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Freitag, 18.03.2016

Vor Samstag ist Dresden das Salz-Schiff nicht los

800 Tonnen Salz müssen runter von dem Frachter, der seit Montag quer vor der Albertbrücke hängt. Damit das jetzt auch wirklich klappt, sollen es ein stärkerer Sauger und schweres Gerät aus Tschechien richten. Doch das braucht seine Zeit.

Das Kochsalz auf dem Frachter wird abgepumpt - jetzt mit einem leistungsstärkeren Sauger.
Das Kochsalz auf dem Frachter wird abgepumpt - jetzt mit einem leistungsstärkeren Sauger.

© dpa

Dresden. Ein tiefer Atemzug, dann verlässt Lukas Hradsky am Donnerstagmittag die mobile Einsatzzentrale unterhalb der Albertbrücke. Anspannung, Hoffnung, zurzeit sei von allem etwas dabei, sagt der Reeder, dessen Frachtschiff „Albis“ am Montagabend plötzlich einen Schaden an Antrieb oder Steuerung erlitt, querdrehte und an den Brückenpfeilern liegen blieb. „Der Besatzung geht es gut, wir leben, das ist das Wichtigste. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir das Schiff leer bekommen.“

Mit rund 800 Tonnen Speisesalz beladen verließ es Anfang März den Rotterdamer Hafen, fuhr über den Mittellandkanal auf die Elbe und sollte am Dienstag Usti nad Labem erreichen. Nun setzt das Dresdner Schifffahrtsamt alles daran, den Frachter so leicht zu machen, dass sich der Tiefgang verringert, weniger Wasser dagegendrückt und er sich von der Brücke wegziehen lässt. Immerhin ist die Elbe auf rund sechs Kilometern gesperrt, am Terrassenufer will ein Fluss-Kreuzfahrtschiff mit amerikanischen Touristen am Samstag nach Tschechien fahren, außerdem warten schon Frachter auf die Durchfahrt. Doch der erste Versuch, das Salz abzusaugen, scheiterte in der Nacht zum Donnerstag.

Die Ladung rieselte nicht wie erhofft durch den Schlauch, sondern klumpte durch die Luftfeuchtigkeit und nach etlichen Stunden waren erst anderthalb Tonnen an Land. Also wurde das Fahrzeug wieder weggeschickt. Das Technische Hilfswerk baute gegen Mitternacht seine Flutlichter ab und zog ebenfalls davon. Am Donnerstagmorgen wagte das Einsatzteam einen zweiten Anlauf und charterte einen leistungsfähigeren Sauger. „Diesmal funktioniert es“, sagt Lukas Hradsky. „Aber es wird dauern.“

Die Bergung des Frachters am Donnerstag

Nächtliche Aktivität auf der Elbe

Bis Samstag, schätzt Karsten Wild vom Schifffahrtsamt nach einer Krisensitzung am Nachmittag. Auf eine genaue Zeit will er sich aber nicht festlegen. Zwar befördert die Maschine rund 25 Tonnen Salz in sechs Stunden vom Schiff. Doch wie in der Nacht zuvor könne man nicht ausschließen, dass das Salz mit zunehmender Feuchtigkeit wieder klumpt. Am Freitag soll der Saugbagger deshalb Unterstützung erhalten. Ein Schwimmbagger mit Schubboot sowie ein Güterschiff sind aus dem tschechischen Melnik gerufen worden. Eintreffen sollen sie am Abend.

Die Schiffe werden das Salz vom Wasser aus vom havarierten Frachter schaufeln. Die vollen Container werden anschließend in den Alberthafen gebracht, von dort aus geht es für die Fracht in den nächsten Tagen per Laster nach Tschechien. Für das Zwischenlager muss der Reeder aufkommen. Das wird teuer, sagt er. „Das deckt unsere Versicherung nicht.“ Zumindest vom Abnehmer der Ladung sei bislang kein Schadenersatz gefordert worden. Das Salz, das eine Chemiefabrik zur Herstellung von PVC bekommen soll, werde noch nicht gebraucht.

