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Samstag, 16.02.2013

US-Nationalspieler Rogers bekennt sich zur Homosexualität

Diese Reaktionen aus der Fußball-Szene hatte Robbie Rogers nicht erwartet. Nach dem Bekenntnis zu seiner Homosexualität bekam er Unterstützung aus aller Welt. Sogar FIFA-Boss Joseph Blatter bedankte sich.

Mit seinem Coming-out hat US-Fußballprofi Robbie Rogers für weltweites Aufsehen gesorgt.
Mit seinem Coming-out hat US-Fußballprofi Robbie Rogers für weltweites Aufsehen gesorgt.

© dpa

Berlin. Nach dem Bekenntnis zu seiner Homosexualität hat der ehemalige US-Nationalspieler Robbie Rogers große Unterstützung aus der Fußball-Welt erfahren. Ex-Mitspieler und Spitzenfunktionäre drückten ihre Anerkennung aus, FIFA-Präsident Joseph Blatter bedankte sich am Samstag sogar bei dem 25-Jährigen. „Das ist 2013. Danke“, twitterte der Schweizer Boss des Weltverbandes FIFA. Der US-Verband „US Soccer“ lobte Rogers‘ Mut, dieses „sehr persönliche Thema anzusprechen“. „Wir sind stolz auf Robbie“, erklärte der US-Verband. Der 18-malige Nationalspieler hatte sich am Freitag in seinem Blog geoutet und sofort seinen Rücktritt vom aktiven Fußball erklärt.

„Der Mut von Robbie Rogers ist lobenswert. Ich hoffe, er weiß, dass er nicht zurücktreten muss. Er bekommt mehr Unterstützung als er denkt“, meinte Gladbachs Ex-Keeper Kasey Keller via Twitter. „Mutige Männer wie Du werden dafür sorgen, dass es eines Tages keinen Grund mehr für solche Erklärungen mehr gibt“, schrieb Eddie Pope, Ex-Kollege von Rogers im US-Team. Rogers hatte im August 2011 das erste Tor nach Beginn der Amtszeit von US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann erzielt. Ende 2011 war er das letzte Mal bei der Nationalelf dabei. Zuletzt war er vom englischen Zweitligisten Leeds United an den Drittligisten Stevanage ausgeliehen. In Europa hatte er zudem für den niederländischen Erstligisten SC Heerenveen gespielt.

Rogers zeigte sich sehr überrascht von den zahlreichen aufmunternden Reaktionen. „Danke an alle für die Unterstützung und Liebe. Hatte ich so nicht erwartet“, twitterte er. Am Freitag war er mit einem Eintrag auf seiner Homepage an die Öffentlichkeit gegangen. „In den vergangenen 25 Jahren hatte ich Angst - Angst zu zeigen, wer ich wirklich bin“, schrieb Rogers. „Mein Geheimnis ist weg, ich bin ein freier Mann.“ Es sei Zeit mit dem Fußball aufzuhören und „mich selbst zu entdecken, weg vom Fußball“.

Er habe Angst vor Zurückweisung auch durch seine Familie gehabt und befürchtet, sich bei einem Outing die sportlichen Träume nicht erfüllen zu können. Die Teilnahme am olympischen Fußball-Turnier 2008 in Peking nannte Rogers einen seiner größten Erfolge.

„Wir kennen Spieler, die gesagt haben, sie sind schwul, sich aber nicht wohlfühlen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagte Gordon Taylor, Chef der englischen Spieler-Gewerkschaft. Dies würde sich hoffentlich bald ändern. Auch der englische Verband FA sagte Rogers sämtliche Unterstützung zu. „Egal, ob Robbie weiter Fußball spielt oder eine Pause macht, er hat unsere volle Unterstützung“, teilte der Verband mit.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will mit einem Strategiepapier homosexuellen Spielern ein mögliches Outing erleichtern. Bis Ende Februar sollen Hinweise und Empfehlungen für Spieler, Vereine, Verbände, Fans und Medien erscheinen. Bereits seit geraumer Zeit befasst sich eine Arbeitsgruppe mit diesem Thema.

„Diese bereitet einen internen Handlungsleitfaden vor, damit Vereine und Verbände auf ein mögliches Outing vorbereitet sind und bestenfalls Hilfestellung leisten können“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe, Gunter A. Pilz. „Das heißt aber nicht, dass wir bereits von einem Spieler wüssten, der sich outen möchte“, erklärte Pilz. „Ob sich ein Fußballprofi zu einem Outing entscheidet, bleibt weiterhin die private Entscheidung jedes Einzelnen.“ In Deutschland ist Marcus Urban der bisher einzige Spieler, der sich geoutet hat. (dpa)

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