien wichtige Teile von Nachrichten weggelassen werden. Durch dieses m. E. absichtliche Weglassen wichtiger Details werden dann diese Nachrichten verzerrt oder hinterlassen beim Leser einen ganz anderen Eindruck. Ist das Methode, um die Wahrheit zu verfälschen? MfG Peter Spindler

Sehr geehrter Herr Spindler,

natürlich will niemand die Wahrheit verfälschen. Um Ihre Frage zu beantworten, muss ich erklären, wie eine Zeitung entsteht. Stellen Sie sich eine Redaktion wie einen Trichter vor. Jeden Tag rauscht eine große Zahl an Informationen hindurch. Hunderte Meldungen der Nachrichtenagenturen, viele eigene Recherchen, Pressemitteilungen von Parteien, Unternehmen, Vereinen, Lesermails und Leserhinweise. Da kommt jeden Tag viel mehr als in eine Zeitung passt. Die Kunst des Blattmachens ist es, eine gute Auswahl zu treffen, die wichtigen von den weniger wichtigen Themen zu trennen, Leserinteressen abzuwägen und schließlich eine spannende Mischung hinzubekommen. Nicht nur das einzelne Thema ist wichtig, Leser wollen die gesamte Zeitung mit Interesse und Gewinn aufnehmen.

Wie funktioniert nun die Nachrichtenauswahl? Einfach ist die erste Auslese: Wenn in Guinea ein Minister ernannt wird, interessiert das hier in der Regel nicht. Wenn ein Bäckerladen in Zittau brennt, müssen das Leser in Döbeln nicht wissen. Schwieriger wird es, wenn es an einem Tag – sagen wir – zehn wichtige Auslandsthemen gibt und ein bis zwei Seiten dafür zur Verfügung stehen. Dann wägen Redakteure ab: Was sind die nachrichtenstärksten Themen? Welche Hintergrundbeiträge können SZ-Korrespondenten liefern? Was hat die SZ gerade gestern erst ausführlich erklärt? Sind diese Fragen beantwortet, werden die wichtigsten Beiträge ausgewählt. Die anderen Nachrichten müssen gekürzt werden. Ich stimme Ihnen zu, Herr Spindler, dass kurze Informationen keine umfassende Sicht ermöglichen. Aber eine Zeitung ist eben endlich. Sicher können Sie, wenn Sie mehr Informationen zum Thema wünschen, die bei sz-online und anderen Nachrichtenportalen finden.

Zur Verantwortung der Redakteure gehört es, zuletzt kurz weggekommene Themen bei nächster Gelegenheit wieder ausführlich zu präsentieren und dann für besonders interessanten Hintergrund zu sorgen. Der gehört ja gerade zu den Stärken dieser Zeitung.

Ihr Olaf Kittel

Alle Fragen, alle Antworten: www.sz-link.de/leserfragen