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Samstag, 31.01.2015

Veterinäramt wehrt sich gegen Vorwürfe der Tierschützer

Laut der Tierrechtsorganisation Peta ist das Amt tierfeindlich. Grund ist der Umgang mit der Zuchtanlage in Doberschwitz.

Von Maria Lotze

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Um die 37000 Hühner und Hähne leben in den drei Ställen der Sächsischen Farmbetriebe GmbH in Doberschwitz. Das Veterinäramt kontrolliert die Anlage regelmäßig.
Um die 37 000 Hühner und Hähne leben in den drei Ställen der Sächsischen Farmbetriebe GmbH in Doberschwitz. Das Veterinäramt kontrolliert die Anlage regelmäßig.

© Peggy Zill/Archiv

Mittelsachsens Veterinäramt ist von der Tierschutzorganisation Peta zu einer der tierfeindlichsten Behörden in Deutschland gekürt worden. Grund dafür sei das Verhalten der Mitarbeiter gegenüber Hinweisen, die Peta zur Geflügelzuchtanlage in Doberschwitz gegeben hat. Das Amt wehrt sich gegen den Vorwurf, auf Missstände in dem Betrieb nicht reagiert zu haben.

Im September des vergangenen Jahres veröffentlichte Peta Deutschland ein Video und Fotos, die die Tierquälerei in der Anlage zeigen sollen. Auf dem Film sind Mitarbeiter dabei zu sehen, wie sie Hühner der Brüterei verladen. „Die Tiere schlagen vor Angst wild mit den Flügeln, während sie kopfüber hängend in Kisten verfrachtet werden“, schildert Peta die Aufnahmen. Zudem habe eine kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Gisela Kallenbach bekannt gemacht, dass bereits 20 Prozent der Tiere in den Produktionshallen sterben. „Diese Todesrate weist auf massives Tierleid hin“, so Peta. Laut der Tierschutzorganisation habe das Veterinäramt trotz der Hinweise nichts unternommen.

Die Mitarbeiter des Landratsamtes verteidigen sich. Mit der Betriebsleitung habe das Veterinäramt die Aufnahmen, die Peta bereits 2013 beanstandet hatte, ausgewertet. „Auf dem Video sind keine tierschutzrechtlich relevanten Tatbestände nachweisbar“, so André Kaiser, der Sprecher des Landratsamtes. In der Vergangenheit sei die Sächsische Farmbetriebe GmbH (SFG) in Doberschwitz mehrfach kontrolliert worden. Dabei seien keine Verstöße gegen den Tierschutz festzustellen gewesen. Zur Sterberate in dem Zuchtbetrieb äußert sich das Landratsamt so: „Die von PETA außerdem beanstandete Verlustrate im Bestand liegt unserer Kenntnis nach im selben Bereich wie in anderen Betrieben gleicher Nutzungsrichtung.“ Um mögliche Verstöße frühzeitig festzustellen, gebe es auch hier regelmäßig Auswertungen mit dem Betrieb sowie dem betreuenden Tierarzt zum Tod von Tieren.

Laut Peta soll die Negativauszeichnung des Amtes die Mitarbeiter anspornen, sich zukünftig engagierte für Tiere einzusetzen. Das Engagement lege das Veterinäramt bereits jetzt an den Tag, so das Landratsamt. Allein im vergangenen Jahr sind über 600 Tierschutzkontrollen durchgeführt worden. In drei Fällen im Nutztierbereich wurde Strafanzeige wegen Verstößen gegen den Tierschutz eingereicht. Hinzukommen 20 Bußgeldverfahren im Heim- und Nutztierbereich sowie sieben Haltungsverbote von Heimtieren. Die zahlreichen Hinweise und Auflagenbescheide bei festgestellten Mängeln werden statistisch nicht erfasst. „Dies zeigt deutlich, dass das Veterinäramt seiner Verpflichtung zur Durchsetzung der tierschutzrechtlichen Vorgaben im Landkreis nachkommt“, stellt Kreissprecher André Kaiser dar.

Seit knapp drei Jahren ist die Geflügelzuchtanlage in Doberschwitz in Betrieb. Proteste dagegen hatte es von Seiten der Tierschützer bereits im Vorfeld gegeben. In regelmäßigen Abständen wird die SFG seitdem kritisiert. Im Sommer 2012 waren an einem Tag mehrere hundert Tiere gestorben, weil es zu heiß in den Ställen gewesen ist. Daraufhin wurde das Lüftungskonzept der Anlage überarbeitet. Ende 2013 wurden Bedenken laut, weil ein Fahrzeug für gewerbsmäßige Vergasung auf dem Gelände gesichtet wurde. Dabei handelte es sich lediglich um ein Lieferfahrzeug für Flüssiggas, mit dem die Heizung der Anlage betrieben wird.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Eckard Wendt

    Die Einlassungen des Landratsamts sind typisch, weil sie nach dem altbekannten Strickmuster einer sich als unfehlbar einschätzenden und gegenüber der Agrarindustrie als sehr "flexibel" im Sinne von beugsam erweisenden Behörde stammen. Auch ich kenne die Aufnahmen und intervenierte mehrfach. Sie zeigen, dass restliche Tiere sogar in die bereits verladenen Transportkisten geschleudert wurden. Dies nicht als tierschutzrelevant zu erkennen, erachte ich als Beleg für die erfolgreiche "Desensibilisierung" der Veterinäre im Studium und Berufsalltag. Nun, offenbar steigt beim Kreisratsamt die Toleranzgrenze umgekehrt proportional zum "Stückwert der Produktionseinheit". In der "Ferkelproduktion" gelten Verluste von 15% als nicht hinnehmbar. Klar, dass alles i. O. ist, wenn Kontrollen angemeldet werden. Verwaltungsbeamte und ihre Chefs legen sich ja nicht gerne mit Firmen an, die sich teure Anwälte leisten können und das Gehalt gibt´s jeden Monat, auch wenn manchmal Beamtenmikado gespielt wird.

  2. Lucas

    Ein abschreckendes Beispiel : darum niemals was aus der eigenen (sächsischen) Region kaufen, niemals.

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