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Montag, 26.09.2016

Warum darf man nicht kommentieren?

Ich lese die SZ online. Leider kann ich zu 95 Prozent nicht auf die Beiträge eingehen. Vor allem kann man sich nicht zu den Beiträgen äußern, die die Menschen interessieren und bewegen. Also meine Frage: Warum werden bei den meisten Beiträgen keine Lesermeinungen zugelassen? MfG, Angelika Ehrhardt

Sehr geehrte Frau Ehrhardt,

einer der Vorzüge von Online-Medien ist es, dass sich Leser zu Texten unmittelbar äußern können. Ich kann Ihre Unzufriedenheit deshalb gut verstehen, dass die SZ längst nicht bei allen Themen die Kommentarfunktion aktiviert. Allerdings ist dies nicht allein ein SZ-Problem. Alle Online-Portale haben damit zu tun.

Der Hintergrund: In den letzten Jahren wird die Kommentarfunktion regelmäßig von einigen Leuten für beleidigende, rassistische, ausländerfeindliche Propaganda missbraucht. Immer wieder sind da verfassungsfeindliche Sprüche dabei. Diese Tendenz zeigt sich seit dem Aufkommen von Pegida besonders deutlich. Schlimmer noch: Kollegen von sz.online hatten oft den Eindruck, dass Radikale die Kommentarfunktion immer wieder missbrauchen. Darüber hinaus sind Betreiber von Portalen vom Gesetzgeber, aber auch vom Deutschen Presserat in die Pflicht genommen, Kommentare auf ihren Seiten nicht nur zu moderieren, sondern auch darauf zu achten, dass geltende Gesetze eingehalten werden.

In der Praxis heißt das, täglich alle Kommentare zu prüfen, zu moderieren und beleidigende, rassistische sowie radikale Sprüche zu entfernen. Dies ist ein Aufwand, der die personellen Möglichkeiten der meisten Portale sprengt. Online-Redakteure sollen ja vor allem interessante Nachrichten beschaffen und schnell verbreiten. Damit sie ihre Arbeit erledigen können, schalten sie weniger Artikel zum Kommentieren frei. Einige Portale haben auch offen erklärt: Wir schalten alle ab oder geben nur noch eine kleine Auswahl frei.

Das ist eine traurige Entwicklung, keine Frage, aber vorläufig nicht zu ändern. Aber Sie, Frau Ehrhardt und alle anderen SZ-Leser, sollen natürlich nicht daran gehindert werden, Ihre Meinung loszuwerden. Deshalb mein Rat: Schicken Sie Ihren Kommentar an sz.leserbriefe@ddv-mediengruppe.de. Sie können das übrigens auch direkt von sz.online aus. Dann haben Sie auch künftig die Möglichkeit, auf dieser Seite zu Wort zu kommen oder eine persönliche Antwort eines SZ-Redakteurs auf eine Frage zu erhalten.

Ihr Olaf Kittel

Alle Fragen, alle Antworten: www.sz-link.de/leserfragen