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Dienstag, 29.09.2015

Warum einer den anderen schluckt

Die Umformtechnik GmbH aus Radebeul will wachsen und hat gerade einen anderen hiesigen Betrieb übernommen.

Von Wolf Dieter Liebschner

Schmied Stephan Franke stellt in der Umformtechnik Radebeul an der 1600-Tonnen Presse Kupplungsnehmer für Lieferfahrzeuge her. Das Unternehmen beliefert Kunden aus 15 Branchen.
Schmied Stephan Franke stellt in der Umformtechnik Radebeul an der 1 600-Tonnen Presse Kupplungsnehmer für Lieferfahrzeuge her. Das Unternehmen beliefert Kunden aus 15 Branchen.

© Norbert Millauer

Radebeul. Aus zwei mach eins. Die Umformtechnik Radebeul und die Aluminiumtechnik Radebeul sind verschmolzen worden und firmieren seitdem rückwirkend zum Jahresanfang 2015 unter dem Namen Umformtechnik Radebeul. „Beide Firmen arbeiten seit 2006 eng zusammen und viele Geschäftsbereiche überschneiden sich, sodass wir dadurch Prozesse vereinfachen können“, sagt Umformtechnik-Chef Stephan Schneider, der zuvor beide Unternehmen in Personalunion als Geschäftsführender Gesellschafter geleitet hatte.

Die Umstrukturierung ist eine Folge der guten Auftragslage. Die Mitarbeiterzahl war in kurzer Zeit stark gewachsen, hat sich inzwischen bei 165 eingependelt. „Dieses Wachstum war eine große Herausforderung für uns“, so der Geschäftsführer. „Mit der Neuorganisation fühlen wir uns nun für die Zukunft gerüstet.“ Die Kernkompetenz bleibe allerdings das Schmieden von Aluminium.

Alu-Teile für BMW, KTM und Triumph

Damit ist das Unternehmen bislang gut gefahren. Umgeformt dienen die Aluminiumteile beispielsweise als Lenkerbrücken oder Schalthebel für Motorräder. Namhafte Hersteller wie BMW, KTM und Triumph gehören inzwischen zu den Abnehmern. Zur Kundschaft gehört auch die Firma Salewa aus dem Sportausrüstersegment. Für diese Firma stellen die Radebeuler Steighilfen für Skibindungen her. „Ein Markt mit enormen Perspektiven“, so Schneider. Insgesamt werden Partner aus 16 verschiedenen Branchen beliefert.

Und die Umformtechnik hat noch mehr in petto. „Wir wollen Entwicklungspartner für unsere Kunden werden“, kündigt der Geschäftsführer an. Eigens dafür wurde im Unternehmen eine Entwicklungsabteilung gegründet, in der 15 Mitarbeiter aus den Bereichen Werkzeugbau bis hin zur Konstruktion zusammengeführt wurden. „Die Abteilung hat sich sehr gut etabliert. In fünf bis sieben Jahren könnten wir unser Ziel erreicht haben“, so Schneider.

Der Geschäftsführer hat indes weitere Ziele im Blick. Vor allem soll die Entwicklung hin zur Produktion von kompletten Baugruppen weiter forciert werden. Schneider sieht die Möglichkeit eines einhundertprozentigen Wachstums, vor allem durch die Steigerung der Wertschöpfung im eigenen Haus. Auch dies könne im Zeitraum von fünf bis sieben Jahren verwirklicht werden. Der jetzt ins Leben gerufenen Entwicklungsabteilung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Strategie sind enorm. „Beim Start vor zehn Jahren haben wir fast ausschließlich Rohteile gefertigt und waren damit so etwas wie eine verlängerte Werkbank für unsere Abnehmer“, sagt Schneider. „Seither konnten wir die Fertigungstiefe auf das Siebenfache steigern und den Umsatz verdreifachen. Komplexität ist inzwischen Standard geworden.“ Der Umsatz stieg 2014 auf knapp 20 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet Schneider ein ähnliches Ergebnis.

Fusion birgt großes Sparpotenzial

Schneider hatte die über 100 Jahre alte heutige Umformtechnik 2005 erworben. 2006 gründete er dann am gleichen Standort im Gewerbegebiet an der Fabrikstraße die Aluminiumtechnik. „Das hatte einen einfachen Grund“, so der 58-jährige Ingenieur. „Den Schmieden traut man feingliedrigen Arbeiten wie mechanische Bearbeitung oder Strahlen nicht automatisch zu. Wir wollten kein Risiko eingehen und uns erst einen Namen in der Branche machen.“ So wurde in der Umformtechnik geschmiedet und abgegratet. Die Aluminiumtechnik übernahm die weiteren Arbeitsschritte: Härten, mechanische Bearbeitung, Montage von Baugruppen.

„Inzwischen hat die Umformtechnik in der Industrie sowie der Elektro- oder Medizintechnik einen derart hohen Bekanntheitsgrad, dass die Doppelstruktur keinen Sinn mehr hat“, sagt Schneider. Vor allem auch, weil die Fusion ein großes Sparpotenzial birgt. Denn die internen Buchungen von meist geringen Beträgen summierten sich zuletzt auf rund 200 000 Euro monatlich. Schneider hofft, durch die Verschmelzung und die schlankeren Strukturen einen sechsstelligen Betrag einzusparen.