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Donnerstag, 29.03.2018

Ungepflegte Zähne können tödlich sein

Zwei Studien aus Finnland zeigen auf, dass sich das Krebssterblichkeitsrisiko durch Paradontitis massiv erhöht.

Von SZ-Korrespondent André Anwar

Mit einer Dentalkamera kann der Zahnarzt Parodontose am entzündeten Zahnfleisch genau untersuchen.
Mit einer Dentalkamera kann der Zahnarzt Parodontose am entzündeten Zahnfleisch genau untersuchen.

© Achim Scheidemann/dpa

Die Zähne nicht ordentlich zu putzen – das gilt vielen als Kavaliersdelikt. Doch löchrige Zähne sind dann nicht die einzigen Risiken. Die dabei entstehende Paradontitis, umgangssprachlich als „Paradontose“ bezeichnet, ist eine bakterielle Zahnbettentzündung, die unbehandelt in einer schleichenden, aber irreversiblen Zerstörung des Zahnfleisches endet. Die Widerstandsfähigkeit des gesamten Körpers wird permanent durch Bakterienbefall im Mund belastet. Frühere Forschungsarbeiten haben bereits nahegelegt, dass dadurch das Risiko etwa für Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Diabetes zunimmt. Seit einigen Jahren ist zudem auch immer häufiger die Rede von einer deutlichen Erhöhung des Krebsrisikos. „Durch Paradontitis steigt das Krebserkrankungsrisiko im Allgemeinen um 25 bis 27 Prozent“, sagt Björn Klinge, Professor an der Universität Malmö.

Zwei neue Studien aus Finnland haben nun erstmals nachgewiesen, dass „überraschenderweise nicht Mund- oder Zungenkrebs, sondern Bauchspeicheldrüsenkrebs besonders stark durch Paradontitis angetrieben wird“, erklärt Studienleiter Timo Sorsa, Professor an der Universität Helsinki. Die Studien sind im British Journal of Cancer erschienen. Die finnischen Forscher haben 68 273 Einwohner ihrer Hauptstadt Helsinki auf die Auswirkungen von Paradontitis auf Krebs zehn Jahre lang untersucht. Zudem haben sie erstmals einen möglichen Mechanismus dahinter entdeckt. Der war bislang unklar.

„Wir haben Enzyme von Mundbakterien in Bauchspeichelkrebszellen entdeckt. Sie beflügeln anscheinend das Wachstum von Krebsmetastasen“, sagt Sorsa. „Unsere Vermutung ist, dass die Bakterien aus dem Mund in den Körper gelangen“, sagt er. Gerade beim Bauchspeicheldrüsenkrebs war lange unbekannt, welche Faktoren ihn antreiben. Weitere Studien seien aber notwendig, betont Sorsa. Vieles sei noch immer unklar.

Laut seinen Forschungsergebnissen ist das Risiko, an Krebs in jeglicher Form zu sterben, bei Personen mit Paradontitis 33 Prozent höher als bei Personen ohne. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist das Risiko, an Krebs zu sterben, sogar mehr als doppelt so hoch im Vergleich zu Krebskranken ohne Paradontitis.

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