Sonntag, 30.12.2012

Veilchen blühen mitten im Winter

Mit Temperaturen bis zu zehn Grad ist der Jahreswechsel einer der wärmsten. Selbst die Bienen schwärmen schon aus.

Von C. Karlshaus u. S. Plecher

Dieser Tage wirklich ein ungewohnter Anblick – das wilde Veilchen. Auch als Tee oder Sirup leistet das Veilchen gute Dienste, was die wenigsten wissen.Foto: privat
Dieser Tage wirklich ein ungewohnter Anblick – das wilde Veilchen. Auch als Tee oder Sirup leistet das Veilchen gute Dienste, was die wenigsten wissen.Foto: privat

Die Mücken schwirren wieder durch die Luft und die Vögel zwitschern, als stünde der Frühling bereits vor der Tür. Nachdem es den Großenhainern Weihnachten nicht nur warm ums Herz geworden ist, sondern sie angesichts der zweistelligen Temperaturen auch in ihren dicken Jacken schwitzten, wird auch zum Jahreswechsel vom Winter nicht viel zu spüren sein.

Rhododendren blühen

Laut Experten vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig (DWD) werde die Silvesternacht mit sechs Grad plus vergleichsweise mild ausfallen. Werte, die – wie bereits im Jahr zuvor um diese Zeit – deutlich über den langjährigen Temperaturen lagen. Normal seien um die null bis ein Grad.

Kein Wunder, dass so ein warmes Wetter die Natur durcheinander bringt. Vor einigen Häusern in Kleinraschütz haben bereits die Rhododendren zu blühen begonnen. Auch die Winterkirsche, der Winterjasmin und der Winterschneeball zeigen sich vielerorts in blühender Pracht. Und nicht nur sie: Im Garten von Birgit Beeken aus Frauenhain blühen seit vergangener Woche sogar die Veilchen. „Der Borretsch steht gut, Brunnenkresse und Vogelmiere machen sich breit, die Minze schiebt frische Triebe“, sagt die Hobbygärtnerin, die in ihrem Kräuteridyll im Ortsteil Pfeife nicht nur heimische, sondern auch exotische Kräuter anbaut. „Die Wetterkapriolen machen die Menschen kaputt“, ist sie überzeugt und fragt sich, wie sich die Natur in einer so kurzen Winterpause erholen soll.

Bienen reinigen sich

Für die Bienen sei das hingegen kein Problem. „Das milde Wetter tut ihnen sogar ganz gut, dann entleeren sie ihre Blase“, sagt Imker Fritz Woitaß. Ab einer Temperatur von acht Grad Celsius starten die fleißigen Honigsammler zu sogenannten Reinigungsflügen, auf denen sie sich der Dinge entledigen, die bei langen Frostphasen sonst im Bienenstock landen.

Der Zabeltitzer hat zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter 30 Bienenvölker. Fritz Woitaß beobachtet seine Bienen sehr genau. Obwohl es in den Vorjahren schon warme Januarphasen gegeben hat, seien die Bienen in diesem Jahr besonders viel unterwegs. Wer jetzt einer Biene begegnet, sollte sich allerdings in Acht nehmen: Derzeit wären sie aggressiv. Länger als eine halbe Stunde seien sie aber nicht unterwegs, dann suchten sie schnell wieder die Wärme ihres Volkes. Denn bis auf vereinzelte Veilchen gibt es derzeit nur wenige Blüten. Die Bienen finden noch keine natürliche Nahrung.