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Montag, 13.11.2006

Vision: Ein Taxi auf der Spree

Verkehr. Ein Unternehmer möchte Fahrgäste auf dem Wasser ans Ziel bringen – und scheitert damit an den Behörden.

Von Iris Exo,Berlin

Eine Frau tritt aus dem Hauptbahnhof an die Spree, blickt über den Fluss, streckt ihre Hand in die Luft. Ein knallgelbes Boot legt an, die Frau steigt ein: „Zum Berliner Dom, bitte!“. Der Kapitän nickt, das Wassertaxi gleitet Richtung Museumsinsel los. In Deutschland ist dieses Szenario eine Vision. Wassertaxis kennt man bisher vor allem aus Venedig oder New York. Ein Prototyp, Nachbau eines New Yorker Wassertaxis aus den 20er Jahren, liegt bereits auf der Spree. Doch das Bundesverkehrsministerium genehmigt es nicht – es existieren in Deutschland keine Richtlinien für Wassertaxis.

Eine Fahrt für fünf Euro

Vor vier Jahren kam Gerhard Heß die Idee, in Wassertaxis Passagiere auf der Spree zu chauffieren. Der gelernte Bootsbauer und ehemalige Surfschulbesitzer konzipierte zusammen mit Nils Clausen das Unternehmen „SpreeCab“. Ihre Vision: Vom Schloss Charlottenburg über Hauptbahnhof und Museumsinsel bis zum Rummelsburger See, insgesamt 35 Anlegestellen entlang von Spree und Landwehrkanal, gelbe Rufsäulen, Zusammenarbeit mit Pkw-Taxizentrale, die über GPS Ankunft des Wassertaxis mitteilen, gelbe Taxiboote für neun Passagiere, 20-minütige Fahrt für rund fünf Euro.

„Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVS) lehnt die Wassertaxis nicht ab, allerdings verlangen wir nach geltendem Recht eine 2-Mann-Besatzung“, erklärte der Pressesprecher Richard Schild. Die Spree ist eine Bundeswasserstraße, daher ist das Bundesministerium für die Zulassung zuständig. Die Vorschrift einer Besatzung von zwei Mann gilt für Fahrgastschiffe, als die auch Wassertaxis eingestuft werden. Charterschiffe sind von dieser Vorschrift nicht betroffen, da hier Haftungsansprüche vorher vertraglich geregelt werden. Das BMVS arbeite zurzeit an einem Sachstandsbericht zu dem Thema, der in einem Ausschuss „Ende November/Anfang Dezember“ behandelt werde, teilte Schild weiter mit.

Spreetaxi-Visionär Heß wurde mitgeteilt, dass aus Sicherheitsgründen zwei Mann nötig seien, um einen über Bord gegangenen Passagier wieder ins Boot zu holen und um sicher anlegen zu können. Heß, der selbst hinterm Steuer eines Wassertaxis stehen möchte, entgegnete: „Mein Boot ist viel kleiner und wendiger als große Fahrgastschiffe, daher kann man viel schneller reagieren, falls jemand über Bord geht.“ Auch das Festmachen des Bootes sei für eine Person kein Problem.

Auch in Hamburg setzen sich zwei Investoren, Ulrich Isensee und Georg Jozwiak, für Wassertaxis ein – und scheiterten bisher ebenfalls an Bedenken der Umweltbehörde und der Hamburg Port Authority. Nach einem konstruktiven Gespräch mit dem Oberhafenamt stehen die Chancen jetzt recht gut, berichtete das Hamburger Abendblatt. Der Hamburger Hafen ist allerdings keine Bundeswasserstraße. Bis auf Weiteres dümpelt das Taxi an seiner Anlegestelle. Die Erfinder des Berliner Wassertaxis warten nun auf Richtlinien für Wassertaxis auf deutschen Bundeswasserstraßen. Falls auf jedem Taxi zwei Bootsführer mitfahren müssten, ist die Frage, ob sich das Projekt rechnen kann. Entweder müssten größere Boote eingesetzt werden, oder es wird auf ein „SpreeCab“ als Charterboot hinauslaufen – daran möchte Heß allerdings noch nicht denken, es würde das Aus seiner Idee eines Taxiunternehmens zu Wasser bedeuten. (dpa)