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Freitag, 06.10.2017

Verständigung am Kochtopf

Eine Lehrerin und zwei Schüler aus der Partnerstadt Leitmeritz bereiten ein Drei-Gang-Menü mit Meißner Jugendlichen zu. Knödel und Braten dürfen nicht fehlen.

Von Marcus Herrmann

Beim Ferienkochprojekt des Städtepartnerschaftsvereins Meißen haben Mandy (li.) und Kiwi nicht nur viel Spaß, sondern lernen auch etwas über Spezialitäten aus dem Nachbarland.
Beim Ferienkochprojekt des Städtepartnerschaftsvereins Meißen haben Mandy (li.) und Kiwi nicht nur viel Spaß, sondern lernen auch etwas über Spezialitäten aus dem Nachbarland.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Etwas schärfer könnten die Messer schon sein, mit denen die insgesamt neun Schülerinnen zwischen 10 und 17 Jahren Fleisch oder Pilze zerkleinern. „Aber es geht auch so, dann brauchen wir eben ein bisschen mehr Kraft“, sagt Katerina Vomackova, Lehrerin für Deutsch, Russisch und Geschichte im tschechischen Leitmeritz. Aus der Meißner Partnerstadt hat sie an diesem Donnerstagmorgen zwei 17-jährige Schülerinnen mit in die Küche der Stiftung Soziale Projekte (Sopro) an der Nossener Straße gebracht.

Auf Einladung des Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins, Matthias Cotta, sind die Drei nach Meißen gekommen, um mit deutschen Schülern ein typisch tschechisches Gericht zu kochen. Das zweistündige Ferienangebot hat in der Domstadt bereits Tradition. „Wir haben im Frühjahr schon einmal französisch gekocht und davor auch schon mal japanisch“, erklärt Cotta. Sein Städtepartnerschaftsverein übernimmt den Großteil der Kosten für den Kochkurs. Lediglich zwei Euro Eigenanteil müssen die Meißner Schüler selber investieren.

Anders als die beiden böhmischen Mädchen Maria und Barbora mussten sie am Morgen nicht schon ein paar Unterrichtsstunden hinter sich bringen, schließlich sind in Sachsen gerade Herbstferien. „Wir haben heute früh in Leitmeritz noch ein bisschen gelernt, sind dann mit einem Privat-Auto nach Meißen gekommen“, erzählt dagegen Katerina Vomackova, die geduldig Anweisungen gibt, welche Zutaten in welchen Mengen in die Kochtöpfe wandern müssen. Unterstützt wird sie dabei von Christine Hauke, Vorstandsmitglied der Sopro Meißen. Während sich ihre Tochter Kiwi mit Freundin Mandy um das Fleisch für den Hauptgang kümmert, sorgen sich andere erst einmal um die Vorspeise.

Hier soll es ein tschechisches Pilzsüppchen, das sogenannte „Kyselo“ geben, verrät Barbora aus Leitmeritz. Das gäbe es in ihrer Heimat sehr häufig vor dem Hauptgang. An diesem Mittag könnte der kaum typischer für das Nachbarland sein: Es gibt Schweinebraten mit Kartoffelknödeln. Das würden zumindest viele Deutsche als genuin tschechisch ansehen. „Jedoch“, sagt Lehrerin Vomackova, „sei gerade unter den Jugendlichen in der Tschechischen Republik internationale Küche sehr beliebt. Das reiche von mediterranen Speisen bis hin zum Burger von McDonald's.“

Die Zutaten für das Dessert hat die Pädagogin gleich selbst mit nach Meißen gebracht. Aufgetischt wird ein böhmischer Kuchen mit hausgemachter Marmelade. Dass es für Katerina Vomackova zwischenzeitlich etwas stressig ist, mit so vielen Schülern zu kochen, ist kein Wunder. Ursprünglich sollte ein Koch aus der Heimat mit ihr nach Meißen fahren. „Aber er ist kurzfristig krank geworden, deshalb muss ich heute alleine ran.“ Zu Hause koche sie zwar auch mit ihren vier Kindern zusammen. Aber mehr als doppelt so viele, sei noch mal etwas ganz anderes. Dem Spaß in der Sopro-Küche tut das allerdings keinen Abbruch. Soßen und süße Zutaten können zwischendurch auch mal verkostet werden. Deutsche und tschechische Schüler verstehen sich am Kochtopf gut. Wo die passenden Vokabeln fehlen, wird sich mit Gesten und Zeichen beholfen.

Matthias Cotta, der das Treiben freudig beobachtet, will das internationale Kochen nach Rezepten der Partnerstädte jedenfalls als festes Ferienangebot in Meißen fortführen und weiter etablieren. „Es macht allen Spaß und ist eine schöne Erfahrung und Möglichkeit zum Austausch für die Jugendlichen“, sagt er.