Donnerstag, 22.11.2012

Vor Lagerfeld über den Laufsteg

Für Luxuslabels wie Gucci und Yves Saint Laurent hat Justus Eisfeld schon Kreationen über den Catwalk getragen. Nervös aber machen den Gymnasiasten ganz andere Aufgaben.

Von Nadja Laske

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Justus Eisfeld in seinem Lieblingscafé „Arabusta“ am Körnerplatz: Seine eigenen Outfits kauft er meist im Internet oder bei Zara und H&M. Auf den Modenschauen großer Labels trägt er Tausende Euro teure Teile.  Foto: Karl-Ludwig Oberthür
Justus Eisfeld in seinem Lieblingscafé „Arabusta“ am Körnerplatz: Seine eigenen Outfits kauft er meist im Internet oder bei Zara und H&M. Auf den Modenschauen großer Labels trägt er Tausende Euro teure Teile. Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Mit leichten Schritten eilt Justus über den Körnerplatz. Vom Bus zum Lokal sind es nur wenige Meter. Der 20-Jährige ist längere Wege gewohnt: Kreuz und quer durch London, Paris und Mailand. Heute bleibt er beinah vor seiner Loschwitzer Haustür. Das Ziel: sein Lieblingscafé. Dort kennt ihn der Wirt, fragt, was es Neues gibt. Justus zuckt die Schultern, schält sich aus seiner braunen Felljacke und legt einen Plastikbeutel auf den Tisch. H&M steht dort rot auf weißem Grund. Darin steckt Justus’ neues Leben – schwarz auf weiß.

Bilderstrecke

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  • Justus Eisfeld in seinem Lieblingscafé „Arabusta“ am Körnerplatz: Seine eigenen Outfits kauft er meist im Internet oder bei Zara und H&M. Auf den Modenschauen großer Labels trägt er Tausende Euro teure Teile.  Foto: Karl-Ludwig Oberthür
    Justus Eisfeld in seinem Lieblingscafé „Arabusta“ am Körnerplatz: Seine eigenen Outfits kauft er meist im Internet oder bei Zara und H&M. Auf den Modenschauen großer Labels trägt er Tausende Euro teure Teile. Foto: Karl-Ludwig Oberthür
  • In Paris präsentierte Justus Eisfeld Mode von Yves Saint Laurent. Egal von welchem Label – die Schuhe sind ihm fast immer zu groß. Foto: PR
    In Paris präsentierte Justus Eisfeld Mode von Yves Saint Laurent. Egal von welchem Label – die Schuhe sind ihm fast immer zu groß. Foto: PR

Seit einem Jahr modelt Justus Eisfeld. Für Labels wie Gucci, Yves Saint Laurent, Dior und Calvin Klein steht er im Scheinwerferlicht. Tausende Dollar teure Hosen und Hemden der berühmtesten Designer der Welt trägt der Dresdner Gymnasiast über die Laufstege der Modemetropolen.

Start auf der Fashion Week

Verschattet schaut Justus von Fotos in Hochglanzmagazinen: Das Haar streng aus der Stirn gestylt. Der Blick trotzig. Verdammt cool. Am Tisch im Café sitzt indes ein junger Mann mit zarten Zügen. Er bestellt eine Tasse Kaffee, ohne Milch. Seine schmalen Hände verschwinden in der Plastiktüte, ziehen schwere Hefte daraus hervor. „Das ist das, was bleibt“, sagt Justus und blättert Magazinseiten auf, die ihn in feinen Stoffen zeigen.

Das erste Foto von ihm auf dem Weg zum Model war ein Polaroid, geknipst von einem Modelscout seiner heutigen Kölner Agentur. „Er hat mich über Facebook gefunden“, sagt Justus Eisfeld. Auf sein Profil hatte er ein paar Fotos von sich gestellt, die machten die Agenten neugierig. Für ein erstes Treffen kamen sie nach Dresden. Justus besucht die 13. Klasse des Beruflichen Schulzentrums für Wirtschaft. „Dort haben wir uns in der Mensa getroffen“, erzählt er. Freunde haben schon lange vorher zu ihm gesagt: Du könntest als Model arbeiten. Besonders ernst habe er das nie genommen. Doch die Modelmacher machten ernst.

Seine erste Einladung zum Casting führte Justus Eisfeld nach Berlin. Dort suchte Prada Gesichter für die neue Kollektion. Sein erstes großes Mode-Event erlebte Justus schließlich mit der Fashion Week Mailand, wo er für Gucci über den Laufsteg lief. Bevor jedoch die großen Shows der Modewelt starten, absolvieren die Models einen wahren Casting-Parcours – in der Hoffnung, im Schwarm der Bewerber entdeckt und für eine der Präsentationen verpflichtet zu werden.

„Wenn es gut läuft, dann schafft man am Tag etwa zehn Castings“, sagt Justus, der mit Stadtplan und per U-Bahn durch Millionenstädte irrt, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und den Geschmack der Agenten zu treffen. Nur dann lohnen sich die weite Reise, Kost und Logis – nicht etwa in schicken Hotels, sondern meist in Apartments, zusammen mit anderen jungen Männern, die wie Justus ihr Glück versuchen. Show oder Shooting, ohne sie kein Geld, stattdessen hohe Kosten, die die Agenturen zunächst vorstrecken, um sie später vom Honorar abzuziehen. Mit Fotostrecken könne man recht gut Geld verdienen, sagt er, anders als mit Modenschauen. „Da kommt man oft mit plus minus null nach Hause.“

So hart, wie man das vom Kampf der weiblichen Models um ihre Jobs kenne, gehe es auf dem männlichen Modelmarkt jedoch nicht zu. „Ich bin 1,88 Meter groß und sehr schlank, das hat bislang immer genügt“, sagt Justus. Für Sport, sagt er, habe er keine Zeit. Seine Freunde sind ihm wichtiger. Wie viel er wiege und ob er mit Topmaßen aufwarte, das habe zumindest bei ihm nie eine Rolle gespielt. Nur die Schuhe, die sind immer zwei Nummern zu groß, obwohl er mit seiner 42 doch eine ganz klassische Größe vertritt.

Nach London reiste Justus Eisfeld und präsentierte dort Luxusmarken auf den Shows des Top Man Magazins – ein guter Grund, zittrige Knie zu haben, sitzen in der ersten Publikumsreihe doch die berühmtesten Modeschöpfer, denen das Gros der Menschheit sonst nur im Fernsehen begegnet. So wie zum Beispiel Karl Lagerfeld, Gast der Dior-Show in Berlin, auf der Justus Eisfeld über den Catwalk lief.

Großer Traum New York

„Ich staune ja selber, wie wenig aufgeregt ich vor allem bei meiner ersten Gucci-Show war“, sagt Justus. Einfach rauslaufen, kehrt am Ende des Laufsteges und zurück, dann der Gedanke: Hey, das ist ja wirklich alles wahr! Daran kann er sich noch gut erinnern. „Aber ehrlich, bei jedem Referat vor der Schulklasse oder beim Vorsingen im Musikunterricht bin ich nervöser.“

Einfach sehen, wie weit er als Model kommt, will Justus. „Ich mache mir keinen Druck, habe einfach Spaß an den Reisen“, sagt er. Im Januar geht die nächste zur Fashion Week nach Berlin. Die großen Träume aber sind New York und Oslo.

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