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Dienstag, 09.08.2016

Unternehmer nehmen Anstoß an Regenbogenfahne

Zum Christopher Street Day hing die Flagge vorm Landratsamt. Die Beauftragte für Gleichstellung verteidigt die Aktion.

Wie hier auf dem Markt wehte die Regenbogenfahne auch am Landratsamt.
Wie hier auf dem Markt wehte die Regenbogenfahne auch am Landratsamt.

© Marko Förster

Pirna. Anlässlich des Christopher Street Days in Pirna wurde jüngst am Landratsamt die Regenbogenfahne gehisst. Daran haben nun drei Unternehmer aus der Region Anstoß genommen und einen offenen Brief an Landrat Michael Geisler (CDU) geschrieben. Das Amt habe mit dem Hissen der Flagge das Neutralitätsgebot verletzt, heißt es. „Was die Leute zu Hause unter ihrer Bettdecke machen, ist deren Privatsache“, schreiben die Absender. Dass das Landratsamt aber öffentlich diesem „Zeitgeist hinterherstolpert“ und sich „dermaßen ideologisch einlässt“ sei bedenklich. Die Frage sei nun, ob das Hissen ein politisches Signal sein sollte – und mit welchem Ziel und in wessen Auftrag? Wenn sich dahinter ein System verberge, so könnten demnächst alles Private in den Einflussbereich der Politik kommen – auch Linkshänder könnten Gleichstellung mit Rechtshändern oder Nachtblinde ein ungehinderten Zugang zum Straßenverkehr im eigenen Auto fordern – befürchten Daniel Heimann, Geschäftsführer eines Dohnaer Anlagenbaubetriebes, der Pirnaer Tischlereibesitzer Tim Lochner und Thomas Hobrack, Inhaber eines Pirnaer Immobilienservices, als Absender. Der eine oder andere trat im Übrigen bereits schon auf rechtspopulistischen Internetseiten in Erscheinung.

Teresa Schubert, die Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt, verweist zunächst auf das Verbot einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes, auf die freie Persönlichkeitsentfaltung sowie das Recht auf freie Meinungsäußerung als Grundrechte für jeden in Deutschland. Die Anfrage zur Hissung der Regenbogenfahne sei als Veranstaltungshinweis gestellt worden. „Mit unserer Richtlinie, die Chancengleichheit von Frau und Mann zu fördern, unterstütze ich als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises auch Projekte zur sexuellen Vielfalt. Damit möchte ich ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen“, sagt sie. Orientiert habe man sich auch am Sächsischen Sozialministerium, das sich für Chancengleichheit und Bekämpfung geschlechtsbezogener Gewalt einsetzt. „Das Land Sachsen strebt zurzeit einen Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen an“, so Schubert. Der Landkreis sei tolerant und unterstütze mit einer jährlichen Fahnenhissung der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ auch Aktionen gegen häusliche Gewalt an Frauen. „Diese persönlichen Anliegen und die damit verbundenen Probleme in unserer Gesellschaft sollen mit den öffentlichen Aktionen in das Bewusstsein gerückt werden“, so Schubert.

Der Christopher Street Day ist ein Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern. An diesem Tag wird für die Rechte dieser Gruppen, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert. Seit den 70er-Jahren ist die Regenbogenfahne Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. (SZ)