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Dienstag, 30.09.2014

Verloren im Paragrafendschungel

Eine Ausstellung stellt Menschen vor, die sich gegen unnötige Bürokratie gewehrt haben.

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In der Ausstellung stehen Unternehmer im Fokus, die bürokratische Probleme angepackt und gelöst haben.
In der Ausstellung stehen Unternehmer im Fokus, die bürokratische Probleme angepackt und gelöst haben.

© Norbert Millauer

Claudia Domnik hat eine Odyssee durch den Dschungel der deutschen Bürokratie hinter sich. Die hat viel Zeit und Nerven gekostet und nahm ihren Anfang nach einer schweren Krankheit 2011. Als es der gelernten Gärtnerin etwas besser ging, wollte sie vor allem eins: wieder arbeiten. Doch zwei Monate nach einer OP war sie noch nicht voll einsatzfähig und entschied sich, bei der Arbeitsagentur vorübergehend Unterstützung zu beantragen.

Dort wurde sie aber gleich als dauerhaft erwerbsunfähig eingestuft, und die aufreibende Irrfahrt begann. Mittlerweile ist die Hessin erfolgreiche Kleinunternehmerin, hat einen Käsekuchenhandel und ist die aktuelle Gewinnerin des mit 50.000 Euro dotierten Werner-Bonhoff-Preises. Die Berliner Stiftung unterhält ein Bürogebäude an der Tharandter-Straße. Dort zeigt eine Ausstellung jetzt besonders gravierende Fälle von starren Verwaltungsstrukturen.

„Wenn Leute etwas selber machen, ist es nicht gut, wenn ihnen unnötige Steine in den Weg gelegt werden“, sagte Vorstand Till Bartelt bei der Ausstellungseröffnung. Die Stiftung will diese Menschen und ihre Fälle bekannt machen und zeigen, dass sich bürokratische Hürden überwinden lassen, wenn man sie nicht still hinnimmt.

Als Claudia Domnik wieder fit war, wollte sie den Berufseinstieg schaffen und sich selbstständig machen. Sie hatte einen Businessplan erstellt, der von mehreren Seiten als vielversprechend eingestuft worden war. Der Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur blieb ihr trotzdem verwehrt. Der Grund: Sie war gegen ihren Willen noch immer als erwerbsunfähig gelistet. Erst als sich die damals 43-Jährige an eine Zeitung gewandt hatte, änderte sich die Situation, und sie erhielt die Förderung. Dieser und viele weitere Fälle werden von der Stiftung gesammelt.

„Eine träge Verwaltung wird dann besser, wenn sie ihren Kritikern zuhört“, erklärte Bartelt das Konzept. In der Ausstellung ist auch die Geschichte von Fernsehmoderator Günther Jauch vertreten. Er sah sich willkürlichen Bestimmungen des Denkmalamtes ausgesetzt, als er in Potsdam mehrere Häuser sanieren ließ.

Zu den ersten Besuchern der kleinen Schau gehörten Günter Rietzschel und Oksana Kaiser. Sie leiten einen Pflegedienst in Freital und Dresden und bilden Lehrlinge aus. „Auch wir stoßen an Grenzen der Förderung durch das Amt“, sagte Kaiser mit Blick auf eine Mitarbeiterin. Die erhält keine Förderung für ihre Weiterbildung, weil sie bereits einen Berufsabschluss hat. (sot)

Die Ausstellung ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr zu sehen im Bonhoff-Unternehmer-Zentrum in Dresden-Löbtau, Tharandter Straße 13.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Bärchen1963

    Ist doch eigentlich schlimm!. Warum muss es dazu eine Ausstellung geben? Um die Erfolgreichen zu Rühmen und die Erfolglosen noch trauriger zu machen

  2. kleinermaulwurf

    Nein, wohl eher um Mut zu machen. All denen die sich noch im Paragraphendschungel verirrt haben. Wer kämpft kann verlieren, das ist durchaus klar. Aber wer nicht kämpft überlässt anderen alle Gestaltungsmöglichkeiten. Ruhm ist sicher etwas ganz anderes als seinen eigenen mühsamen Kampf in einer solchen Ausstellung präsentiert zu sehen. Und allen, die am Ende nicht so erfolgreich waren, gilt damit ebenso der Respekt für ihren Mut und ihre Mühen.

  3. Herr Aal vom Amt

    Habe die Ausstellung auch gesehen. Fand schon den Titel hochinteressant: "Der Kaiser hat ja gar nichts an / Bürokratie-Therapie von nebenan" :)) Großartige Sache! So kommen Probleme voran; nicht indem man sie unter dem teppich lässt!

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