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Samstag, 02.04.2016

Verein verlangt Original-Fassade am Neumarkt

Hinter dem Kulturpalast wird ein neues Gebäude an der Frauenstraße gebaut. Um sein Aussehen gibt es Streit.

Von Lars Kühl

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Geht es nach der Gesellschaft Historischer Neumarkt, wird die Fassade des Neubaus an der Frauenstraße, wie in der Visualisierung, nach dem Vorbild des Chiapponischen Hauses rekonstruiert.
Geht es nach der Gesellschaft Historischer Neumarkt, wird die Fassade des Neubaus an der Frauenstraße, wie in der Visualisierung, nach dem Vorbild des Chiapponischen Hauses rekonstruiert.

© Visualisierung: Arte4D/GHND

Die Archäologen, die sich bis vor Kurzem hinter dem Kulturpalast noch durch die Jahrhunderte gegraben haben, sind weg. Die Neubebauung der Ecke Galerie-/Frauenstraße durch den Investor USD (Unser Schönes Dresden) könnte also demnächst beginnen. Doch vorab gibt es Ärger.

Anstoß ist ein Entwurf, mit dem die Gesellschaft Historischer Neumarkt überhaupt nicht einverstanden ist. Der Verein beobachtet den Wiederaufbau im Stadtzentrum kritisch, immer mit dem Hintergedanken, bei den Vorhaben möglichst nah an das meist barocke Original heranzureichen. Am Freitag meldete sich Vorstand Torsten Kulke zu Wort. Er verwies auf einen Beitrag des Architekten Alexander Poetzsch, der kürzlich auf seiner Facebook-Seite eine Ansicht gepostet hatte. Die zeigte das neue Gebäude, das anstelle des Hauses, welches 1761 die italienische Kaufmannsfamilie Chiapponi erbauen ließ und das bis zur Bombennacht 1945 hier stand, errichtet werden soll.

Es ist nicht nur das moderne Aussehen der Fassade, die Kulke stört, sondern vor allem die Gebäudemaße. „Nach Überprüfung fehlen dem Grundstück 1,5 bis zwei Meter, um eine Fassadenrekonstruktion des Chiapponischen Hauses umsetzen zu können“, sagt er. „Die Stadt hat anscheinend die entsprechenden Grundstücksgrenzen neu festgelegt.“ Er vermutet eine Schleppkurve als Ursache, die für die Fahrzeuge notwendig ist, die den Kulturpalast anliefern. Zweifel bestehen jedoch, ob die bereits an der Einfahrt zur Frauenstraße in dem Ausmaß beginnen muss.

Kulke verweist auf ein städtebauliches Konzept von 2011, vom Stadtrat beschlossen. Das sah für das Chiapponische Haus noch die dem Original nachempfundene Fassade als bindend vor, obwohl damals schon die Größe der Schleppkurve bekannt gewesen sein musste. Die Gesellschaft fordert die Stadt auf, „den Fehler zu korrigieren, sich an ihr Konzept zu halten und den Grundstücksanteil der USD zu übereignen“. Alternativ wäre ein Überbauungsrecht, welches am Neumarkt bereits mehrfach Eigentümern eingeräumt worden war. „Ein Wiederaufbau des Chiapponischen Hauses ist nicht nur möglich“, erklärt Kulke, „sondern durch seinen Erker auch für das Gesamtensemble Frauenstraße notwendig.“ Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein: Der Beitrag mit dem modernen Entwurf auf der Seite des Architekten Alexander Poetzsch wurde nach wenigen Tagen wieder gelöscht.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 16 Kommentare

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  1. Architekturfreund

    VEREIN VERLNGT ORIGINALFASSADE -ja wer ist dieser Herr Kulke denn der so anmaßend Forderungen an Stadt und vor allem Investoren richtet. In erster Linie ist er ein Rückwärtsgerichteter Verhinderer moderner und praktischer Architektur.Er selbst und sein Verein ist bisher nicht ins Risko gegangen hat ein Grundstück erworben Architektenleistungen finanziert ect.ect, . In vielen Metropolen und auch kleineren Städten der Welt wird Erhaltenswertes erhalten u. modernes zugefügt. So ist der Lauf der Geschichte - Dresden hat mit Frauenkirche Schloss ,Zwinger genug erhalten nun muß historisches u. modernes zusammengebracht werden. Die SZ sollte aber auch mal aufhören dem Herrn Kulke u. seiner Truppe eine Plattform zu geben,man sollte einmal junge zukunftsgerichtete Architekten zu so einem Thema zu Wort kommen lassen.

  2. Görlitzer

    @Architekturfreund: Die GHND hat sehr wohl ein Grundstück erworben und hier eine Rekonstruktion finanziert, und zwar die Rampische Straße 29. Von daher: Wer ist dieser Architekturfreund, der sich trotz seiner offensichtlichen Ahnungslosigkeit unter ausnahmslos jedem SZ-Neumarkt-Artikel bemüßigt fühlt, über eine der verdientesten städtischen Vereine herzuziehen?

  3. Richard52

    Warum kommen die Touristen nach DRESDEN?. deshalb ab ins Narrenhäusel HERR A-FREUND und nimm die anderen gleich mit, aber nur bei Hochwasser. Sonst go home nach Hannover auf das Gelände der Weltausstellung.

  4. Klaus T.

    Unsäglich, dieser anmaßende Verein. Aber in Dresden passt alles zusammen, dieser Verein rundet das Bild nur ab.

  5. angenehmerEntwurfMitLeichtenFehlern

    Ich finde die Visualisierung der Fassade des Neubaus an der Frauenstraße sehr schön. Die orginalgetreue Fassadenkonstruktion hat nur einen Schönheitsfehler und der ist zwischen dem blauen und dem rosafarbenen Haus. Die Dächer gehen nicht harmonisch ineinander über, sondern stehen ab. Ich könnte mir bei dem rosafarbenen Haus einen schönen Dachgartenpavillon vorstellen mit integrierten Sonnenkollektoren. Die stellen keine Brandgefahr dar und würden die Heiz-und Warmwasserkosten limitieren. Weiterhin würde ich mir farbige Fresken oder farbige gemalte naturgetreue Bilder über Liebe, Natur, schöne Landschaften, Tiere u.ä. wünschen. Moderne Architektur-KEINE SCHUHKARTONS, KEINE LEGEHENNENBATTERIEN, KEINE SONDERMÜLLKREATIONEN,KEIN DDR-MODERN-RETRO,KEINE JURORENDIKTATE- mit wirklich anspruchsvollen Design soll in eigenen Vierteln voll auftrumpfen können. Kompromisse sind in der Diplomatie essentiell, in der Kunst aber sind Kompromisse Schrott.

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