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Tharandt Donnerstag, 27.12.2012

Warten auf den Radweg nach Tharandt

Eigentlich war die Hoffnung groß, dass die Piste nächstes Jahr fertig ist. Jetzt türmen Behörden neue Hürden auf. Kommt der Weg erst 2015?

Von Lars Kühl

Kein Platz für die Radfahrer zwischen Freital und Tharandt. Im Winter haben sie und Autofahrer es noch schwerer. Archivfoto: Fournes
Kein Platz für die Radfahrer zwischen Freital und Tharandt. Im Winter haben sie und Autofahrer es noch schwerer. Archivfoto: Fournes

Gerade noch so blitzt das Katzenauge zwischen den Speichen auf. Die Rückleuchte ist offenbar defekt. Die Staatsstraße zwischen Freital und Tharandt ist in tiefes Dunkel gehüllt. Durch den Nieselregen sind die Sichtverhältnisse noch bescheidener als sonst. Den Radler voraus hat der Autofahrer in letzter Sekunde gesehen. Halsbrecherisch weicht er auf die Gegenfahrbahn aus, um eine Kollision zu verhindern – trauriger Alltag auf der Strecke. Denn hier gibt es keinen separaten Radweg.

Die Tharandter fordern ihn mit aller Vehemenz seit fast 20 Jahren. Und sie hatten berechtigte Hoffnungen, dass die fehlende Piste demnächst gebaut wird, das Geld dafür ist jedenfalls bereitgestellt. Doch der Wunsch erhält jetzt einen argen Dämpfer. Der Radweg könnte nicht vor 2015 fertig werden.

„Muss erst noch ein Unfall auf der kurvenreichen, unübersichtlichen Strecke geschehen, bevor man erkennt, wie ernst die Situation ist?“, fragt verärgert Tharandts Ortsvorsteher Professor Otto Wienhaus, ein Kämpfer in vorderster Front für den Radweg. Er ist bei Weitem nicht allein. Neben dem Radteam Tharandter Wald, der Stadtverwaltung und unzähligen Drahtesel-Enthusiasten in der Forststadt und den Ortsteilen sowie der Umgebung – zwischendurch wurde sogar eine Liste mit über 2 000 Bürgerunterschriften gesammelt – setzen sich inzwischen auch Politiker für den unerlässlichen Radweg ein.

So hat sich Bundestagsmitglied Klaus Brähmig (CDU) bei der Deutschen Bahn stark gemacht, damit die für den Bau benötigten Grundstücksflächen freigegeben werden. Mit Erfolg, wie Wienhaus mitteilt. Was im Moment fehle, sei die Baugenehmigung der Landesdirektion. Sachsens ehemaliger Kultusminister Roland Wöller habe deshalb deren Leiter gebeten, „den Genehmigungsprozess für diese regional und überregional wichtige Radwegetrasse zu beschleunigen“.

Die Antwort aus Chemnitz ist allerdings alles andere als zufriedenstellend: Die Terminkette wird sich demnach deutlich verzögern. Mit Erteilung des Baurechts sei nicht vor dem zweiten Quartal 2013 zu rechnen. Erst dann könnten die Verträge mit der Deutschen Bahn über eine Flächennutzung geschlossen werden.

Noch schwerer wiegt, dass Fahrleitungsmasten versetzt werden müssten. Das genehmigt laut Wienhaus das Eisenbahnbundesamt, das Verfahren dauert in der Regel ein bis anderthalb Jahre. Die notwendigen Verträge mit den Städten Freital und Tharandt, die mit fünf bzw. zehn Prozent am Radwegbau beteiligt sind, werden dagegen gerade ausgearbeitet. Tharandts Ortsvorsteher rechnet damit, dass das Bauvorhaben erst 2015 ausgeschrieben und anschließend begonnen werden kann.

Doch steht dann noch das für dieses Jahr vom Freistaat Sachsen bereitgestellte Geld zur Verfügung? Aus Meißen heißt es vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr zwar, dass dies nicht das Problem sei, aber die Kämpfer für den Radweg haben inzwischen so viele unliebsame Überraschungen erlebt, dass sie sich auf diese Aussage nicht unbedingt verlassen wollen.

Bis an Masten heranbauen

Manfred Oswald (SPD) sprach zuletzt im Tharandter Stadtrat sogar von einer „absichtsvollen Verhinderungstaktik“. Immer weitere Hürden würden durch die Behörden aufgebaut.

In der Runde wurde auch ein ungewöhnlicher Vorschlag diskutiert: Warum nicht einfach den Radweg bis links und rechts an die Masten der Bahn heranbauen? Wie ernst gemeint der Vorschlag war, blieb dahingestellt. Fakt ist, Tharandt und auch Freital sind im Ringen um den Radweg die Hände gebunden. Beide sind auf das Funktionieren der Genehmigungsmaschinerie angewiesen.

Tatenlos zusehen will man aber auch nicht. André Kaiser (Freie Wähler), Ortsvorsteher von Kurort Hartha, schlug vor, die Belange der Forststadt in einem persönlichen Gespräch im Wirtschaftsministerium vorzubringen. Er werde sich um einen Termin kümmern …