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Samstag, 24.11.2007

Unfassbar! Polizei darf Handy von Kindesentführer nicht orten

DELITZSCH. Das Drama um die von ihrem Vater entführten Zwillinge Abbas und Zay-nab (2) aus Delitzsch spitzt sich zu. Nach dem Iraker Yousif Al-Chaoui (33) wird zwar international gefahndet, doch der Polizei sind die Hände gebunden. Der Kidnapper drohte inzwischen sogar mit Gewalt.

Für Marlen Al-Chaoui (25) wird es immer unerträglicher. Seit Montag fehlt von ihren Kindern jede Spur - entführt vom Ex-Mann, der sie in den Irak verschleppen will (Morgenpost berichtete). Dass nach ihm europaweit gefahndet wird, lässt Yousif Al-Chaoui kalt. Mehrfach hat er seine Frau seither angerufen, sie verhöhnt und ihr gesagt, dass sie ihre Kinder nie wiedersehen werde. „Er hat sogar gedroht, alle erschießen zu wollen, die versuchen, die Kinder zurückzuholen“, erzählt Marlen Al-Chaoui.

Die Medizinstudentin, die vier Jahre mit dem gläubigen Moslem verheiratet war, nimmt die Drohung sehr ernst. „Im Islam sind Kinder Besitztum und Statussymbol des Vaters und werden ihm nach einer Trennung auch zugesprochen“, erzählt sie.Unfassbar: Obwohl der Entführer offenbar noch regelmäßig sein Mobiltelefon benutzt, ist es der Polizei nicht möglich, seinen Aufenthaltsort per Handy-Ortung zu ermitteln. Technisch wäre dies kein Problem, doch den Ermittlern sind die Hände gebunden. „Die Überwachung des Fernmeldeverkehrs nach Paragraf 100a StPO ist nur bei bestimmten Katalogstraftaten möglich - die Entziehung Minderjähriger fällt laut Gesetz nicht darunter“, erklärt der Leipziger Staatsanwalt Ricardo Schulz.

Auch ein internationaler Haftbefehl kann nicht erlassen werden. Schulz: „Das ist nur bei Straftaten mit einer Strafandrohung von mindestens einem Jahr möglich.“ Kindesentziehung könne aber auch mit einer Geldstrafe geahndet werden.So bleiben der Leipziger Kripo derzeit nicht viele Möglichkeiten, der verzweifelten Mutter zu helfen. Marlen Al-Chaoui ist darüber erschüttert: „Es kann doch nicht sein, dass die Persönlichkeitsrechte eines Straftäters mehr zählen, als das Wohl von entführten Kindern“, sagt sie fassungslos.

Dass ihr Ex-Mann mit den Zwillingen bereits im Irak ist, glaubt die Delitzscherin nicht. Sie hält es für wahrscheinlicher, dass er sich derzeit im schwedischen Malmö versteckt, wo seine Mutter und Verwandte leben. Von denen könnte er sich Geld für die Weiterreise in den Irak besorgen. Ob schwedische Ermittler in den Fall einbezogen sind, ist nicht bekannt. Zu Details der laufenden Ermittlungen will sich die Leipziger Staatsanwaltschaft nicht weiter äußern.(bi.)