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Mittwoch, 04.05.2016

Viel zu früh gegangen

Auf dem Pirnaer Friedhof wird eine Gedenkstätte für verstorbene Kinder eingeweiht. Die Initiatorin bekam viel Hilfe.

Von Mareike Huisinga

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Susann Tittel (rechts) hat für einen besonderen Gedenkort auf dem Friedhof Dippoldiswalder Straße in Pirna viel Geld gesammelt. Auch von Friedhofsleiterin Anett Hauschild bekam sie Hilfe. Doch nicht alle nehmen ihre Trauer ernst.
Susann Tittel (rechts) hat für einen besonderen Gedenkort auf dem Friedhof Dippoldiswalder Straße in Pirna viel Geld gesammelt. Auch von Friedhofsleiterin Anett Hauschild bekam sie Hilfe. Doch nicht alle nehmen ihre Trauer ernst.

© Kristin Richter

  • Susann Tittel (rechts) hat für einen besonderen Gedenkort auf dem Friedhof Dippoldiswalder Straße in Pirna viel Geld gesammelt. Auch von Friedhofsleiterin Anett Hauschild bekam sie Hilfe. Doch nicht alle nehmen ihre Trauer ernst.
    Susann Tittel (rechts) hat für einen besonderen Gedenkort auf dem Friedhof Dippoldiswalder Straße in Pirna viel Geld gesammelt. Auch von Friedhofsleiterin Anett Hauschild bekam sie Hilfe. Doch nicht alle nehmen ihre Trauer ernst.
  • Der geschmackvolle Gedenkstein von einem Steinmetzbetrieb aus Berggießhübel kostet alleine 5200 Euro.
    Der geschmackvolle Gedenkstein von einem Steinmetzbetrieb aus Berggießhübel kostet alleine 5 200 Euro.

Pirna. Der Ort ist gefunden, der Stein ausgesucht und genug Geld wurde auch gespendet. „Ich bin wirklich sehr froh und erleichtert“, sagt Susann Tittel. Die Pirnaerin gründete die Initiative Sternenelternträume und hat ein ehrgeiziges Projekt angeschoben, das jetzt realisiert wird. Am 13. Mai soll ein Gedenkort für verstorbene Kinder auf dem Friedhof an der Dippoldiswalder Straße eingeweiht werden.

Das war nur möglich, weil Susann Tittel kräftig um Spenden warb. Der geschmackvolle Gedenkstein von einem Steinmetzbetrieb aus Berggießhübel kostet alleine 5 200 Euro. Für die Bepflanzung kommen noch mal 300 Euro dazu. „Viele Einzelpersonen und Geschäftsleute aus Pirna haben Geld gegeben“, sagt Tittel, die über die gute Resonanz selber überrascht war.

Eine größere Summe kam vom Klinikum auf dem Sonnenstein. Die 34-Jährige überlegt einen Moment und stellt fest: „Schön, dass so viele Menschen Interesse zeigen und den Gedenkort finanziell unterstützen.“

Hilfe gab es aber nicht nur in Form von Überweisungen auf das Spendenkonto. Die evangelische Kirchgemeinde Pirna stellt kostenlos einen geeigneten Platz auf dem Friedhof zur Verfügung, und die Friedhofsmitarbeiter übernehmen die Pflege des Gedenkortes. Die Bepflanzung um den Gedenkstein wurde sehr bewusst gewählt. Die Friedhofsmitarbeiter setzten unter anderem Elfenblumen, die symbolisch für fortwährendes Leben stehen.

„Ich meine, wir haben einen guten Platz für den Gedenkort gefunden. Die Stelle ist etwas versteckt und ruhig. Hier können Menschen in Zukunft unbeobachtet trauern und sich erinnern“, sagt Friedhofsleiterin Anett Hauschild. Sie hofft, dass sich der Ort auch zu einer Begegnungsstätte entwickelt, wo sich Eltern treffen, miteinander ins Gespräch kommen und somit ihre Trauer verarbeiten können. Dabei sieht sie auch die Friedhofsmitarbeiter in der Pflicht. „Wir müssen zuhören und können auf Wunsch an Kontaktgruppen wie die Initiative Sternenelternträume in Pirna oder an den Dresdner Verein Sternenkinder vermitteln“, meint Hauschild.

Selbst betroffen

Als Betroffene hat Susann Tittel im März 2015 die Initiative Sternenelternträume Pirna gegründet. Die richtet sich an Eltern, die ihre Kinder früh verloren haben, vorwiegend in der Schwangerschaft oder auch kurz nach der Geburt.

Mit dem Gedenkstein für Sternenkinder möchte Susann Tittel vor allem jenen Eltern einen Raum bieten, die keinen Ort der Trauer haben. Dazu zählen zum Beispiel Frauen, die in einer Zeit ihre Kinder verloren haben, als es Beisetzungen für Sternenkinder noch nicht gab. Heute gilt, dass tote Kinder ab 500 Gramm beerdigt werden müssen und unter dieser Gewichtsgrenze beerdigt werden können. Je nach Wunsch der Eltern.

Zu der Selbsthilfegruppe Sternenelternträume in Pirna zählen derzeit fünf bis acht Mütter. Sie kommen in unregelmäßigen Abständen zusammen, um sich auszutauschen und zuzuhören. „Dabei wird nicht nur geweint, wir lachen auch und basteln kleine Dinge für uns“, sagt Susann Tittel. Auf Wunsch vermittelt die Initiative eine Fotografin aus Pirna, die ehrenamtlich ästhetische Fotos von Sternenkindern macht. Tittel weiß: „Das schafft Erinnerungen für die Eltern, denn die Fotos sind alles, was bleibt, und somit ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit.“

Einen großen Wunsch hat die Pirnaerin. „Es wäre schön, wenn die Gesellschaft mehr Verständnis für die betroffenen Eltern zeigen würde“, überlegt Susann Tittel laut. Solch lapidar hingesprochenen Sätzen wie: „Du bist ja noch jung und kannst noch Kinder bekommen“ seien aus ihrer Sicht kein Trost.

Sie selber hat zwei Kinder früh verloren. „Jedes Kind zählt. Ich bin Mutter von vier Kindern, zwei an meiner Hand und zwei unter meinem Herzen“, sagt die Mutter leise.

Die Einweihung des Gedenkortes für verstorbene Kinder findet am 13. Mai, um 17 Uhr, in der Kapelle auf dem Friedhof an der Dippoldiswalder Straße 25 statt.

Kontakt zur Initiative Sternenelternträume Pirna unter Telefon 0152 34067139