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Freitag, 25.07.2014

Verkaufsoffene Sonntage auf der Kippe

Mit der neuen Mehrheit im Stadtrat will Rot-Rot-Grün das Einkaufen am Ruhetag unterbinden. Die Kirchen freut es.

In Dresden könnte es ab 2015 keine stadtweiten verkaufsoffenen Sonntage mehr geben
In Dresden könnte es ab 2015 keine stadtweiten verkaufsoffenen Sonntage mehr geben

© dpa

Dresden. Das Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in der Landeshauptstadt steht noch nicht ganz, da zeichnen sich schon gravierende Veränderungen ab. Es deutet sich an, dass es in Dresden ab 2015 keine stadtweiten verkaufsoffenen Sonntage mehr geben wird. Darin sind sich die drei Parteien einig.

„Wir brauchen keine Shoppingsonntage“, sagt die Grünen-Fraktionschefin Christiane Filius-Jehne. Die Öffnungszeiten der Geschäfte seien an den anderen Wochentagen völlig ausreichend. „Familie statt Kommerz“, lautet die einfache Formel von Linken-Fraktionschef André Schollbach. „Stadtweite Einkaufssonntage lehnen wir grundsätzlich ab.“ Dem pflichtet auch SPD-Chefin Sabine Friedel bei: „Weil der Sonntag Sonntag sein muss. Es ist unvernünftig, sonntags die Läden zu öffnen.“

Erst vor wenigen Tagen hat die Stadtverwaltung ihre Vorschläge für verkaufsoffene Sonntage vorgelegt. In Absprache mit dem Handel und unter Duldung von Kirchen und Gewerkschaften werden die Termine 17. Mai, 4. Oktober, 6. und 20. Dezember genannt (die SZ berichtete). Am kommenden Donnerstag diskutiert der Wirtschaftsausschuss der Stadt darüber. Dieses Gremium ist derzeit noch nach den alten Mehrheiten besetzt. Dort könnte es demnach eine Empfehlung geben, den Vorschlägen zu folgen. Jedoch ist dieses Votum unbedeutend, da sich im September der neue Stadtrat konstituiert. Dieser entscheidet dann über die Regelung. Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen gilt die Ablehnung der Shoppingsonntage als sicher.

Sollten verkaufsoffene Sonntage in Dresden erlaubt bleiben?

1223 abgegebene Stimmen

Etwas anders sieht es bei den verkaufsoffenen Sonntagen in den Stadtteilen aus. Beispielsweise zur Bunten Republik Neustadt, zum Elbhangfest, zum Hechtfest oder zum Prohliser Herbstfest könnte es für die jeweiligen Bereiche die Erlaubnis geben, die Läden sonntags zu öffnen. „Wir werden das im Einzelfall prüfen. Wenn ein reales Fest stattfindet und es sozusagen nichts zu schützen gibt, kann es Ausnahmen geben“, so Schollbach.

Den drei Parteien geht es um den Schutz der Mitarbeiter, die wenigstens einen Tag in der Woche nicht arbeiten sollen. Filius-Jehne wisse, welche Belastung Sonntagsarbeit für die Beschäftigten bedeute: „Ich bin gelernte Buchhändlerin, habe selbst im Einzelhandel gearbeitet.“

Diskussionen um das Sonntagseinkaufen gibt es seit Jahren in Dresden. Bisher hatten Linke, Grüne und SPD eine Mehrheit unter Führung der CDU gegen sich. Die Kirchen sind für die Sonntagsruhe. „Wir freuen uns natürlich, wenn es da Bewegung gibt“, sagt Michael Baudisch, Sprecher des Bistums Dresden-Meißen. Der Ruhetag sei für die Familien wichtig.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 39 Kommentare

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  1. knut knebel

    schon irre, wenn die "christliche" union (wie gehabt) kollektiv dem schnöden mammon hinterherstürzt und ihren kirchen untreu bleibt. vollends entfremdet wird nun der untergang des abendlandes beschworen. egal, die sonntagsruhe kommt und das ist gut so. es ist der letzte tag, an dem die gehetzten horden überhaupt noch etwas zu sich kommen können. halleluja!

  2. Stephan

    So sehr ich das sich abzeichnende Bündnis in und für Dresden begrüße, so albern empfinde ich die Diskussion/Begründung gegen verkaufsoffene Sonntage: Wohin gehen denn die Leute an diesen Sonntagen, wenn sie frei haben? Biergarten, Café, Kino, Theater, ... sie fahren mit dem Auto und tanken, wenn etwas passiert kommen Polizei/Feuerwehr/Notarzt. Sorry aber liebe Kirche/liebe Traditionalisten: Bitte überlasst es doch den Geschäften und den Leuten selber ob sie am Sonnabend/Sonntag arbeiten oder nicht. Oder seid bitte so konsequent, dass an den Tagen alle frei haben! Gaststätte, Hotel, Tankstelle, Kino, Polizeidienststelle, Krankenhaus, alle zu! Und mir ist bewusst, dass das jetzt arrogant klingen kann: Wenn man nicht gewillt ist an einem Wochenende zu arbeiten, dann darf man sich diesen Beruf/diese Arbeitsstelle nicht aussuchen! Und: Ich weiß wovon ich als gelernter Hotelfachmann spreche! und auch heute, in einem anderen Job reise ich an Wochenenden zum Kunden an, freiwillig und gern.

  3. Heiko

    Natürlich auch an Weihnachten! Gibt nen gigantischen Verlust für die Händler. Weihnachtsstadt Dresden wird unattraktiv. Finden die Sozis sowieso dekadent...

  4. smoky

    So sehr auch ich den "Anbieterwechsel" im Stadtrat begrüsse, die Wochendarbeitsdiskussion hat etwas merkwürdiges: Sollen es die Leute selbst entscheiden, ob sie am Wochenende arbeiten wollen oder nicht. Die Parlamente sollten sich eher um vernünftige Regelungen (Mindestanzahl freier Wochenenden, Zuschläge, Ausgleichstage usw.) und deren Einhaltung kümmern. Arbeite selbst seit mehr als dreissig Jahren am Wochenende wie nachts, und ich lebe immer noch... und genieße es, mich Wochentags an nicht überfüllten Orten herumzutreiben bzw in Behörden die verkehrsschwachen Zeiten zu nutzen. Ein wenig schleierhaft ist mir denn auch, weshalb gerade diese "verkaufsoffenen Sonntage" so viel Publikum anziehen...? Herdentrieb? Übrigens: In Schweden haben die Lebensmittelmärkte seit Jahr und Tag Sonntags (meist ab Mittag) geöffnet.

  5. jensi

    mir wird die neue Stadtregierung immer sympatischer--jeder der mal im Handel gearbeitet hat weis wie wichtig ein freier Tag in der Woche ist !!sollen sie es 1 Personengeschäften erlauben wo der Besitzer für sich selbst wirtschaftet---wie die Einpersonenkneipen wo man auf Erlaubnis des Betreibers rauchen darf !! weiter so---endlich mal Bewegung,wenn auch bestimmt nicht immer in die richtige Richtung---aber allen macht man es sowieso nie Recht !!! grussi......

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