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Warum keine anonymen Briefe?

Bisher wurden schon relativ viele meiner Zuschriften veröffentlicht, das freut mich natürlich. In den meisten Fällen gab es Zustimmungen und Ermunterungen. Allerdings waren auch Äußerungen dabei, die eine gewisse Seriosität vermissen ließen und mir unangenehm waren. Deshalb bitte ich Sie, meinen Namen nicht mehr zu nennen.MfG R. Panek

16.12.2016
Von Olaf Kittel

Sehr geehrter Herr Panek,

Ihren Wunsch kann ich sehr gut nachvollziehen, alle Journalisten können das. Jeder, der sich in diesen Tagen in die Öffentlichkeit begibt und seine Meinung sagt, bekommt kluge, streitbare, anregende Reaktionen – aber leider auch sehr zugespitzte, böse, beleidigende Antworten. Seit etwa zwei Jahren ist das so. Die Frage steht, wie man damit umgeht.

Eine Möglichkeit: Seine Meinung nicht mehr öffentlich kundzutun. Ich denke, wir sind uns einig, dass das keine Option ist. Eine andere haben Sie vorgeschlagen. Aber ist das gut? Sollten wir nicht alle zu unserer Meinung stehen, mit dem Namen, vielleicht sogar mit Foto, wie es Redakteure dieser Zeitung seit Jahren mit ihren Kommentaren praktizieren? Sollten wir uns wirklich von Leuten einschüchtern lassen, die mit ihrem aggressiven Verhalten womöglich gerade das erreichen wollen? Braucht dieses Land nicht jetzt viele Menschen, die sich für eine offene, demokratische, pluralistische Gesellschaft einsetzen? Für Meinungsfreiheit? Für Ihr und mein Recht, in dieser Zeitung seine Auffassung zu veröffentlichen, ohne vor irgendetwas oder irgendjemandem Angst haben zu müssen?

Sie merken schon, die Sächsische Zeitung hat sich zu diesem Thema festgelegt: Jeder soll zu seiner Meinung stehen. Diese Auffassung trifft sich mit dem Pressekodex des Deutschen Presserates, der die Namensnennung verlangt – vor allem, weil jeder auch zum Wahrheitsgehalt seines Textes stehen soll. Die Erfahrung zeigt, dass anonyme Texte dazu verführen können, es mit den Tatsachen nicht ganz so genau zu nehmen. Der Presserat erwartet deshalb, dass Leserbriefe mit der gleichen Sorgfalt redigiert werden wie journalistische Texte. Dazu kann gehören, dass die Identität des Verfassers geprüft wird. Es soll sich auch kein Briefautor hinter einem falschen Namen verstecken können und damit womöglich einen Menschen dieses Namens belasten.

Das Thema, sehr geehrter Herr Panek, beschäftigt auch den Leserbeirat der SZ, der unserer Redaktion Regeln für den Umgang mit Leserbriefen vorgeschlagen hat. In Kürze mehr dazu an dieser Stelle.