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Sonntag, 01.10.2017

Vergebliche Aufholjagd der Lausitzer Füchse

Nach 13 Minuten liegt Weißwasser gegen den Vizemeister mit 0:3 hinten. Aber es wird noch einmal spannend.

Von Ronny Reddo und Frank Thümmler

So eng war es vor dem Tor der Bietigheim Steelers. Füchse-Stürmer Feodor Boiarchinov findet die Lücke gegen den Bietigheimer Goldhelm Matt McKnight und Torwart Sinisa Martinovic nicht.
So eng war es vor dem Tor der Bietigheim Steelers. Füchse-Stürmer Feodor Boiarchinov findet die Lücke gegen den Bietigheimer Goldhelm Matt McKnight und Torwart Sinisa Martinovic nicht.

© Gunnar Schulze

Was Experten mit einem Blick auf den Spielplan schon befürchtet hatten, ist eingetroffen. Die Lausitzer Füchse müssen das erste Null-Punkte-Wochenende quittieren. Dem desaströsen 2:9 beim amtierenden Zweitligameister Löwen Frankfurt am Freitagabend folgte keine 48 Stunden später ein 2:3 (1:3, 1:0, 0:0) gegen den Vizemeister Bietigheim Steelers auf eigenem Eis. Der Unterschied zwischen beiden Partien war allerdings riesig. Diesmal präsentierten sich die Füchse als das bessere Team – bis auf den (am Ende entscheidenden) Faktor Cleverness. Selbst deren Trainer Kevin Gaudet sagte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Eigentlich hätten sich die Füchse heute einen Punkt verdient. So sind wir glücklich, mit allen drei Punkten nach Hause zu fahren.“ Entscheidend dafür war die Anfangsphase des Spiels.

Was nach 13 Minuten auf der Anzeigetafel stand, passte so gar nicht zu dem, was bis dahin auf dem Eis passiert war. Die Füchse begannen wie die Feuerwehr, waren in den ersten Minuten auch aus Sicht des Gästetrainers das bessere Team. Aber Boiarchinov und Bodó nutzten ihre ersten guten Schusschancen nicht, und der erste Konter der Gäste saß. Matt McKnight, der auch in Weißwasser noch in guter Erinnerung ist, lief über rechts ins Füchse-Drittel und spielte quer auf Max Lukes, der halbhoch über den Schoner von Franzreb hinweg zum 0:1 traf. Gerade einmal 84 Sekunden waren da gespielt.

Die Füchse ließen sich nichts anmerken, stürmten weiter Richtung Gästetor und spielten ihre Chancen heraus. Schüsse von Lennartsson, Boiarchinov und Eriksson (3. und 4.) fanden aber nicht ihr Ziel. In einer ersten Überzahl kamen die Füchse nicht zurecht. Danach verpasste Boiarchinov nach einer 3:2-Situation den Ausgleich. Ganz anders auf der anderen Seite: Justin Kelly, mit seinen 36 Jahren nicht mehr der schnellste, lief ins Füchse-Drittel und traf zum 0:2 (12.). Und gut eine Minute später fand Matt Mc Knight von hinter dem Tor Max Lukes, der direkt abzog und zum 0:3 traf. Das war der Unterschied: Die Bietigheimer hatten aus drei Chancen drei Tore gemacht, die Weißwasseraner aus fünf, sechs Einschussmöglichkeiten keines. „Co-Trainer Roberto Hoffmann sagte nach dem Spiel: „Das war schon bitter. Wir haben eigentlich gut gespielt, aber zwei Konter bekommen, und beim dritten Gegentreffer stimmte die Zuordnung nicht.“ Füchse-Trainer Hannu Järvenpää nahm eine Auszeit, um der Mannschaft nach dem 2:9 in Frankfurt und dem 0:3 nach 13 Minuten zu sagen, dass das Spiel bislang nicht so schlecht gewesen sei. „Das alles ist ein Lernprozess. Und die Jungs brauchen einfach Selbstbewusstsein“, erklärte Hoffmann. Es dauerte nach der Auszeit nur Sekunden bis zum ersten Füchse-Treffer. Christopher Bodó fand die Lücke von hinter dem Tor zu Anders Eriksson, der direkt abzog und hoch in die lange Ecke traf. Sofort war wieder Hoffnung auf den Rängen, die nach dem Familienfest der Füchse gut gefüllt waren.

