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Verborgene Schätze unter der Dippser Erde

Bergbauförderverein sammelt mit Crowdfunding Geld für einen Lehrpfad. Die Pläne gehen weit darüber hinaus.

06.10.2017
Von Franz Herz

e Schätze unter der Dippser Erde
Nur Spezialisten wie Heide Hönig, die Grabungstechnikerin beim Landesamt für Archäologie, können in die mittelalterlichen Bergwerke in Dippoldiswalde einfahren. Für ein Besucherbergwerk sind die alten Stollen und Schächte viel zu eng. Dennoch sollen Interessierte diese verborgenen Ecken auch kennenlernen, auf die klassische Tour mit einem Lehrpfad und Informationstafeln sowie mit der neuen Technik der virtuellen Realität.

© Egbert Kamprath

Dippoldiswalde. Was nützen die seltensten historischen Schätze, wenn sie keiner sieht und kennt? Dieses Problem stellt sich in Dippoldiswalde, wo europaweit einzigartige Überreste aus dem mittelalterlichen Bergbau nach 800 Jahren immer noch erhalten sind. Der Förderverein mittelalterlicher Bergbau in Dippoldiswalde und das Landesamt für Archäologie wollen eine Lösung dafür finden. Die soll ganz klassisch als Bergbaulehrpfad beginnen. Dann soll aber eine zweite Stufe folgen, wo in ganz Europa versteckte archäologische Schätze mit der Technik der virtuellen Realität Besuchern nahegebracht werden.

Für die erste Stufe nutzt der Bergbauförderverein einen neuen Weg zur Finanzierung. Er präsentiert sein Vorhaben auf der Crowdfunding-Plattform „99 Funken“, die von der Ostsächsischen Sparkasse angeboten wird. 10 000 Euro müssen bei dieser Aktion mindestens zusammenkommen, damit die Aktion als erfolgreich gewertet wird und der Bergbauverein das Geld ausgezahlt bekommt. Sein Ziel liegt aber höher. „15 000 Euro würden wir gerne bekommen. Damit könnten wir sechs Infotafeln aufstellen“, sagt Bernd Heine, der Vereinsvorsitzende. Die Stationen sind am Obertorplatz, der Glashütter Straße, dem Busbahnhof, der Herrengasse, der Wassergasse und auf dem Markt beim ehemaligen Bergamt vorgesehen. Heine rechnet mit 2 500 Euro Kosten pro Tafel. Wenn noch mehr Geld reinkommt, könnten weitere Tafeln aufgestellt werden.

Beim Crowdfunding gibt es auch Gegenleistungen. Wer 20 Euro beiträgt, erhält einen Anstecker, für 50 Euro gibt es eine Führung über den Lehrpfad, für 500 Euro eine Einladung zur Eröffnung. Wer 2 000 Euro gibt, nimmt an der Verlosung einer Einfahrt unter Tage teil, informiert Wendy Eixler vom Projekt Archaeomontan.

Eine Startfinanzierung von 5 000 Euro stellt die Sparkasse bereit. Bis zum Freitag dieser Woche hatten 15 weitere Unterstützer 486 Euro gezeichnet. Damit sind 55 Prozent der Mindestsumme erreicht. Bis 21. Dezember ist noch Zeit. Dann wird abgerechnet. Sind bis dahin mindestens 10 000 Euro zusammengekommen, startet das Projekt Bergbaulehrpfad. Dafür fehlen aber noch 4 514 Euro. Andernfalls geht das Geld an die Unterstützer zurück und die Dippser müssen für den Bergbaulehrpfad eine andere Finanzierung finden.

Das würde vor allem Christiane Hemker bedauern, die Leiterin des Projekts Archaeomontan. Denn sie hat Dippoldiswalde als Pilotstadt für ein größeres Projekt im Auge. Das Landesamt für Archäologie in Sachsen steht an der Spitze des EU-Projekts „Virtual Arch“. Hier geht es darum, verborgenes archäologisches Erbe mit virtueller Realität zum Leben zu erwecken. So sind die mittelalterlichen Bergwerke in Dipps zu eng und zu verwinkelt, um sie für Besucher zu öffnen. Sie sind aber schon im Detail vermessen und fotografiert worden. Mit diesen Bildern und einer speziellen Brille können Gäste dennoch den Eindruck gewinnen, in einem der alten Stollen zu stehen. Wie das geht, wird nun erforscht.

Dippoldiswalde mit seinen Bergwerken im Stadtkern und in Niederpöbel wäre ein wichtiger Teil des Projekts. Mittelalterliche Bergwerke in Italien, ein mittelalterlicher Hafen in Polen, ein römischer Hafen in Kroatien oder Pfahlbausiedlungen in Slowenien sind andere Beispiele für archäologische Schätze, die nicht zugänglich sind, aber mit der virtuellen Realität doch zum Leben erweckt werden sollen.

www.99funken.de/bergbaulehrpfad