erweiterte Suche
Freitag, 12.01.2018

US-Panzer: Katz und Maus auf der A4

Der gestoppte Schwertransport mit militärischer Ausrüstung hat Sachsen verlassen. Zuvor gab es auf der Autobahn noch einmal ein gehöriges Durcheinander.

Mit pinkfarbenen Ketten wurden der Auflieger und der Panzer so gesichert, dass ein Weiterfahren unmöglich war.
Mit pinkfarbenen Ketten wurden der Auflieger und der Panzer so gesichert, dass ein Weiterfahren unmöglich war.

© Danilo Dittrich

Bautzen. Wartende Brummifahrer, Pkw an der Tankstelle, Reisende, die sich die Füße vertreten - auf dem Autobahnrastplatz Oberlausitz ist wieder Normalität eingekehrt. Vorbei ist das Spektakel um einen Konvoi mit sechs Haubitzen der US-Armee. In der Nacht zu Mittwoch hatte die Polizei den Schwerlasttransport gestoppt. Begründung: fehlende Papier und grobe Sicherheitsmängel. Unter anderem waren die Fahrzeuge der polnischen Spedition mit bis zu 16 Tonnen überladen.

Bilder vom Umladen der Panzer

Fast drei Tage beschäftige der gestrandete Transport Spedition und Polizei. In der Nacht zu Freitag konnten die Sattelschlepper schließlich rollen. Doch zuvor gab es noch einmal ein gehöriges Durcheinander.

Im Laufe des Donnerstags war das militärische Gerät umgeladen worden. Die polnische Spedition hatte dafür drei Ersatzfahrzeuge geschickt. Außerdem reisten Soldaten der US-Armee aus Bayern an, um das „Umparken“ zu bewerkstelligen. Nach und nach trafen schließlich auch die erforderlichen Papiere und Genehmigungen ein.

Fahrer macht sich aus dem Staub

Ein Prozedere, das sich über Stunden hinzog und einem polnischen Fahrer schließlich zu viel wurde. Er fuhr davon – ohne Auflieger und ohne Panzer. Somit standen an der Raststätte sechs Auflieger, aber nur fünf Zugmaschinen. Dafür war der Chef der polnischen Spedition auf dem Rastplatz eingetroffen, um sich selbst um alles zu kümmern.

Um das Problem zu lösen, griff der Unternehmer zu einem Trick. Er schickte einen der Fahrer auf die Strecke – allerdings nur bis zum Parkplatz Rödertal bei Ohorn. Das ist etwa 22 Kilometer vom Rastplatz Oberlausitz entfernt. Dort koppelte der Fahrer seine Zugmaschine ab, um den sechsten Panzer nachzuholen.

Einheit ist in Polen stationiert

Doch die Rechnung ging nicht auf, denn die Polizei hatte den zurückgelassenen Panzer in der Zwischenzeit mit Ketten gesichert. Wie Polizeisprecher Thomas Knaup erläuterte, gilt die Transportgenehmigung für den gesamten Konvoi. Ein getrenntes Fahren sei nicht gestattet.

Dem Spediteur blieb daher nicht anderes übrig, als den sechsten Fahrer zurückzubeordern, damit dieser seinen Auflieger übernimmt. So konnte der komplette Transport schließlich in Richtung Bayern rollen.

Unterdessen gab die US-Armee weitere Einzelheiten zum Transport bekannt. Demnach handelt es sich bei den Fahrzeugen genaugenommen nicht um Panzer, sondern um selbstfahrende Haubitzen vom Typ M109A6 Paladin. Diese sehen Panzern allerdings sehr ähnlich. „Der Paladin ist ein Artilleriesystem, das 155-Millimeter-Geschosse abfeuert. Mit der Ausrüstung wurde keine Munition transportiert“, so eine Sprecherin.

Auf dem Weg nach Bayern

Die Paladine gehören zu einer Einheit, die im polnischen Torun stationiert ist. Sie sind dort Teil der NATO-Operation „Atlantic Resolve“. Im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine waren die Streitkräfte 2017 nach Osteuropa verlegt worden.

Aktuell waren die Einheit und ihre Ausrüstung auf dem Weg nach Hohenfels in Bayern, wo ab 15. Januar eine Übung mit mehr als 4 100 Teilnehmern stattfindet.

Ein Transport mit einer zivilen Spedition ist laut Sprecherin nichts Ungewöhnliches. Insbesondere bei schwerer und übergroße Ausrüstung werde diese Variante häufiger genutzt, da die US-Armee nur über eine begrenzte Anzahl von schweren Transportfahrzeugen verfüge.