Während ein Container nach dem anderen mit Salz befüllt wird, und ganze Kindergartengruppen ans Elbufer geführt werden, überlegen Reeder, Wasserschutzpolizei, Feuerwehr und Schifffahrtsamt, wie es nach der sogenannten Leichterung des Frachters weitergehen soll. Für das Freischleppen werden voraussichtlich Schiffe sowie Bergungstechnik vom Land aus zum Einsatz kommen, sagt Karsten Wild. Sie sollen das havarierte Schiff ziehen.

Experten haben bereits berechnet, welche Kraft dabei angewandt werden darf, damit der Rumpf keinen Schaden nimmt. Die Aktion wird vermutlich den Rest des Wochenendes in Anspruch nehmen, möglicherweise sogar bis Anfang nächster Woche dauern. Damit ist unklar, wann die Elbe wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden kann. Für die amerikanischen Touristen von der „Viking Astrild“ sieht es aber schlecht aus, auf dem Wasserweg ins Nachbarland zu gelangen.

Bis das havarierte Güterschiff geborgen werden kann, bleibt der Kapitän an Bord und behält es im Auge. Warum er am Montag überhaupt die Kontrolle darüber verloren hatte, sei bislang nicht geklärt, so Wild. Das müssten nun die weiteren Ermittlungen zeigen. Spekulationen seien derzeit aber fehl am Platz. Bislang war von einem technischen Defekt die Rede. Das Schiff wurde 1973 gebaut und wiegt selbst knapp 1 200 Tonnen.

Zum Werfen der Bug-Anker ist dem Kapitän aber möglicherweise keine Zeit mehr geblieben. Immerhin drückte ihn die Strömung schnell in Richtung Pfeiler, an denen das Schiff nun direkt anliegt. Ein paar Kratzer werde die Brücke abbekommen haben, schätzt das Straßenbauamt. Mit statischen Problemen rechnet die Stadt allerdings nicht. Am Donnerstagabend rückte das Technische Hilfswerk wieder mit Strahlern an, damit die Arbeiten in der Nacht weitergehen können.

Donnerstag: Neuer Sauger, neuer Versuch

So berichtet sz-online dazu: Vor Samstag ist Dresden das Salz-Schiff nicht los

Mittwoch: Vorbereitung des ersten Bergungsversuchs

So berichtet sz-online dazu: Bergung des Frachters wird zur Plage

Montag und Dienstag: Frachter steht quer vor der Brücke

So berichtet sz-online dazu: Frachter hängt quer vor der Alberbrücke

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. MichaelDD

    So viele Schaulustige den ganzen Tag. Da könnte man doch ein Bomätscher-Happening draus machen: 800 Schiffszieher an jedem Ufer und der Kahn wäre wieder flott!

  2. FelixDD

    Mich würde ja mal interessieren, wie hoch der Schaden an der Brücke und die Kosten für den ganzen Einsatz liegen - und natürlich wer das alles bezahlt - ist der Kapitän haftpflichtversichert?

  3. A_anti_anti...

    @Nr. 1 Ja, das ist auch ein Problem des Kapitalismus. Hier fehlt der praktische Kollektivsinn völlig. Eine Stadt mit einer halben Millionen Einwohner lässt sich ohne Geld nicht bewegen (antreiben) - wohl nicht mal das ein oder andere Dorf, obwohl es so einfach wäre, wie so vieles andere auch ... Wie würde es in der Welt ausschauen, wenn plötzlich Zweitausend Menschen aus der Bürgerschaft selbstlos helfen würden? Das geht mal gar nicht. Zumal nicht mal zum Aushelfen "qualifiziert" (Versicherung etc.). Alles muss seine penibel durch den Alltag vergesetztlichte Ordnung haben, auch wenn dadurch der gesamte Fortschritt hinkt. Wir sind ja schließlich auch Kapital - willentlich fremdbestimmt, fast immer auf uns selbst bedacht, schnell mittel- und hilflos wenn mensch als Mensch ausfällt ...

  4. JB

    Für die Bergung gibt's doch bestimmt schon was im App-Store ...

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