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Freitag, 05.06.2015

Verhandlungen zur Umweltschule haben begonnen

Im Streit um die Zukunft der Einrichtung muss das Gericht entscheiden. Ein Prozesstag wird dafür nicht reichen.

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Schulleiterin Julia Pörschke (l.) und Katrin Förster, Geschäftsführerin des Trägers, haben letzte Woche der Presse geantwortet, nun tun sie es vor Gericht.
Schulleiterin Julia Pörschke (l.) und Katrin Förster, Geschäftsführerin des Trägers, haben letzte Woche der Presse geantwortet, nun tun sie es vor Gericht.

© Sven Ellger

Die Fronten zwischen Sächsischer Bildungsagentur (SBA) und Umweltschule sind extrem verhärtet. Das zeigte sich gestern besonders deutlich beim Termin am Dresdner Verwaltungsgericht. Beide Parteien trafen sich dort, weil der Träger der Natur- und Umweltschule, der Verbund Sozialpädagogischer Projekte (VSP), die Bildungsagentur verklagt hat. Anlass dazu hatten die bisher von der Behörde erteilten Genehmigungen für die Schule gegeben.

Seit der Gründung 2011 hat die SBA den Betrieb der Natur- und Umweltschule von Schuljahr zu Schuljahr jeweils nur vorläufig gestattet. Für das laufende, das in wenigen Wochen endet, wurde sogar nur eine Duldung erteilt. Sämtliche Genehmigungen der Behörde waren an Auflagen und Bedingungen geknüpft, die die Schule teilweise nicht erfüllen konnte. Schließlich ordnete die Sächsische Bildungsagentur am 15. Mai an, dass die Umweltschule nur noch bis 31. Juli betrieben werden darf.

Im Prozess müssen nun der Vorsitzende Richter Frank Steinert und seine beiden Kolleginnen Carola Vulpius und Sylvia Radtke sowie zwei weitere ehrenamtliche Richter klären, ob die Bildungsagentur in den vergangenen vier Jahren gegen geltendes Recht verstoßen hat. „Eine Behörde darf keine Genehmigungen auf Probe erteilen“, sagte Steinert. Außerdem fragte er, warum der Schulbetrieb laufe, obwohl nach Aussage der Bildungsagentur die Voraussetzungen dafür nicht gegeben seien.

Im August 2011 hatte die Behörde einen ersten Antrag auf Genehmigung der Natur- und Umweltschule abgelehnt. Grund war das fehlende besondere pädagogische Interesse. Die Schule legte gegen diesen Bescheid Widerspruch ein, dem das Verwaltungsgericht im August 2011 stattgab und somit einen vorläufigen Betrieb genehmigte. Das besondere pädagogische Interesse an der Schule war nach dessen Ansicht gegeben. Die Natur- und Umweltschule konnte daraufhin mit einer Grundschule loslegen. Jedoch wurde der Betrieb in den Folgejahren durch die Bildungsagentur erschwert.

Schwierig war gestern für die Richter, die seit 2012 erteilten Bescheide der Behörde einzuordnen. „Sie sind nicht eindeutig nachzuvollziehen und widersprechen sich teilweise“, schätzte die zweite Richterin Carola Vulpius die Sachlage ein. Der Anwalt der SBA, Gotthardt Dorzok, begründete, dass immer wieder das besondere pädagogische Konzept der Schule fehlte und Mängel in der Umsetzung auftraten. Doch Vulpius sah das anders. Sie trennte Konzept und Umsetzung und bat auch den Anwalt der SBA darum. Für die Richterin ging aus den Unterlagen eindeutig hervor, dass die Voraussetzungen für die Genehmigung der Schule gegeben waren. „Selbst das Kultusministerium hat das ganz klar gesagt“, so Vulpius. Der Anwalt und die Vertreter der Bildungsagentur, darunter auch Fachberater, wollten das so nicht stehen lassen. Das Konzept der Schule sei nicht klar genug gewesen. Verschiedene Beispiele wurden angeführt, die jedoch stets in einer Kritik an der Umsetzung des Konzeptes mündeten.

