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Freitag, 06.02.2015

Vorsicht beim Gassigehen

In Löbau und im Oberland wurden vergiftete und mit Reißzwecken gespickte Hundeköder entdeckt. Wie können Halter ihre Tiere davor schützen?

Von Marcus Scholz

So ist es genau richtig: Hündin Leni sucht den Augenkontakt mit Frauchen Beate Vogel. Damit will sich die Hündin vergewissern, ob sie ihre aufgespürten Leckerlis aufnehmen darf, oder nicht.
So ist es genau richtig: Hündin Leni sucht den Augenkontakt mit Frauchen Beate Vogel. Damit will sich die Hündin vergewissern, ob sie ihre aufgespürten Leckerlis aufnehmen darf, oder nicht.

© SZ Thomas Eichler

Fragend blickt Hündin Leni in das Gesicht ihres Frauchens Beate Vogel. Sie will wissen, ob sie die gerade auf der Straße gefundenen Leckerlis fressen darf. „So ist es genau richtig. Mit einem einfachen Augenkontakt kann Hunden signalisiert werden, ob sie fressen dürfen oder nicht“, sagt Beate Vogel, Hundetrainerin aus Ebersbach-Neugersdorf.

Das Thema Hundeerziehung ist gerade aktuell wie selten zuvor, da in den vergangenen Wochen vermehrt vergiftete Hundeköder entdeckt worden sind. Darunter mit Reißzwecken manipulierte Leckerlis in Löbau und mit Glasscherben gespickte Fleischstücke im Oberland. Die Empörung bei Hundebesitzern ist groß. Sie verurteilen die Vorfälle auf das Schärfste. Vor allem in den sozialen Netzwerken bringen Hundefreunde ihren Unmut zum Ausdruck. Bei Facebook sorgen die Giftköder bis heute für reichlich Diskussionsstoff. Die Polizei hat längst die Ermittlungen aufgenommen, nennenswerte Erkenntnisse gibt es aber noch nicht.

Maulkorb hilft

Bis die Fälle aufgeklärt sind, ist für Hundebesitzer und ihre Tiere beim täglichen Spaziergang Vorsicht geboten. Wie aber können die Vierbeiner vor der Aufnahme der manipulierten Fressköder geschützt werden und auf was sollten ihre Herrchen und Frauchen beim Gassigehen achten?

„Jeder Hundebesitzer sollte jetzt mehr denn je seine Aufsichtspflicht für sein Tier wahrnehmen“, sagt Hubertus Miesener. Der Inhaber der Löbauer Hundeschule und Tierpension Alpha hat seit mehr als dreißig Jahren Erfahrung im richtigen Umgang mit den Vierbeinern. „Grundsätzlich sollten Hunde nicht frei, sondern nur angeleint herumlaufen. Oder einfach einen Maulkorb tragen“, sagt Miesener. Helfen würde auch der Besuch einer Hundeschule. Dort können Vierbeiner unter professioneller Anleitung zusammen mit ihren Herrchen und Frauchen bestimmte Verhaltensweisen im Umgang mit herumliegenden Hundeködern erlernen.

Jeder Hund ist lernfähig

Dafür ist aber in aller Regel eine Menge Geduld bei Mensch und Tier gefragt. Je nach Rasse und Fressverhalten lernen Hunde nämlich unterschiedlich schnell. Labradore und Beagle zum Beispiel würden von Natur aus alles fressen. „Es gibt aber keine hoffnungslosen Fälle. Jeder Hund ist lernfähig“, weiß Hundetrainerin Beate Vogel.

Den besten Schutz vor den vergifteten Ködern sieht auch Ramona Rude in der Erziehung des Vierbeiners durch seinen Besitzer. Die Leiterin des Bischdorfer Tierheims appelliert an verstärkte Aufmerksamkeit der Hundehalter beim Gassigehen. „Gerade im Dunkeln besteht die Gefahr, dass Hunde herumliegende Köder fressen. Da ist besondere Wachsamkeit geboten“, warnt Frau Rude.

Was die Hundehasser aus Löbau und dem Oberland zum Auslegen der Giftköder motiviert hat, lässt momentan nur reichlich Raum für Spekulationen. Ihr Ziel, fremden Hunden mutwillig Schaden zuzufügen, haben sie offenbar noch nicht erreichen können. „Mir sind noch keine Vergiftungen bekannt“, sagt der Rosenbacher Tierarzt Nikolai Eisfeld auf Nachfrage der SZ. Auch von Kollegen hätte er nichts in diesem Zusammenhang gehört. Eisfeld warnt dennoch alle Hundebesitzer, die Stellen, an denen die Giftköder gefunden wurden, zu meiden. Vorsicht sollte beim Gassigehen grundsätzlich aber immer geboten sein. Denn herumliegende Hundesnacks müssen nicht immer mutwillig vergiftet worden sein. „Auch tote Mäuse oder Schokolade am Wegesrand können zu Vergiftungen führen“, sagt Nikolai Eisfeld.

Schnell den Tierarzt aufsuchen

Stellen Hundehalter eigenartiges Verhalten bei ihren Lieblingen fest, sollten sie sofort einen Tierarzt aufsuchen. Spitze Gegenstände wie etwa Reißzwecken oder Glasscherben können dann mithilfe eines Brechmittels aus dem Körper des Hundes geholt werden. Anzeichen dafür sind Blut im Kot oder Erbrochenem des Tieres. Haben Hunde giftige Substanzen zu sich genommen, gestaltet sich die Erkennung weitaus schwieriger. So sei die Wirkung von Rattengift zum Beispiel erst nach zwei Tagen eigentlich erst richtig erkennbar, sagt Nikolai Eisfeld. Zur Sicherheit ist es dann ratsam, den Vierbeiner zur Beobachtung zum Tierarzt zu bringen. Hundebesitzer sollten sich davon aber nicht allzu sehr verunsichern lassen. „Es gibt sehr gute Möglichkeiten, die giftigen Substanzen aus dem Hundekörper herauszubekommen“, sagt Tierarzt Eisfeld.

Dass das Hundetraining bei den Vierbeinern ankommt, zeigt Beate Vogels Hündin Leni. Bei ihr hat das Training schon erste Früchte getragen. Bevor sie in Zukunft fremde Leckerlis zu sich nimmt, schaut die Hündin mit ihrem treuen Hundeblick ihr Frauchen an und bittet um eine Fresserlaubnis. Können sich Hund und Halter aufeinander verlassen, besteht beim Gassigehen keine Gefahr.