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Freitag, 29.05.2015

Umweltschule verteidigt sich

Schulleitung und Träger entkräften die Vorwürfe der Bildungsagentur – und erhalten dabei Unterstützung.

Von Kathrin Kupka-Hahn

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Noel und Miriam probieren in der Hofpause ein Klangspiel am Waldplatz an der Natur- und Umweltschule aus. Damit könnte es schon bald vorbei sein, denn die Sächsische Bildungsagentur will die freie Schule schließen.
Noel und Miriam probieren in der Hofpause ein Klangspiel am Waldplatz an der Natur- und Umweltschule aus. Damit könnte es schon bald vorbei sein, denn die Sächsische Bildungsagentur will die freie Schule schließen.

© Sven Ellger

Vormittags elf Uhr an der Umweltschule. Miriam und Noel haben Hofpause und probieren ein neues Klangspiel aus. „Ich habe gar nicht gewusst, dass man mit Holz auch Musik machen kann“ sagt die Zehnjährige und wendet sich wieder ihrem Spielkameraden und den Hölzern zu. Während die Kinder ihre Hofpause genießen, sitzt Schulleiterin Julia Pörschke in einer Pressekonferenz.

Gemeinsam mit Vertretern des Trägers, dem Verbund Sozialpädagogischer Projekte (VSP), und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen bezieht sie Stellung zur drohenden Schließung der Natur- und Umweltschule. Denn die Sächsische Bildungsagentur (SBA) erlaubt den Schulbetrieb am Manfred-von-Ardenne-Ring 20 nur noch bis zum 31. Juli. 64 Kinder, elf Lehrer und Erzieher sowie eine Büroassistentin stehen ab August buchstäblich auf der Straße. Die Behörde begründet die Schließung der Schule mit einer Mängelliste und unerfüllten Auflagen (die SZ berichtete).

So sollen die Grundschüler in ihrem Leistungsstand enorm hinterherhinken, die genutzten Waldplätze gefährlich sein und an der Schule Lehrkräfte unterrichten, die ungenügende Qualifikationen haben. Bei einem Pressegespräch vor zwei Wochen wurden einige Vorwürfe mit Fotografien und Kopien belegt. „Diese sind ohne unser Wissen und ohne unsere Zustimmung gemacht worden“, erklärt Schulleiterin Julia Pörschke in der gestrigen Pressekonferenz. Teilweise seien dafür auch Arbeitsblätter aus den privaten Ordnern der Kinder verwendet und anschließend falsch interpretiert worden. So wurde von der SBA ein Tagesplan eines Schülers als Wochenplan ausgegeben und das Arbeitsblatt eines Erstklässlers einem Schüler der zweiten Klasse zugeordnet.

Außerdem hatte die Bildungsagentur von sechs Eltern berichtet, die einen Antrag auf Wiederholung des Schuljahres und Wechsel der Schule gestellt hatten. „Grund dafür war aber nicht die Unzufriedenheit mit dem Leistungsstand der Kinder, sondern die ungewisse Zukunft der Schule“, sagt die Schulleiterin. Seit der Gründung der Natur- und Umweltschule vor vier Jahren kämpfen Träger und Eltern für deren Anerkennung. Seitdem haben zwölf Kinder, die an staatlichen Grundschulen eingeschult worden waren, an die Natur- und Umweltschule gewechselt. Das hatte die Bildungsagentur jedoch verschwiegen.

Zu den Vorwürfen hinsichtlich der Sicherheit meldet sich Katrin Förster, die Geschäftsführerin des Trägers VSP, zu Wort. „Wir nehmen die Sicherheit der Kinder hier sehr ernst“, sagt sie. Deshalb werden die drei Waldplätze, die von der Schule genutzt werden, sowohl vom Sachsenforst als auch vom Technischen Überwachungsverein (Tüv) regelmäßig kontrolliert. „Es gab bisher keine Beanstandungen“, so Förster. Sie legte in der Pressekonferenz entsprechende Schreiben vor.

Auch, dass an der Schule unqualifizierte Lehrkräfte unterrichten, wollten weder Pörschke noch Förster so stehenlassen. „An unserer Schule arbeiten vier Lehrer und sieben Erzieher, wobei diese als zusätzliche Pädagogen im Unterricht unterstützen “, sagt die Schulleiterin. Die Akten der Mitarbeiter mit sämtlichen Nachweisen können beim Träger jederzeit eingesehen werden. Die von der Bildungsagentur bei einem Besuch angetroffene Naturpädagogin habe gemeinsam mit einer Erzieherin den Unterricht gestaltet, da eine Lehrerin kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen war. „An staatlichen Grundschulen übernimmt auch eine Horterzieherin im Notfall die Betreuung der Kinder“, ergänzt Förster.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband unterstützt die Argumentation der Umweltschule. „An den Vorwürfen der SBA ist nichts dran“, sagt dessen Sprecher Thomas Neumann. Der Regionalleiter Carsten Schöne geht sogar noch weiter. „Ich habe den Eindruck, man ist an einer schulischen Vielfalt nicht interessiert.“ Schöne kann auch die Vorgehensweise der Behörde nicht nachvollziehen. Er kritisiert, dass zunächst die Presse in einem Hintergrundgespräch von der beabsichtigten Schließung informiert wurde und erst einige Tage später der Träger der Schule. Umso wichtiger sei es nun für alle Beteiligten und vor allem für die Schüler – wie Miriam und Noel, dass eine Klärung erreicht wird.

Das könnte schon am 4. Juni soweit sein. Dann entscheidet das Verwaltungsgericht Dresden, ob die bisher vorläufig erteilten Genehmigungen der SBA rechtens waren oder nicht.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Julia

    Ja ja die Bildungsagentur, voll die Praktiker dort.

  2. Roba

    Sehr verehrte Frau Julia, können Sie Ihre Äußerungen so substantiieren, dass auch ein zumindest halbwegs gebildeter Mensch erkennen kann, was Sie konkret meinen? Ich danke im Voraus für eine eventuell konkrete Antwort.

  3. Corinna

    Wenn Kinder erst mit 10 Jahren merken, dass mit Holz Musik gemacht werden kann ist wohl auch vorher schon was schief gelaufen.

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