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Samstag, 05.07.2014

Umweltschützer protestieren gegen Agrarindustrie

Bio-Bauern, Imker und Verbraucher zogen am Samstag lautstark durch Dresden. Sie fordern ein Ende der Massentierhaltung und mehr Vielfalt in der Landwirtschaft.

Rund 3.000 Menschen demonstrierten heute in Dresden für gerechte, tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft und gesundes Essen.
Rund 3.000 Menschen demonstrierten heute in Dresden für gerechte, tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft und gesundes Essen.

© dpa

Dresden. Mit Traktorenlärm, Trommeln und Trillerpfeifen haben mehrere tausend Demonstranten in Dresden ihrem Unmut über die industrielle Landwirtschaft Luft gemacht. Unter den Motto „Wir haben Agrarindustrie satt“ zogen am Samstag nach Angaben der Polizei rund 3.000 Menschen, unter ihnen viele Bio-Bauern und Imker, Richtung Innenstadt bis zur Frauenkirche. Am Ende der Kolonne fuhren rund 20 Traktoren. Zu der Demonstration hatte das neu gegründete Agrar- und Verbraucherbündnis „Meine Landwirtschaft Sachsen“ aufgerufen, das sich für einen Wandel in der sächsischen Agrarpolitik einsetzt.

"Wir haben Agrarindustrie satt"-Demo in Dresden

„Naturschutz, Klima- und Bodenschutz stehen in der konventionellen Landwirtschaft am Rand“, kritisierte der Vorsitzende des BUND Sachsen, Felix Ekardt, am Samstag. Die Umweltorganisation BUND fordert unter anderem eine stärkere Förderung des Ökolandbaus, eine Abkehr von Massentierhaltung und Monokulturen sowie eine Neuordnung der Agrarsubventionen. Nach Angaben der Grünen gibt es in Sachsen 96 Großanlagen, in denen rund 485.000 Schweine gehalten werden. Bei Geflügel sind es rund 8,1 Millionen Tiere in 77 Anlagen.

Laut Landwirtschaftsministerium wird nur ein reichliches Drittel des Schweinefleisches, das in Sachsen verbraucht wird, auch im Freistaat erzeugt. Auf 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche kommen demnach rund 54 sogenannte Großvieheinheiten. Als Großvieheinheit zählen eine Kuh oder drei Sauen. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 125 Großvieheinheiten pro Hektar.

Damit sei Sachsen weit davon entfernt, sich als „Maststall der Nation“ profilieren zu wollen, hieß es. Zudem dürften größere Anlagen nicht prinzipiell verurteilt werden. „Es kommt in großen wie in kleinen Ställen darauf an, dass die Tierschutzbestimmungen eingehalten werden“, erklärte ein Ministeriumssprecher. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Müller

    Obst, Gemüse und Milchprodukte aus der Region zu kaufen kann man in Berlin, Brandenburg, Bayern, Mecklenburg/Vorpommern aber niemals in Sachsen! - aus den in diesem Artikel genannten Gründen.

  2. Martin H.

    Ich kann mich mit den Zielen der Demonstranten und des neuen Bündnisses "Meine Landwirtschaft Sachsen" voll identifizieren. Unverständlich ist für mich nur, dass diese Bündnis in Leipzig angesiedelt ist. Damit vergibt man sich entsprechende Einflussmöglichkeiten wenn man in der sächsischen Politik etwas erreichen will. Also umziehen nach Dresden und mehr erreichen!!!

  3. Bianca W

    Massentierhaltung ist ein selbstzerstörerisches System, das schnellstens abgeschafft werden muss! Gequälte Tiere, verseuchtes Grundwasser mit krebserregenden Nitraten, massenhaft stinkende Gülle, Gesundheitsgefahren durch Antibiotikaresistenzen, utopische Antibiotika und Hormongaben während der Mast. Längst werden mehr Tiere geschlachtet als in Deutschland gegessen, es wird fleissig für den Weltmarkt produziert, aber die og Gefahren bleiben hier! Immer weniger Menschen wollen billiges Folterqualfleisch, Subventionen, für krankmachende tierische Produkte gehören abgeschafft. Wann wird endlich von staatlicher Seite ein Anreiz geschaffen gesunde Nahrungmittel wie Bioobst, -gemüse, und getreide anzubauen? Die Landwirte müssen endlich umdenken, bevor sie unsere Lebensgrundlage zerstören!

  4. U.G.

    Solange der Profit, nur das Geld "der Investoren" stets im Mittelpunkt steht und der Mensch zum "Verbraucher" degeneriert, wird das alles so bleiben und eher noch schlimmer ... das Gequake von immer mehr WACHSTUM beschreibt sehr gut eine Krebszelle. Guter Artikel dazu bei der fr : "Indianer : Die Erde wird sich reinigen" www.fr-online.de/panorama/indianer--die-erde-wird-sich-reinigen-,1472782,27671908,view,asFirstTeaser.html

  5. Leser

    Vattenfall gibt Greenpeace recht Die Lausitz interessiert außerhalb Brandenburgs niemanden? Von wegen: Schwedische KünstlerInnen protestieren gegen die geplanten Tagebaue. Kein gutes Paar: Der Kohlekonzern und das Dorf, das platt gemacht werden soll. Die geplanten neuen Braunkohletagebaue in der Lausitz interessieren zunehmend auch die Menschen in der schwedischen Heimat des Energiekonzerns Vattenfall. Und das nicht nur, weil die Umweltorganisation Greenpeace derzeit mit der Kampagne „Schwedens schlechteste Idee – nicht in meinem Namen“ Unterschriften gegen die Pläne sammelt. Über das soziale Netzwerk „Art makes a stand“ haben sich auch rund 40 KünstlerInnen den Protesten angeschlossen, darunter die Popsängerin Jenny Wilson, die schwedisch-japanische Musikerin Maia Hirasawa, die Liedermacherin Ane Brun und die Sängerin Ellinor Olavsdotter. Greenpeace versucht dabei, den SchwedInnen nahezubringen, was „ihr Staatskonzern in Deutschland treibt“: 3.000 Menschen sollten umgesiedelt werden für fünf neue Tagebaue, aus denen rechnerisch für jede Schwedin und jeden Schweden 168 Kubikmeter Braunkohle gewonnen werden sollen. Zusätzlich 1,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid würden so in die Atmosphäre abgegeben werden, was eine Klimabelastung darstelle, für die derzeit ganz Schweden 24 Jahre brauche. Umgekehrt, so die Umweltschützer, hätte ein Verzicht auf diese Kohle den gleichen Klimaeffekt, als würden alle schwedischen Privathaushalte aufhören, Öl, Benzin und andere fossile Brennstoffe zu nutzen. „Negative Aufmerksamkeit“ Bei Vattenfall erzielt das Wirkung: Schon Mitte Juni informierte der Konzern auf seiner schwedischen Website, dass er eine Werbeaktion für Braunkohle in der Lausitz wegen „negativer Aufmerksamkeit“ gestoppt habe.Zur neuen Greenpeace-Kampagne heißt es in einer Presseerklärung nun sogar: „Greenpeace hat ja womöglich recht“, doch sei dieUmweltschutzorganisation im falschen Land aktiv: Wegen der Energiewende sei Braunkohle in Deutschland zu einem Eckstein der Energieversorgung geworden. Die Welt und auch Deutschland sähen nun einmal anders aus, als man es in Schweden gern hätte.

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