Das Mitteldrittel war vor allem gekennzeichnet durch viele Strafen. Fünfmal mussten die Füchse auf die Strafbank, nur einmal die Gäste. Aber was in Frankfurt am Freitag noch eine Katastrophe war, klappte diesmal ganz gut – das Unterzahlspiel. Die Bietigheimer kamen zwar immer wieder in die Box, aber nur selten zu gefährlichen Abschlüssen. Die Füchse hielten ihren Kasten sauber. Und sie kamen zum Anschlusstreffer. Kyle Just setzte im gegnerischen Drittel nach, eroberte den Puck und brachte ihn vor das Tor, wo „Nachzügler“ Marius Schmidt völlig allein was. Der technisch oft nicht so sicher wirkende, große Stürmer machte es diesmal stark. Er legte sich den Puck auf die Rückhand und schaufelte ihn hoch ins Netz (25.). Niemand vermutete zu diesem Zeitpunkt, dass das schon das letzte Tor des Abends gewesen sein sollte. Auf der Gegenseite hielt Franzreb einen Direktschuss von Auger. Für die Füchse hatte der flinke Lennartsson die gefährlichsten Schusschancen.

Natürlich versuchten die Füchse im Schlussdrittel alles, um zum Ausgleich zu kommen. Aber man hatte den Eindruck, dass jetzt die Kräfte etwas schwanden, die Klarheit in vielen Aktionen verloren ging. Die Füchse hatten in der 52. Minute noch einmal eine echte Druckphase, aber der Puck wollte nicht ins Tor. Bei einer Überzahl spielten sich die Füchse zwar gut ins Drittel, schossen dann aber zu wenig, schafften es auch nicht, für Betrieb vor dem Tor der Gäste zu sorgen. Der echte Zug zum Tor fehlte. Als die Bietigheimer zweieinhalb Minuten vor Schluss eine Strafe kassierten, war noch einmal Hoffnung. Schließlich hatten die Füchse schon zweimal in dieser Saison den späten Ausgleich erzielt, nachdem sie ihren Torwart vom Eis nahmen. Diesmal kam es anders. Erst kassierte Anders Eriksson eine wirklich dumme Strafe, vielleicht aus Regelunkenntnis. Der Schwede hatte seinen Helm verloren, setzte ihn wieder auf und wollte weiterspielen. Das ist aber – warum auch immer – verboten und wird mit einer Zwei-Minuten-Strafe geahndet. Der Spieler muss immer erst auf die Bank.

Die Füchse nahmen bei Vier-gegen-Vier den Torwart trotzdem vom Eis, kamen auch ins Drittel, schafften diesmal aber keinen Treffer mehr. Trotzdem, die Leistung sollte Auftrieb geben. Am kommenden Wochenende spielen die Füchse am Freitag (19.30 Uhr) zu Hause gegen die Heilbronner Falken, bevor sie am Sonntag nach Ravensburg reisen. Gegen beide Teams sollte etwas drin sein.

Statistik

Lausitzer Füchse – Bietigheim Steelers 2:3 (1:3, 1:0, 0:0)

0:1 Max Lukes 1:27 (Assist: McKnight, Schwarz)

0:2 Justin Kelly 11:39 (ohne Assist)

0:3 Max Lukes 12:51 (McKnight, Sommerfeld)

1:3 Anders Eriksson 13:30 (Bodó, Boiarchinov)

2:3 Marius Schmidt 24:35 (Just)

Lausitzer Füchse

Tor: Franzreb

Verteidigung: Adam, Mücke – Kania, Mund – Hoffmann, Geiseler – Nägele

Sturm: Schmidt, Just, Lennartsson – Bodo, Eriksson, Boiarchinov – Neuert, Götz, Tegkaev – Jahnke, Warttig, Stöber

Bietigheim Steelers

Tor: Martinowic

Verteidigung: Prommersberger, Schoofs, Auger, Steingross, Borzecki, Schwarz

Sturm: Lukes, Hauner, Sommerfeld, Zientek, Kelly, McKnight, Weller, McPherson, Preibisch, McNeely

Schiedsrichter: Tony Engelmann, Nicole Hertrich

Strafen: Weißwasser 14, Bietigheim 12

Zuschauer: 2 226