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Montag, 25.09.2017

Von Tiefschlägen und Höhenflügen

Das Abschneiden der AfD bewegt Mittelsachsens Politiker. Manche müssen sich neu orientieren.

Von Maria Fricke

Die Bürger haben gewählt.
Die Bürger haben gewählt.

© Dietmar Thomas

Region Döbeln. Das Ergebnis des Bundestagswahl 2017 sei für ihn ein absoluter Tiefschlag. Dirk Schilling ist Bürgermeister der Gemeinde Ostrau und CDU-Politiker. Trotzdem haben rund 716 Wähler in der Gemeinde ihre Erststimme und rund 690 ihre Zweitstimme der AfD zukommen lassen. Jeweils mehr als 30 Prozent der über 2 200 Wähler. „Das ist für mich zum Teil unverständlich. Man glaubt ja immer zu wissen, was die Leute umtreibt“, sagt Schilling. Dieser Denkzettel der Wähler sollte jeden zum Nachdenken anregen.

In Ostrau holt die AfD die meisten Wählerstimmen

Im Vergleich zu 2013 kam die AfD dieses Mal auf fast 25 Prozent mehr. Sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen lag die AfD bei den Wählern in Ostrau vor der CDU. In der Region erhielt sie damit aus der Gemeinde die meisten Stimmen. Lediglich in Striegistal lagen die Anteile die Partei höher. In Sachen Zweitstimme dominierte die AfD auch in Döbeln (28,8 Prozent gegenüber 28,3 Prozent für CDU). Für eine Stellungnahme war Bürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) am Montag nicht zu erreichen.

Die SPD-Abgeordnete Simone Raatz verliert ihren Posten in Berlin

Simone Raatz, die in den vergangenen vier Jahren für Mittelsachsens SPD im Bundestag gesessen hat, wird dort keinen Platz mehr bekommen. Als Direktkandidatin landete sie hinter Falk Neubert von den Linken auf dem vierten Platz mit rund 12 Prozent der Stimmen (drei Prozent Verlust gegenüber 2013). Für eine Stellungnahme war die Freibergerin am Montag nicht zu erreichen. Gegenüber der Freien Presse äußerte sie, enttäuscht über das Ergebnis zu sein. Tief getroffen habe sie das Abschneiden des AfD-Kandidaten Heiko Hessenkemper in Freiberg (30,8 Prozent). Dort holte die 55-Jährige mit 16 Prozent ihr bestes Ergebnis. SPD-Landtagsabgeordneter Henning Homann aus Döbeln bedauert das Ausscheiden. „Sie hat ganz fantastische Arbeit geleistet.“ Das Wahlergebnis im Allgemeinen sei für ihn erschreckend. Ursache dafür sei ein Vertrauensproblem. „Wenn es um Inhalte gegangen wäre, wäre die Wahl anders ausgegangen.“

Politische Veränderungen bei den Linken in Mittelsachsen

Falk Neubert, Direktkandidat der Linken, schwankt am Tag nach der Wahl zwischen Freude und Unzufriedenheit. Gut und wichtig sei, dass die Partei auf Bundesebene ihre Stärke halten, teilweise sogar zulegen konnte. Mit den sachsenweiten Ergebnissen sowie seinem Abschneiden bei den Erststimmen sieht es da schon anders aus. Sechs Prozent Verlust hat der Mittweidaer gegenüber 2013 erfahren. Ausschlaggebend dafür sei vor allem die Bundespolitik, so Neubert. In seiner Heimat erhielt er mit 18,4 Prozent die meisten Erststimmen. Wie er sich zukünftig für Mittelsachsen politisch engagieren wird, sei noch nicht abschließend geklärt. Fest steht, dass der 43-Jährige den Posten als Vorsitzender des Kreisverbandes der Linken am 21. Oktober an Marika Tändler-Walenta übergeben wird. „Das haben wir schon Anfang des Jahres besprochen“, so Neubert. Nach sechs Jahren will er Platz für Neue machen.

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Kandidat der Liberalen freut sich über Zuwachs für die FDP

Darüber, dass er es weder als Direktkandidat noch über die Landesliste in den Bundestag geschafft hat, ist Philipp Hartewig nicht traurig. Vielmehr überwiege die Freude, dass die Liberalen zurück im Bundestag sind. Fast überall erreichte Hartewig fünf Prozent der Stimmen. In Waldheim und Altmittweida fand der 22-Jährige die meisten Anhänger. Noch besser war das Ergebnis bei den Zweitstimmen. Das Abschneiden der AfD habe ihn nicht überrascht. „Ich hatte so etwas schon befürchtet“, sagt der Jura-Student, der sich nun auf sein Examen vorbereitet. Der Politiker bleibt Mitglied des FDP-Landesvorstandes sowie Vorsitzender der Jungliberalen Sachsen.

Grüne holen in Studentenstädten die meisten Stimmen

In Mittweida und Freiberg, aber auch in Niederwiesa, haben die Grünen am besten abgeschnitten. Direktkandidat Matthias Wagner holte 3,1 Prozent der Erststimmen. „Es ist schade, dass ich nicht mehr erreicht habe, aber ich war nicht schlechter als andere“, so der Physiker. Regelrecht geschockt seien die Grünen von dem Abschneiden der AfD.

BüSo und NPD erreichen kaum mehr als zwei Prozent

Wurde vor einigen Jahren noch heftig über die NPD bei Wahlen diskutiert, spielt die Partei bei der Bundestagswahl kaum eine Rolle. In Mittelsachsen verliert sie gegenüber 2013 2,3 Prozent der Stimmen. Mit 2,6 Prozent hat die NPD im Altkreis die meisten Wähler in Waldheim. Auf 1,2 Prozent der Erststimmen hat es Matthias Stoll, Kandidat der BüSo, gebracht.