erweiterte Suche
Dienstag, 09.08.2005

Ungebrochene Beliebtheit: Mario hüpft noch immer

Von Berti Kolbow

Gute Klempner können nicht nur schrauben, sondern auch prima unterhalten. Nintendo-Fans der ersten Stunde wissen das seit Mitte der Achtziger: Das Hüpfspiel „Super Mario Bros.“ um die virtuellen Klempner Mario und Luigi zählte zur Grundausstattung der Videokonsole „Nintendo Entertainment System“, kurz: NES. Mit der grauen, rechteckigen Box sammelten viele Videospieler ihre ersten Erfahrungen im Reich der damals noch groben Pixel, blechernen Synthie-Klänge und zweidimensionalen Landschaften.

Heute gilt das NES als Geburtshelfer der multimediabegeisterten und manchmal bespöttelten „Nintendo-Generation“. Als die Konsole 1985 in Europa und den USA in die Geschäfte kam, traf sie den Nerv vieler Konsumenten. Nicht als teurer, störanfälliger Technikprotz, sondern als familienkompatibles Spielzeug überzeugte das NES in Wohn- und Kinderzimmern. „Es war ein günstiges und stabiles Gerät, das jeder bedienen konnte“, sagt Computer- und Videospiel-Spezialist Winfried Forster.

Für den japanischen Hersteller Nintendo bedeutete das NES den weltweiten Durchbruch. Die in Asien unter dem Namen „Famicom“ vertriebenen Schwestergeräte mitgerechnet, wurden bis 1994 rund 60 Millionen Exemplare verkauft. Außerhalb Japans war das NES zunächst konkurrenzlos. Wegen einer Schwemme minderwertiger Neuerscheinungen hatte der westliche Videospielmarkt kurz zuvor einen Zusammenbruch erlebt. Viele Unternehmen zogen sich daraufhin aus dem Geschäft zurück oder setzten auf Heimcomputer. Das NES verhalf dem Markt in „verblüffend kurzer“ Zeit zu einem Comeback, erklärt Forster.

Ein wichtiges Kaufargument war und ist nach Ansicht von Experten die Spiele-Software: „Bei Spielen vieler Konsolen mangelt es an einem guten Spielprinzip und Originalität“, findet Christian Gottschalk, Mitbetreiber der Webseite www.nescenter.de, der nach eigenen Angaben größten deutschsprachigen Fan-Webseite zum Thema. „Beim NES findet man beides. Das macht die Konsole so zeitlos.“

Auf dem NES erfolgreiche Spielereihen wie „Donkey Kong“, „The Legend of Zelda“ oder „Super Mario“ werden selbst auf aktuellen Konsolen fortgesetzt. Teile davon erleben im Retro-Design immer wieder Neuauflagen. So ist ein Dutzend NES-Klassiker derzeit für den „Game Boy Advance“ zu haben. Grund für die lukrative Traditionspflege: Studien zufolge ist Pixel-Held Mario bei Kindern so bekannt wie Mickey Maus oder Bugs Bunny.

Das NES selbst ist in der Produktpalette des japanischen Herstellers längst technisch aufwendigeren Nachfolgern gewichen. Viele Liebhaber können sich dennoch nicht von ihrem Exemplar trennen, auch weil es sich in vielen Fällen – wie bei Christian Gottschalk – um ihre erste eigene Spielekonsole handelte. „Ich entdecke immer noch neue Spiele“, sagt der Student. Nach Angaben Nintendos sind mehr als 500 NES-Programme erschienen – die selbst leidenschaftliche Anhänger noch nicht komplett durchgespielt haben werden. Rund 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung begeistere die Konsole weiter eine erstaunlich große Fangemeinde, sagt Gottschalk: „Es gibt noch viele Leute, die NES spielen – nicht nur aus Nostalgiegründen.“ (gms)