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Von einer in die andere Metropole

Bevor es nach Shanghai geht, gastiert der Dresdner Kreuzchor in Hartha. Allerdings gerät der Beginn des Konzerts etwas steif.

02.10.2017
Von Claudia Erbert

 in die andere Metropole
Bevor sie nach Shanghai reisen, haben die Sänger des weltberühmten Dresdner Kreuzchores das Publikum in Hartha erfreut. Das war jedoch anfangs wegen eines Klatschverbots etwas irritiert.

© Dietmar Thomas

Hartha. Der Markt verwandelt sich am Freitagabend in einen großen Parkplatz. Kennzeichen aus ganz Sachsen sind zu sehen. Bürgermeister Ronald Kunze ist sichtlich stolz, einen der berühmtesten Chöre der Welt ankündigen zu dürfen: „Besonders danken wir Ihnen, dass Sie mit Ihrem Interesse die Veranstaltung ermöglicht haben“, begrüßt er das Publikum in der fast ausverkauften Stadtkirche. Denn wenn nicht genügend Karten verkauft worden wären, wäre das Konzert mit dem Dresdener Kreuzchor nicht zustande gekommen.

Auf dem Altarplatz ist ein vierstufiges Podest aufgebaut, auf dem sich knapp 50 der 130 Chormitglieder zwischen neun und 18 Jahren aufstellen. Aus urheberrechtlichen Gründen erinnert Bürgermeister Kunze daran, dass keine Bilder gemacht werden dürfen und Pfarrerin Susanne Willig bittet in ihrer Begrüßung darum, dass zwischendurch nicht geklatscht wird, um die Sänger nicht abzulenken. Dadurch entsteht im ersten Block mit geistlichen Liedern aus mehreren Jahrhunderten eine eigenartige Stimmung.

Es gibt keine Moderation vor und während dieser 45 Minuten, die kurzen Pausen zum Aufschlagen des nächsten Liedes vergehen still, auch die vorgetragenen Werke sind eher getragen und ruhig. Als sich die Sänger auf die Stufen setzen, ist klar, dass der erste Block beendet ist und das Publikum klatscht erleichtert. Um den Sängern eine kleine Pause zu verschaffen, füllt Kantor Michael Fromm die Zeit mit einigen Stücken an der Orgel, bevor es weitergeht.

Seit 801 Jahren gibt es den Kreuzchor nun schon und nach wie vor ist das Interesse zum Mitmachen und Zuhören gleichermaßen hoch. Ihre Konzerte vor Zehntausenden Menschen rund um den Globus sind sonst oft Monate im Voraus ausverkauft und Nachwuchssorgen hat der Chor auch nicht, jedes Jahr bewerben sich mehr Jungen, als aufgenommen werden können.

Geleitet wird der Chor seit 1997 von Intendant Roderich Kreile, der auch das Repertoire verantwortet. Unterstützt wird er von mehr als 60 Mitarbeitern, die sich um die Chormitglieder kümmern. Einer von ihnen ist Peter Kopp, der nur noch wenige Tage beim Kreuzchor sein wird, bevor er an die Kirchenmusikhochschule Halle wechselt.

Er erklärt, wie es im Konzert weitergeht: „Im ersten Teil haben Sie gehört, was hauptsächlich zu unserem Repertoire gehört, für den zweiten Teil haben wir bewusst etwas Anderes ausgewählt.“ Und so erklingen weltliche Titel, die zum Teil auch mehrere hundert Jahre alt sind.

Schon nach dem ersten bemerkt Peter Kopp den Wunsch des Publikums: „Ich weiß auch nicht, wenn Sie klatschen wollen, dann klatschen Sie doch.“ Ab dann gibt es Zwischenapplaus und die Gäste sind sichtlich erleichtert. Eine eigene Version des John Lennon Liedes „And I love her“ und von Albert Hammonds „I’m a train“ zeigt, dass die Jungen auch gerne modernere Stücke singen.

Der Dirigent erzählt, dass der Auftritt in Hartha der letzte in Deutschland ist, bevor es in den Herbstferien auf Konzertreise nach China geht: „Man kann also sagen Hartha-Shanghai auf direktem Weg“, lacht er. „Und die Chinesen haben genaue Vorstellungen von deutscher Musik.“

Er sagt, sie würden glauben, dass das „Heidenröslein“ das berühmteste deutsche Lied ist und von jedem gekannt und gesungen wird. Darum steht es in jedem Fall auf dem Programm für die Auftritte in China und wird auch in Hartha gesungen, viele Gäste singen still mit. Für die Reise haben die Jungen aber auch chinesische Stücke einstudiert. „Wir können es zwar nicht genau übersetzen, aber es soll um die Beschreibung der Natur gehen.“

Das Ende bilden noch zwei deutsche Volkslieder. „Oh Täler weit oh Höhen“ und „Kein schöner Land“ werden mit so viel Applaus und stehenden Ovationen belohnt, dass es noch eine Zugabe gibt. Mit „Der Mond ist aufgegangen“ verabschieden sich die Kruzianer und ziehen durch den Mittelgang wieder aus der Kirche aus.