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Mittwoch, 27.09.2017

Volkskrankheit ist vermeidbar

Fachärztin Dr. Claudia Eichhorn: Ungesunde Lebensweise ist oft Grund für Diabetes

Dr. Claudia Eichhorn (45) arbeitet als Oberärztin in der Inneren Klinik im Döbelner Krankenhaus.
Dr. Claudia Eichhorn (45) arbeitet als Oberärztin in der Inneren Klinik im Döbelner Krankenhaus.

© Klinikum

Döbeln. Dr. Claudia Eichhorn, Fachärztin für Innere Medizin/Diabetologie, arbeitet als Oberärztin am Klinikum Döbeln. Sie wird am Donnerstag einen Vortrag über Diabetes halten. Wir haben mit ihr gesprochen.

Frau Dr. Eichhorn, wie verbreitet ist die Krankheit Diabetes?

Sieben bis acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind davon betroffen. Deshalb die Bezeichnung Volkskrankheit Diabetes. Daneben gibt es noch etwa zwei Millionen Diabetiker, bei denen die Erkrankung noch nicht diagnostiziert wurde. In den nächsten Jahren, wenn man die Hochrechnungen sieht, werden die Zahlen noch deutlich zunehmen.

Woran liegt das?

Am Wohlstand. Uns geht es zu gut. Zu wenig Bewegung, zu viel und falsches Essen. Die ungesunde Lebensweise ist oft schuld. Dazu kommen aber auch erbliche Faktoren und das Alter. Es wird neuerdings auch diskutiert, dass Umweltbelastungen, wie Feinstaub, Stress am Arbeitslatz, Lärm, einen Einfluss haben könnten.

Was kann die Medizin dagegen tun?

Gegen die genetische Veranlagung kann man nichts machen und auch nicht gegen das zunehmende Alter. Am meisten kann der Patient selbst etwas tun, um einem Diabetes vorzubeugen. Er kann seinen Lebensstil so ändern, dass er sich gesund ernährt, ausreichend bewegt und sein Gewicht somit in dem Rahmen hält, wo es hingehört. Als Arzt kann man durch solche Veranstaltungen wie diese einen Beitrag zur Aufklärung leisten. Und natürlich ist auch die Politik gefragt, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und Prophylaxemaßnahmen zu fördern. Und wenn die Erkrankung doch auftritt, stehen uns als Ärzten, oder besser gesagt den Patienten, eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Es gibt eine medikamentöse Behandlung mit verschiedenen Tabletten und die Insulintherapie. Und wenn über die Jahre Spätschäden und Komplikationen auftreten, müssen auch diese behandelt werden.

Welche Altersgruppen betrifft die Krankheit vor allem?

Früher hatten wir es vor allem mit dem sogenannten Altersdiabetes zu tun. Alter ist nun mal ein Risikofaktor. Und auch heute noch ist die Erkrankung in den höheren Altersgruppen am häufigsten. Aber auch der Anteil jüngerer Patienten nimmt immer mehr zu. Der jüngste Patient mit Diabetes Typ 2 in Deutschland war fünf Jahre alt, in den USA sogar nur drei Jahre. Hier handelte es sich um stark übergewichtige Kinder.

(Es fragte: Jens Hoyer)

Gesundheitsforum Volkskrankheit Diabetes, Donnerstag, 17 Uhr, Hauptstelle der Sparkasse Döbeln. Der Eintritt ist kostenlos.