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Freitag, 12.01.2018

Vermieter schickt eine Putzbrigade

Die Hausordnung ist oft ein Streitpunkt. Das will die TAG Wohnen & Service jetzt ändern. Es gibt nicht nur Zustimmung.

Von Sylvia Jentzsch

Die Hausordnung ist oft ein Streitpunkt. Während vor allem ältere Mieter diese mit großer Sorgfalt erledigen, sehen das andere Mieter etwas lockerer. Um Ordnung und Sauberkeit zu gewährleisten, setzen die meisten Vermieter auf Dienstleister.
Die Hausordnung ist oft ein Streitpunkt. Während vor allem ältere Mieter diese mit großer Sorgfalt erledigen, sehen das andere Mieter etwas lockerer. Um Ordnung und Sauberkeit zu gewährleisten, setzen die meisten Vermieter auf Dienstleister.

© André Braun

Döbeln. Wer will schon in einem Haus wohnen, dessen Flur schmutzig, die Briefkästen schmierig sind und der Keller nicht gekehrt ist. Früher war es selbstverständlich, auch vor seiner Wohnung Ordnung zu halten. „Das ist auch immer noch bei den älteren Mietern so“, bestätigte Dirk Förster-Wehle, Leiter Immobilienmanagement TAG Wohnen & Service GmbH.

Doch die Mieterstruktur habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Junge Leute sind in die Häuser eingezogen, für die die Hausordnung eben nicht mehr selbstverständlich ist. Die Einstellung wandle sich, so Förster-Wehle. Natürlich gebe es auch noch Mieter, die die Hausordnung vorbildlich erledigen.

Um einen einheitlich hohen Qualitätsstandard zu erreichen, habe sich das Unternehmen dazu entschlossen, die Reinigung der gemeinschaftlichen Flächen ab dem 1. Februar an einen externen Dienstleister zu vergeben, so Förster-Wehle.

Kosten sollen vertretbar sein

Um die Kosten für die Mieter jedoch so gering wie möglich zu halten, wurde ein Rahmenvertrag mit der TAG Immobilienservice GmbH abgeschlossen. Je nach Wohnungsgröße sind das sechs bis neun Euro im Monat. Dafür werden unter anderem jede Woche die Fensterbänke in den Treppenhäusern, die Klingeltableaus und die Briefkästen gereinigt. Griffspuren an den Haustüren und Lichtschaltern sollen verschwinden. Auch im Keller und den Dachböden ist die Reinigungsbrigade unterwegs. Einige Arbeiten fallen nur monatlich oder zwei bis vier Mal im Jahr an. Auch wenn die Mieter nicht selbst anpacken müssen, so ist doch ihre Unterstützung gefragt. Wenn sich die Putzbrigade angekündigt hat, sollen die Gegenstände, die sich vor den Wohnungseingangstüren wie Schuhe oder Fußabtreter befinden, weggenommen werden. „Die Prozesse der Reinigungsfirma sind gut abgestimmt. Wir haben bisher gute Erfahrungen gemacht“, so der Leiter Immobilienmanagement. Die Leistungen der Firma würden auch durch Kontrollen und Mieterbefragungen bewertet.

Nicht alle Mieter einverstanden

Diese Informationen erhielten alle Mieter der etwa 2 200 Wohnungen. Nicht alle sind damit einverstanden. Sie wollen weiterhin die Hausordnung selbst übernehmen, um die Kosten zu sparen. „Wir haben mit unserem Informationsbrief unsere Absicht den Mietern angezeigt und gehen davon aus, dass die Mehrheit dem zustimmt. In einzelnen Fällen suchen wir das Gespräch mit den Mietern“, sagte Dirk Förster-Wehle . Es müsse eine einheitliche Lösung für alle Wohnungen geben, um das Problem zu lösen. Denn: „Es gab immer wieder Beschwerden von Mietern über schlechte Hausreinigung und den unschönen Pflegezustand einzelnen Treppenhäuser“, so der Leiter Immobilienmanagement. Das können so nicht sein. Zum einen wegen dem Wohlbefinden der Mieter und zum anderen seien die Treppenhäuser auch ein Aushängeschild der TAG. Das sei ihr Anspruch.

Auch andere Vermieter setzen externe Reinigungsfirmen für die Erledigung der Hausordnung ein. „Das ist in den letzten fünf bis sechs Jahren der Trend. Manche Mieter können diese Leistung nicht mehr erbringen und manche wollen das nicht“, so Andreas Wittig, Geschäftsführer der Haus- und Wohnungsverwaltungs GmbH (HWV).

Im Sinne der Gerechtigkeit

Schon aus Gründen der Gerechtigkeit sei das eine praktikable Lösung, wenn der Preis vertretbar ist. „Wenn zum Beispiel die gegenüberliegende Wohnung nicht vermietet ist, hat der Mieter eine Doppelbelastung“, so Wittig. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Anschreiben an diejenigen, die ihrer Pflicht nicht nachkommen, meist nichts bringen.

Die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt (WGF) setzt mit Zustimmung der Mieter ebenfalls externe Unternehmen ein. „Es wird ein Vertrag für das Haus abgeschlossen“, so Vorstand Stefan Viehrig. Ziel der WGF sei es, diese Dienstleistung zu 100 Prozent an Firmen zu vergeben. Schließlich gehe es auch um die Erhaltung der gesamten Immobilien.

Bei der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft (GWG) sind es nur zwei bis drei Häuser, die von einem Dienstleistungsunternehmen geputzt werden. „Für die Hausordnung ist jeder Mieter selbst verantwortlich. Wer das nicht mehr selbst kann, muss sich eine Firma suchen. Aber vielleicht können auch Kinder oder Enkel ihr Taschengeld mit dem Hausputz aufbessern“, so Vorstand Andreas Paul. Wenn sich allerdings alle Mieter im Haus einig sind, dann sucht die GWG auch ein einen Dienstleister. Bisher seien die Verträge allerdings von den Mietern selbst mit den Firmen abgeschlossen worden.