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Mittwoch, 06.12.2017

Vom Brett zum Knopfdruck

Klaus Wappler zeigt in Dittersbach die Geschichte des Wäschewaschens. Mit Exponaten von den Anwohnern.

Von Susanne Sodan

Der Dittersbacher Ortschronist Klaus Wappler weiß, wie früher der Waschtag auf dem Land aussah. Hinten rechts auf dem Bild sieht man übrigens eine WM 66, die in den 60er und 70er Jahren sehr vielen Menschen in der DDR das Leben leichter gemacht hat.
Der Dittersbacher Ortschronist Klaus Wappler weiß, wie früher der Waschtag auf dem Land aussah. Hinten rechts auf dem Bild sieht man übrigens eine WM 66, die in den 60er und 70er Jahren sehr vielen Menschen in der DDR das Leben leichter gemacht hat.

© Matthias Weber

Die Kälte zieht schnell in die Hände. Erst werden die Fingerspitzen taub. Noch eine Socke und noch eine und wo ist die passende zweite? Am Ende fühlen sich die kompletten Hände an wie gefühllose Eisklumpen. Wäsche in diesen Tagen draußen aufzuhängen, auf dem Balkon oder auf der Wiese hinterm Haus, macht keinen Spaß. Aber innerhalb von ein paar Minuten ist die frostige Arbeit eben doch getan. Es ist noch gar nicht lange her, da war Wäschewaschen noch ein ganzes Tagwerk. Eine zeit- und kraftaufwendige Arbeit, die sogar gefährlich sein konnte. Wie der Waschtag früher aussah, zeigt die Sonderausstellung in den Dittersbacher Heimatstuben.

„Der erste Schritt war das Einweichen“, erzählt Klaus Wappler. Er steht in der Mitte des Ausstellungsraums in der ehemaligen Schule von Dittersbach. Früher wurde hier gelernt, heute im Grunde immer noch: Jedes Jahr zeigt Klaus Wappler im Erdgeschoss eine Sonderausstellung zu einem bestimmten Thema. „Ich brauche hier keine Gemädlegalerie aufzubauen. Dann würden bestimmt nicht so viele kommen“, sagt der 78-Jährige. „Die Leute interessiert viel mehr, was sie selber erlebt haben.“ Waschtag ohne vollautomatische Waschmaschine, das haben viele ältere Dittersbacher noch erlebt.

In der Mitte des Raumes hat Wappler eine Szene mit einer Bottichwaschmaschine – dieses Modell gab es etwa seit 1910 – aufgebaut. Gewaschen wurde auf diese Art aber auch viel später noch. Der erste Schritt ist also das Einweichen, erklärt Wappler. Dann den Kessel anheizen. „Jedes Haus hatte früher einen Heizkessel, entweder im Hinterhaus oder im Keller.“ Weißwäsche, erzählt er, wurde zunächst gekocht. Nächster Schritt: die brühend heiße Wäsche aus dem Kessel heraus und in die Bottichwaschmaschine mit Seifenlauge hinein heben. Deckel zu – und rühren. Später, bei den Bottichwaschmaschinen mit Elektromotor, konnte man sich wenigstens diesen Schritt sparen. „Als nächstes wurde die Wäsche durch die Mangel gedreht“, erklärt Wappler. Schon beim Zuhören bekommt man Rückenschmerzen. Dann ab mit der Wäsche in den nächsten Bottich, zum Spülen. Fertig? Ne. Weißwäsche, erklärt Wappler, wurde zumindest im Sommer schließlich noch zum Bleichen draußen in die Sonne gelegt.

Oft wird Klaus Wappler gefragt, ob er früher Lehrer war. War er nicht. Sein Arbeitsleben hat er in der Landwirtschaft verbracht. Dann kam der Ruhestand. „Und dann muss man sich ja ein Hobby zulegen“, sagt Wappler mit Ironie in der Stimme. Für ihn ist die Heimatgeschichte wirklich zur Leidenschaft geworden. Seine erste Ausstellung war die zum Ortsjubiläum 1986. Viele Anwohner brachten ihm damals alte Dinge, Dittersbacher Besonderheiten wie auch Alltagsgegenstände, Bilder und Dokumente. Und so mancher wollte diese Stücke nach der Ausstellung nicht zurück. Das war der Anfang für den heute sehr großen Fundus der Ditterbacher Heimatstuben. Mit dieser Grundlage stellt Wappler neben der regulären Ausstellung jedes Jahr eine Sonderausstellung auf die Beine. Auch heute noch bringen die Dittersbacher jedes Jahr passende Ausstellungsstücke. „Ich weiß inzwischen aber auch, wo ich etwas finden kann“, erzählt Klaus Wappler. Zum Beispiel, welche Dittersbacher sich von alten Dingen schwer trennen können und auf welchen Dachböden sich vielleicht dies oder das noch finden lässt.

Auch in der Ausstellung über den historischen Waschtag stammt fast alles von den Anwohnern: Waschbretter sind dabei, Bügeleisen – mit Eisenkern, Spiritus oder Elektrostecker –, Wäscherolle, Rolltücher, Wäschestampfer, mechanische und elektrische Waschmaschinen ... In einer Ecke steht die große Erleichterung, eine WM 66. Das war eine elektronische Wellenrad-Waschmaschine, die ab 1966 im Schwarzenberger Waschgerätewerk, gebaut wurde. Sie ist eines der bekanntesten Haushaltsgeräte der DDR. Zwei Drehschalter hat sie. Von wegen Temperatureinstellung auf den Grad genau. Mit dem einen Schalter kann man sich entscheiden, ob man Waschen, Heizen, oder Waschen und Heizen will. Der zweite Schalter zeigt aber immerhin schon drei Programme an: fein, normal oder grob. Von der enormen Arbeitserleichterung mal abgesehen soll die WM 66 noch einen großen Vorteil gehabt haben: ein sehr langes Leben. „Diese hier würde funktionieren, wenn man sie ansteckt“, erzählt Wappler. An den Wänden hängt historische Wäsche – und diesmal auch Kunst. Ein Art Kunst, die zum Thema passt. Der Künster Michael Voigt aus Neusalza-Spremberg „malt“ mit Knöpfen. Er hat schon zahlreiche Ausstellungen bestritten, im Sommer zum Beispiel auf Burg Stolpen. Ob er mit seinen Werken auch nach Dittersbach kommen würde, fragte sich Klaus Wappler. Michael Voigt hat zugesagt und zeigt in den Heimatstuben neben seinen Werken auch hunderte, vielleicht gar Tausende Knöpfe. Besonders ein Werk passt wirklich gut. Es hängt am Eingang und zeigt das Kaiserpaar – auf zwei für die Kunst umfunktionierten Bügelbrettern.

Die Ausstellung „Historischer Waschtag und Knöpfe und Knopfcollagen“ in den Dittersbacher Heimatstuben (Alte Schule, Neundorfer Straße 2) ist geöffnet am 10., 17. und 26. Dezember, sowie am 1. und 7. Januar, jeweils von 14 bis 17 Uhr.