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Montag, 16.10.2017

Unterschriftenaktion für einen neuen Pirnaischen Platz

Eine Bürgerinitiative will den Platz umgestalten. Derweil sind Hochhaus-Eigentümer und Stadtverwaltung einen Schritt weiter bei den Sanierungsplänen.

Von Sandro Rahrisch

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Eine denkbare Variante für die Planer der Hochhaus-Sanierung: Außen wird ein neues Treppenhaus angebaut, auf dem Dach ein Staffelgeschoss errichtet.
Eine denkbare Variante für die Planer der Hochhaus-Sanierung: Außen wird ein neues Treppenhaus angebaut, auf dem Dach ein Staffelgeschoss errichtet.

© Visualisierung: Archecon

Die Zukunft des Hochhauses ist unklar, dem blauen Robotron-Bürohaus gegenüber droht der Abriss. Eine Chance, den Pirnaischen Platz umzugestalten – weg von einer Riesenkreuzung, hin zu einem Platz mit Stadtgefühl, sagt Robert Berger von „Stadtbild Dresden“. Die Bürgerinitiative hat am Sonnabend Unterschriften gesammelt. Passanten hatten die Wahl: Unterschreiben für eine Umgestaltung des Pirnaischen Platzes unter Beteiligung der Dresdner, oder doch für den Status quo und die Sanierung des Hochhauses.

Ganz so einfach dürfte eine Umgestaltung nicht werden, denn die Grundstücke befinden sich in Privatbesitz. Und im Falle des Hochhauses arbeitet der Eigentümer eng mit der Stadtverwaltung zusammen, um den Riesen bald sanieren zu können. Dort hat sich in den vergangenen Tagen etwas bewegt: „Wir haben die gutachterlichen Ergebnisse des Brandschutzingenieurs und des Statikers am Donnerstag zusammen mit dem Beauftragten des Eigentümers entgegengenommen“, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Demnach gebe es jetzt mehrere Lösungen für einen zweiten Rettungsweg.

So könnte das vorhandene Treppenhaus technisch aufgerüstet werden. Denkbar wäre aber auch der Einbau eines zweiten Treppenhauses, mittendurch sozusagen. Diese Erkenntnis sei neu gewesen, sagt Schmidt-Lamontain. Bisher war nicht klar, ob das statisch und brandschutztechnisch überhaupt möglich ist. Nachteil für den Besitzer: 13 Wohnungen würden verloren gehen. Der Anbau eines oder zweier Treppenhäuser außen ist eine dritte Möglichkeit, erfordert aber ebenso erhebliche Investitionen und Mehrkosten beim regulären Betrieb, etwa durch Strom, regelmäßige Reinigung und Fahrstuhlwartung.

„Ich habe den Eigentümer aufgefordert, sich mit diesen Lösungsansätzen zu beschäftigen und zu bewerten, was für ihn machbar ist“, so der Baubürgermeister. Außerdem habe er mit ihm vereinbart, im Gespräch mit den Fraktionen auszuloten, welcher Kompromiss für alle Seiten möglich sei. Während sich die FDP für einen Abriss ausgesprochen hat, setzen sich CDU, Linke und Grüne für eine Sanierung ein.

Bei den bisherigen Planungen sei auch die Gestaltungskommission einbezogen worden, so die Stadt. Die Arbeit des Gremiums, das aus auswärtigen Experten besteht, kritisiert der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gunter Thiele, scharf. Die geplante Erhöhung des Gebäudes um etwa eineinhalb Meter sei nicht berücksichtigt worden. „Das Haus darf nicht noch höher werden“, so Thiele. „Seit seinem Bestehen hat es sich nie in das städtebauliche Umfeld eingefügt; es sogar noch zu erhöhen, würde die weltbekannte Dresdner Silhouette ganz erheblich stören.“ Damit argumentiert er wie die Gesellschaft Historischer Neumarkt, welche die Altstadt-Silhouette in Gefahr sieht. Thiele macht sich sogar für weniger Etagen, also einen Rückbau, stark, so wie es bei vielen Gorbitz-Hochhäusern gemacht wurde.

