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Samstag, 16.02.2013

Vanessa-Mae will bei Olympia auf die Piste

Skifahrer-Gene hat die asiatische Geigerin Vanessa-Mae nicht gerade mit auf dem Weg bekommen. Die virtuose Klassik-Techno-Queen will aber jetzt auf Piste: Als Slalomläuferin bei Olympia.

Von Christiane Oelrich

Die in Singapur geborene Musikerin Vanessa-Mae lebt seit 2009 im schweizerischen Zermatt und will als Slalomläuferin bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi starten.
Die in Singapur geborene Musikerin Vanessa-Mae lebt seit 2009 im schweizerischen Zermatt und will als Slalomläuferin bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi starten.

© dpa

Bangkok. Dass die zierliche Schöne mit den Mandelaugen viel Pepp hat, wissen Konzertbesucher: Geigerin Vanessa-Mae fegt gerne in großen Schritten über die Bühne. Sie elektrisiert das Publikum in aller Welt, mit virtuosem Spiel von Klassik bis Techno, gewagten Roben und aufreizenden Posen. Jetzt will das Energiebündel woanders punkten: die 34-Jährige will auf die Piste.

Ihr Ziel: der Slalom bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi. Ist das ihr Ernst? „Man muss im Leben manchmal Risiken eingehen, sonst macht es keinen Spaß“, sagt sie der Nachrichtenagentur dpa. Doch ob Ihr Training und ihr Wille zum Weg nach Olympia reichen, ist keineswegs sicher.

Vanessa-Mae lebt seit 2009 in Zermatt. „Skifahren war schon immer mein Hobby, und da ich jetzt in den Alpen lebe, dachte ich, es ist an der Zeit, mir ein neues Ziel zu setzen.“ Wer schon mit 24 und einem Vermögen von umgerechnet mehr als 45 Millionen Euro in Großbritannien die Hitliste der jungen Reichen anführte, kann es sich leisten, wilden Träumen nachzugehen. Und wer für ein im Skizirkus nicht gerade als Talentschmiede bekanntes Nationalteam starten will, kann solche Ambitionen auch im reifen Sportleralter von 34 anpacken. Sie will das Geigenspielen dafür ein Jahr zurückstellen.

Mit Skifahrer-Genen ist Vanessa-Mae nicht wirklich ausgestattet: Sie wurde 1978 im tropischen Singapur geboren. Ihre Mutter kommt aus China, der Vater aus Thailand. Sie zog mit ihrer Mutter im Kindesalter nach Großbritannien. Die exotische Herkunft will sich die Geigerin nun zunutze machen: Mit ihren Pistenkünsten will sie für die Heimat ihres Vaters starten. Sie hat zwar mit Thailand wenig am Hut und spricht nur ein paar Brocken Thai. „Aber es wäre ein Spaß, endlich mal meine thailändische Seite zu repräsentieren“, sagt sie.

Die Thailänder finden das eigentlich gut. „Jeder kennt Vanessa- Mae, wir begrüßen das hundertprozentig“, sagt Tassanai Mukkawichit, Chef für Außenbeziehungen beim Olympischen Komitee. Allerdings hat sich die Olympionike in spe beim Komitee noch nicht gemeldet: „Ich habe sie bislang nur geigen sehen, nicht skifahren.“

Nun gibt es zwar nicht gerade Gerangel um die Plätze in der thailändischen Winter-Olympiamannschaft. Aber blamieren wollen sich die Asiaten auch nicht. „Wir müssten erstmal ihren Ranglistenplatz erfahren und ihre Fähigkeiten sehen, bevor wir uns mit ihrem Wunsch befassen“, sagt der Mann. Der erste und bislang einzige Vorstoß Thailands in den Olymp der Wintersportnationen endete nicht gerade glorreich: 2002 startete der damals 43 Jahre alte Ingenieur Prawat Nagvajara in Salt Lake City im 30-Kilometer-Langlauf. „Er hat keine Medaille gewonnen und sich das Bein gebrochen“, sagt Tassanai.

Vanessa-Mae stand schon als Knirps auf der Bühne. Sie wurde als Wunderkind gefeiert, startete ihre internationale Karriere mit zehn Jahren beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Mit 13 kam sie ins Guinnessbuch der Rekorde, als jüngste Geigerin, die Geigenkonzerte sowohl von Beethoven als auch Tschaikowski aufgenommen hatte. Mit 16 wurde sie mit ihrem ersten Pop-Album „The Violinist“ weltberühmt.

Angefeuert wurde sie von ihrer ehrgeizigen Mutter Pamela, die der Tochter sagte, die mütterliche Liebe hänge ganz davon ab, wie sie sich als Künstlerin mache, wie Vanessa-Mae dem „Telegraph“ 2008 erzählte. „Ganz schön herzlos“, war ihr Kommentar. Mit 21 trennte sie sich von ihrer Mutter als Managerin, die Beziehung brach ab. Gibt es Parallelen zwischen dem Skifahren und Geigespielen? „Technik, Erfahrung und Sensibilität sind der Schlüssel“, sagt sie. Thailand muss die Athleten bis 27. Januar 2014 zur Winterolympiade anmelden. (dpa)

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