Im weiteren Prozessverlauf versuchten die Richter, den Schulalltag nachzuempfinden und den Leistungsstand der Kinder einzuschätzen. Ursprünglich war dafür auch ein Vorort-Termin in der Schule geplant, der aber krankheitsbedingt abgesagt werden musste. Der Anwalt des Schulträgers, Martin Sträßer, leidet an einer Beinverletzung. Bei der Auseinandersetzung mit dem Alltag an der Umweltschule kam aber nicht nur die Bildungsagentur in Erklärungsnot, auch die Umweltschule konnte nicht alle Informationen sofort liefern. Schließlich wurden von beiden Parteien zahlreiche Vorwürfe geäußert, die an Schärfe zunahmen. Das machte es den Richtern besonders schwer, eine Entscheidung zu treffen. Deshalb wurde diese vertagt. „Wir müssen uns darüber gründlich beraten“, sagte Carola Vulpius.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Dresdner Gewissen

    Kann vielleicht die SZ mal erklären: Was ist eine Umweltschule? Wer braucht eine Umweltschule? Wer bezahlt die Umweltschule? Gerade die Beantwortung der letzten Frage wird interessante Rückschlüsse zulassen.

  2. Barbara

    Eine weitere Frage wäre: Was denken sich Eltern dabei, ihre Kinder in diese Schule mit dem völlig anderen Konzept einzuschulen, wenn es nach 4 Jahren dann dort nie weitergeht, weil es nur 4 Klassen gibt? Ich meine, wenn an der Waldschule 10 Klassen möglich wären und die Schüler dann einen anerkannten Waldschulabschluss bekommen würde, wäre das o.k. und super. Aber wenn nach dem 4. Schuljahr immer ein Bruch einsetzt (und die Schüler dann statt in eine Waldschule größtenteils in staatliche Schulen gehen), ist das doch für die Schüler schlimm?! Da wäre es doch besser, von Beginn an eine staatliche Schule zu nutzen, oder eine Montessori- Schule mit 10 Klassen?!

  3. Tino Tilschner

    Den Wegbereitern im bürokratischen Schulsystem wünsche ich alles Gute. Aus meiner Sicht erreicht klassische Schule längst nicht mehr alle. Und die, die hingehen müssen, würden sich vielleicht auch über Formen freuen, die mit ihrem Leben mehr zu tun haben. Nicht jedes Kind kann 5 von 7 Wochentagen einen ganzen Vormittag in einem Klassenraum mit vielen anderen auf einem Stuhl sitzen und einer Person zuhören. Auch wenn noch nicht alles immer gleich perfekt läuft sehe ich dieses Angebot als eine Bereicherung! Dort würde ich gern arbeiten!

  4. Thomas Neumann

    Ähnlich wie Waldkindergärten setzt die Umweltschule auf eine naturnahe, an Montesori angelehnte, Pädagogik. Die Bildungsinhalte werden hier zu mehr als 50 Prozent in der freien Natur vermittelt. Die Kinder lernen also nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern erhalten dabei ein Verständnis für Natur und Umwelt sowie gesellschaftliches Miteinander. Inhaltliche Grundlage bildet der für alle Schulen in Sachsen geltende Sächsische Bildungsplan. Wie alle allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft muss auch die Umweltschule eine vierjährige Wartefrist stemmen, bis sie Anspruch auf staatliche Förderung hat. Bisher trägt sich die Schule also ausschließlich durch das Engagement von Eltern, Förderern und natürlich Krediten. In jedem Fall ist die Natur- und Umweltschule eine Bereicherung für die Sächsische Bildungslandschaft. Schade, dass nun der Rechtsweg als einzige Lösung bleibt.

  5. Dresnder Schüler

    Freie Schulen allgemein werden in den ersten Jahren erheblich von Eltern und vom Träger finanziert. Anschließend erfolgt eine staatliche Förderung, die ca. 70 bis 80 % der Kosten von staatlichen Schulen beträgt. Freie Schulen wie insbesondere die Natur- und Umweltschule (NUS) sind somit nicht nur attraktiver, sondern vor allem für die Steuerzahler viel preiswerter als staatliche Schulen. Infos dazu siehe z.B. http://www.apfelundei.org Gebraucht wird die Natur- und Umweltschule (NUS) für mehr als 60 lernbegeisterte Schüler, von denen ein erheblicher Teil zur Verbesserung des Wohls des Kindes aus staatlichen Schulen dorthin gewechselt ist. Umwelt bedeutet alle auf ein Individuum einwirkenden Faktoren, Umweltschule bedeutet also eine Optimierung der Lernumgebung für die Schüler.

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