„Ein Stimmungstest“, nennt Robert Berger die Unterschriftenaktion, bei der sich mehr Leute gegen die aktuellen Sanierungspläne ausgesprochen haben. Ja, man wolle die Listen der Stadt überreichen, aber keine Petition anschieben. Zuletzt hatte Stadtbild Dresden selbst eine Alternative für den 14-Geschosser ins Gespräch gebracht – Wiederaufbau des Kaiserpalastes.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 13 Kommentare

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  1. ole

    Nichts gegen städtebauliche Wiederherstellung des Platzes. Das hat er dringend nötig. Nur dürfte es für StadtBildd schwierig werden zu erklären, wie das gehen soll. Vom privaten Eigentümer des Hochhauses abgesehen, dürfte es im autoaffinen Dresden schwer zu vermitteln sein, wenn z.B. die St. Petersburger Straße nicht mehr 7 Spuren für Autos haben kann, wenn bereits die Entwicklung des Archivplatzes an der Albertstraße nicht vorangeht, eine Fußgängerampel gerade mit Ach und Krach möglich wird, obwohl dort die Straße gerade mal halb so breit ist. Da ist es nur etwas halbherzig und beifallheischend, mal ein paar Passanten ohne Auto zu fragen und denen ein paar neobarock Kaiserpalastpostkarten vom Vorkriegsplatz zu zeigen. Defakto passiert dann so was wie am Neustädter Markt. Ohne Plan wird mal festgelegt, dass Narrenhäusel wieder auf die Brücke zu bauen und dann hinterher dürfen andere gucken, wie man den Platz überhaupt hinbekommt, dass er nicht nur als Schnellstraßenrand daherkommt.

  2. Unternehmer

    Ja Ole so ist eben Dresden -Neubau des Narrenhäusl nun gibt es so Verrückte die das Haus abreisen u. den Kaiserpalast nachbauen wollen. Ja klar das Haus so wie es steht stört ja auch die so weltberühmte Stadtsilhouette. Da muß ich wohl wenn ich in der Welt unterwegs war u. bin immer die falschen Leute treffen. Auf die Frage woher ich komme zeigt sich in über 90 % Dresden kennt man nicht (USA Kanada, Neuseeland,Singapur, ect. Frankfurt München schon weit eher. Auch ist mir unklar wo so manche leben .Das Haus ist in Privatbesitz und soll modernisiert werden .Meiner Meinung sollten auch die Journalisten der SZ bei aller Stadtverbundenheit aufhören rückwärtsgerichteten Denkweisen eine Stimme zu geben.Dresden als Universitätsstadt bildet doch wohl auch junge Architekten aus. Denen wird wohl auch kaum die barocke Bauweise gelehrt.Die Welt hat sich auch im Bauwesen stark verändert Herr Kulke .

  3. Elli

    Weltberühmte Altstadtsilhouette - wieso stört das Hochhaus am Außenring? Dort ist kein Barockviertel. An der Grunaer Straße stehen weitere Hochhäuser. Was soll noch alles abgerissen werden. Kaiserpalast nachbauen? Das Privathaus sollte saniert und modernisiert werden. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Lasst mal die Kirche im Dorf.

  4. vox populi vox dei

    @Legastheniker Was sind Sie für ein Demokrat, wenn Sie fordern, bestimmten Personen oder Gruppen keine Stimme zu gewähren?

  5. C.G.

    @2 - Wenn man die Amerikaner nach Europa fragt, kennen die Europa maximal dem Begriff nach. Geht man näher ins Detail, dürften die meisten schon an genaueren Angaben zu Deutschland scheitern, von den Städten ganz zu schweigen. Das betrifft DD, wie auch andere deutsche (oder europäische) Städte. Die Bürger jenseits des großen Teiches sind bekannt für totale Unkenntnis, was sich außerhalb ihres Kontinentes befindet, die interessieren sich ganz einfach nicht dafür. (Ausgenommen vielleicht Menschen, die beruflich mit dem Ausland verbandelt sind). Das dürfte bei den Kanadiern und Neuseeländern ähnlich sein. Als Gegenargument kann ich Ihnen verraten, dass ich bei meinen Dienstreisen nach Japan erstaunt und erfreut war, wie gut die Japaner über Deutschland UND! über DD informiert sind. Und das betrifft alle Bevölkerungsschichten.

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