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Freitag, 06.11.2015

Viele Kunst-Schnäppchen

Der Radebeuler Grafikmarkt ist nur noch am Sonntag und erstmals in der Elbsporthalle. Es gibt auch teure Blätter zu kaufen.

Vorbereitungen für den Grafikmarkt am Sonntag in Radebeul. Die Malerin Antje Krohn in ihrem Atelier in der Dresdner Neustadt.
Vorbereitungen für den Grafikmarkt am Sonntag in Radebeul. Die Malerin Antje Krohn in ihrem Atelier in der Dresdner Neustadt.

© Arvid Müller

Radebeul. Antje Krohn füllt die Mappen, die sie nach Radebeul mitnehmen will. Große und kleinere Grafiken kommen hinein. Siebdrucke vor allem. Nicht wenige zeigen Menschen in Bewegung. Die hat es ihr offensichtlich angetan. Bewegung als Symbol für Freiheit. Solche Springerbilder hat sie auch auf Stoff gemalt, sagt die aus München stammende und heute in Dresden lebende Künstlerin.

Das ist am Wochenende im Elbland los

Als Modell nimmt sie gern ihre beiden Töchter. Von deren Urlaubs-Dünen-Sprüngen macht die Malerin und Grafikerin Fotoskizzen. Später erscheinen die stilisierten Figuren in ihren Arbeiten. Schwebende, laufende, hüpfende Menschen beleben das gesamte Krohn-Atelier in der Dresdner Neustadt. Rund um die Siebdruckpresse und die Siebdruckmalereien. Eine Technik, die die 42-Jährige entwickelt hat. Sie experimentiert gern. Dabei entsteht so manches Unikat. Hier eine Variante in Rot, da eine in Schwarz. Bei der Suche nach Inhalt und Bedeutung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Jeder sieht etwas anderes, sagt Antje Krohn. Und genau das gefällt ihr.

Deshalb freut sie sich auf Sonntag, auf die Gespräche mit den Besuchern des 37. Radebeuler Grafikmarktes. Zum fünften Mal ist sie dabei und neugierig, wie sich der Wechsel des Veranstaltungsortes auswirkt. Die Dresdnerin packt auch einen Kalender für 2016 ein. Himmlisch II sein Titel. Mit faszinierenden Blau-Variationen. Antje Krohn lächelt. „Die blaue Phase.“ Zwölf Euro kostet das in Kalenderform, 150 Euro ein Siebdruckmalerei-Unikat in Schwarz.

Mehr al 3 000 Exponate

Damit liegt sie genau in der Spanne, die beim 37. Grafikmarkt erwartet wird. Von über 3 000 Exponaten zu moderaten Preisen von einem bis 1 000 Euro spricht Karin Baum. Die Stadtgaleristin organisiert den Grafikmarkt mit ihrem kleinen Team, mit Helfern aus Bürgerschaft und Stadtverwaltung, dem Förderkreis der Stadtgalerie und dem Radebeuler Kunstverein. Karin Baum kündigt eine breite Palette von Kunstwerken an. 90 Künstler, darunter die mit 89 Jahren älteste Teilnehmerin, die Radebeuler Malerin und Grafikerin Lieselotte Finke-Poser, sind auf der 900 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche vertreten, unter anderem mit Druckgrafiken, Zeichnungen, Collagen, Aquarellen, Fotografien und Künstlerbüchern.

Dass sich der Grafikmarkt für seine 37. Auflage ein neues Domizil suchen muss – wegen des Umbaus im Pestalozzi-Schulhaus und des bevorstehenden Rathausbaus –, war schon 2014 Diskussionsthema mit den Künstlern, sagt Karin Baum. Mit der Erkenntnis: Die Herausforderung lasse sich gemeinsam bewältigen, eine Veränderung nach all den Jahren könne nicht schaden.

So wurde die Elbsporthalle als durchaus geeignet für den neuen Standort befunden. Wegen der Erreichbarkeit mit Bus, Straßen- und S-Bahn sowie der Parkplätze in der Nachbarschaft. Außerdem habe das Haus als Mehrzweckhalle Tradition. Als Schützenhalle zum Elbgausängerfest 1908 erbaut, bot es auch schon Ausstellungen, Messen und Jugendkonzerten Platz.

Mit dem neuen Ort verändert sich allerdings die Dauer. Der Grafikmarkt öffnet nur Sonntag 10 bis 18 Uhr, verzichtet aber nicht auf das traditionelle Künstlercafé.

Was Elbsporthalle in West statt Ratssaal und Schulhaus in Ost für Antje Krohn bedeutet? Sie findet es gut, dass die Künstler an den Tischen vor Ort sind. So könne sie direkt erklären, wie sie arbeitet, wie sie ihre Ideen findet. Das kennt die lebhafte, freundliche Frau vom Meißner Grafikmarkt, von der Künstlermesse und vom Tag des offenen Ateliers, wie er am 22. November wieder in Dresden stattfindet.

So manchen Interessenten trifft sie immer wieder. Auch wenn sie nicht jeden namentlich kennt. Wer nach Radebeul kommt – ob als Sammler oder als Familie –, der weiß, dass es hier ein gutes Angebot mit hohem künstlerischen Anspruch gibt, sagt Antje Krohn. Deshalb ist sie schon gespannt, ob die ersten Besucher wie bisher schon vor der Eröffnung an der Tür stehen. Damit sie auch alles sehen, bevor der Verkauf so richtig losgeht.