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Aus dem Gerichtssaal Donnerstag, 15.11.2012

Verfolgungsfahrt endet am Schulhof-Baum

Ein vielfach vorbestrafter Autoknacker wurde gestern erneut verurteilt. Er hatte sich ein Rennen mit einer Zivilstreife geliefert.

Von Alexander Schneider

Robert B. (46) ist im Juni vergangenen Jahres kurz hintereinander in drei Autos eingebrochen, um die kombinierten Radio-Navi-Geräte zu stehlen – mit je über 3000 Euro Schaden. Auf einem Firmengelände Am Anger knackte er einen VW Tiguan, danach in der Lauensteiner Straße und am Frauensteiner Platz in Gruna zwei VW Passat. Spätestens nach der letzten Tat war er einer Zivilstreife aufgefallen, als er gegen 1 Uhr in der Junghansstraße in seinen BMW stieg. Dort keilten die Beamten das Auto ein und zeigten die Kelle: „Aussteigen!“

Doch der 46-Jährige gab Gas und rammte sich den Weg frei. Die Beamten verfolgten den BMW rund 600 Meter. Am Ende der Hepkestraße krachte der BMW durch den Zaun einer Grundschule, rammte einen Baum und demolierte den Sandkasten. Dann entkam der fast blinde Robert P. zu Fuß – vorerst.

Anfang einer Einbruchserie

Gestern musste er sich am Amtsgericht Dresden wegen Einbruchs, Unfallflucht und Widerstands gegen Beamte verantworten und räumte alle Vorwürfe ein. Zwar war er bis dato in Deutschland noch nicht aufgefallen, hat aber in Polen viele Jahre in Haft gesessen. „Es tut mir sehr leid, dass ich diese Dummheit begangen habe. Ich möchte mich entschuldigen“, sagte er. Er habe mit den Taten seinen Lebensunterhalt aufbessern wollen, weil er wegen seiner Sehschwäche arbeitsunfähig sei.

Der Mann hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Nach der Nacht in Dresden knackte er auch in Berlin, Köln und Bautzen Autos, wofür er bereits mehrfach verurteilt wurde. Zehn Monate aus Berlin musste das Schöffengericht nun in den Schuldspruch einbeziehen. Der Angeklagte erhielt eine Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre, Verteidiger Ulf Israel 20 Monate gefordert. Sein Mandant wird jedoch noch länger in Haft sitzen: Ihm drohen noch die Urteile aus Bautzen und Köln.