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Montag, 12.02.2018

Verjüngungskur für Schwarz-Pappeln an der Neiße

Momentan sind die Bäume eine aussterbende Spezies. Bei Lodenau wird etwas dagegen unternommen.

Sachsenforst-Mitarbeiter Peter Hahn schneidet bei Lodenau einjährige Triebe von einer Schwarz-Pappel. Das ist die Grundlage, um die Art zu vermehren.
Sachsenforst-Mitarbeiter Peter Hahn schneidet bei Lodenau einjährige Triebe von einer Schwarz-Pappel. Das ist die Grundlage, um die Art zu vermehren.

© André Schulze

Lodenau. Lutz Weinbrecht weiß ganz genau, wohin er will. Auch wenn sich die Straße zu einem holprigen Weg verjüngt – der Experte des sächsischen Staatsbetriebes Sachsenforst fährt zielgerichtet ans Neißeufer. Bei Lodenau stehen dort einige Schwarz-Pappeln, die in ihrem Bestand gefährdet sind. Die Bäume, schätzt der Sachbearbeiter für Generhaltung, sind bis zu 130 Jahre alt. Doch um ihre natürliche Verjüngung ist es eher schlecht bestellt. „Schwarz-Pappeln sind Charakterbäume im Übergangsbereich von der Weich- zur Hartholzaue, gleichzeitig aber auch Lebensraum und Nahrungsquelle für Käfer, Schmetterlinge, Motten und andere Lebewesen“, erläutert der Fachmann. Würden die Bäume durch Überalterung verschwinden, hätte das gravierende Auswirkungen auf die Artenvielfalt.

Deshalb ist Weinbrecht mit drei Kollegen angereist, die sich Steigeisen und Sicherungsseile anlegen und an den Pappel-Oldies emporklettern. Die unteren Baumkronen sind ihr Ziel. Dort schneiden sie einjährige Triebe heraus, aus denen jeweils 20 Zentimeter lange Steckhölzer entstehen. Die wiederum kommen auf einer circa 1,3 Hektar großen Fläche in Ottendorf bei Neustadt in die Erde. Nach einem Jahr haben sich daraus bis zu 1,50 Meter große Pflanzen entwickelt. Klone, wie der Experte erklärt. Das sind genetisch identische Nachkommen ihres Herkunftsbaumes. „Wenn wir von dem vorher eindeutig die Artzugehörigkeit zur Schwarz-Pappel bestimmt haben, bekommen wir durch die vegetative Vermehrung 100-prozentig reinrassige Setzlinge.“ Eine andere Möglichkeit sei die Samengewinnung. Durch die Bestäubung der Blüten könne man allerdings nie die Reinrassigkeit garantieren.

Ob die in die Jahre gekommenen Schwarz-Pappeln entlang der Neiße jüngere Nachbarn bekommen, liegt laut Lutz Weinbrecht an den hier aktiven Naturschutzverbänden. „Die fordern bei uns neue Bäume an. Zwischen Krauschwitz, Lodenau, Rothenburg und Zodel ist das aber bisher nur vereinzelt der Fall gewesen“, bedauert der Fachmann. „Sachsenforst ist für die Kartierung der Bestände, das Einsammeln des Triebmaterials und das Heranwachsen der Setzlinge zuständig. Aufgeforstet werden muss dann allerdings vor Ort.“