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Sonntag, 01.10.2017

Vom Öhrling bis zum Zitterzahn

Bei der Pilzausstellung in der Löbauer Messehalle berieten Experten Besucher zu Essbarkeit, Geruch und Schwermetall-Belastung. Und über neue Sorten.

Pilzausstellung in der Messehalle Löbau: Mitgebrachte Pilze warten auf ihre Begutachtung durch die Sachverständigen.
Pilzausstellung in der Messehalle Löbau: Mitgebrachte Pilze warten auf ihre Begutachtung durch die Sachverständigen.

© Bernd Gärtner

Aus dem Korb von Silvia und Dieter Schröder leuchten Violette Lacktrichterlinge. Die Ebersbacher sind am Morgen extra durch den Wald gelaufen und sammelten ein, was sie an bis dato unbekannten Pilzen entdeckten. Um die zehn verschiedene Arten landeten erst im Behälter und fanden anschließend den Weg in die Löbauer Messehalle. Drei Pilzsachverständige vom Verein der Deutschen Gesellschaft für Mykologie standen den vielen Besuchern am Sonntag Rede und Antwort. Peter Olesch, Klaus Lehnert und Frank Sickert hatten die mittlerweile 6. Pilzausstellung auf die Beine gestellt. Tags zuvor noch stiefelten die drei gemeinsam mit 32 Kollegen durch die Königshainer Berge, um Pilze für die Ausstellung einzusammeln. Deshalb so viele Experten, weil in Königshain am Sonnabend eine Weiterbildung der sächsischen Pilzberater stattfand. Trotzdem: „Wir brauchen in unserer Region junge Leute, die sich als Pilzberater engagieren“, sagt Peter Olesch. Denn mittlerweile sind viele der Experten im Rentenalter. Um die beliebten Pilzwanderungen wieder öfter zu organisieren, benötige es neue Mitstreiter.

Bildergalerie von der Pilzausstellung in Löbau

Dabei ziehen die Pilze noch heute und vor allem jetzt im Herbst Jung und Alt in ihren Bann und damit in die Wälder. Gerade in diesem Jahr wachsen sie bestens, dank des feuchten Frühjahrs, dem durchwachsenen Sommer und dem bisher milden September. Die Ausbeute an Steinpilzen, Maronen und anderen Röhrlingen sei groß, so die Einschätzung der Berater.

Auch bei Familie Stein aus Oelsa sprießen die Pilze massenhaft. Allerdings auf dem eigenen Grundstück und nicht zur Freude der Bewohner, wie sich herausstellte. Denn die mitgebrachten Exemplare gehören zum Grünblättrigen Schwefelkopf – einer giftigen Art. Doch im Kochtopf landen sollen die büschelig wachsenden Fruchtkörper so oder so nicht. Ob der Pilz für die schönen alten Obstbäume im Garten schädlich sei, wollen die Steins wissen. „Ihre“ Schwefelköpfe wachsen dort, wo Holz gerodet wurde. Peter Olesch kann beruhigen: Die Art befällt vor allem Totholz. „Im Gegensatz zum Hallimasch, der gesundes Holz angreift und deshalb im Wald Schaden anrichten kann“, so der Experte.

Monika Jakob war aus Buchholz angereist. Die Seniorin lernte von klein auf die Pilzarten kennen. Ihr Wissen gibt sie an die Enkelkinder weiter, wie sie erzählt. Die Pilzausstellung sei eine wunderbare Wissenserweiterung. Denn wie ein Gallertiger Zitterzahn, ein Öhrling oder der Grünspan-Träuschling ausschaut, ist hier zu sehen. Inklusive Duftproben. Nicht nur die Stinkmorchel müffelt, auch Boviste und andere Pilze. Andere riechen besser. Beim Ani-Champion oder dem Rettichhelmling sagen schon die Namen die Duftnote voraus. Wobei am Geruch allein niemals die Essbarkeit zu erkennen ist. Darüber klären die Experten auf. Doch wie ist das mit den Schwermetallen im Boden? Pilze „saugen“ diese auf. „Deshalb sollten keine Pilze vom Straßenrand gesammelt werden. Sie wissen schon: die Autoabgase“, sagt Peter Olesch. Und die Nuklearkatastrophe in Tschernobyl 1986? Die Belastung der heimischen Wälder halte sich in Grenzen, so der Sachverständige. Zudem lassen sich nun wegen des Klimawandels auch Pilze aus dem Süden finden. Klaus Lehnert nennt den Tintenfischpilz als Beispiel. Andere Arten verschwinden von der Bildfläche. So wurde der Kaiserling 1971 zum letzten Mal in Deutschland gefunden.