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Umstellung bei Pflegeversicherungen von Pflegestufen auf Pflegegrade - Was ändert sich und was ist zu beachten.

Beim Wort Pflegeversicherung zucken vielfach jene Menschen zusammen, die bereits pflegebedürftig sind oder sich Zukunftsgedanken darübermachen, welche Pflege ihnen im Alter das Leben erleichtert.

07.08.2017

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Foto: maxlkt@pixabay.com - hospice-1794112_1280

Allen sei in diesem Zusammenhang gesagt, dass die einstige Pflegeversicherung am 01.01.2017 von Grund auf erneuert wurde. Das sogenannte Pflegestärkungsgesetz II definiert jetzt neu, wer tatsächlich Pflege braucht, und legt gleichzeitig ein neues Begutachtungsverfahren fest. Mittlerweile stehen alle Änderungen fest. Was jedoch geändert wurde und welche Umstände aufgrund der neu eingeführten Pflegegrade zu beachten sind, erläutern wir in diesem kurzen Artikel.

Drei Pflegestufen wurden durch fünf Pflegegrade ersetzt

Mehr als 20 Jahre ist es bereits her, dass die Pflegeversicherung Einzug im Alltag deutscher Bürger und Bürgerinnen hielt. Sie wurde im Jahre 1995 als weitere Säule des gesetzlichen Sozialversicherungssystems eingeführt. Ihre Auslegung dient bis heute der finanziellen Unterstützung pflegebedürftiger Personen. So wurden Leistungen aus der Pflegeversicherung entweder als Pflegegeld, im Fall der Pflege durch Familienangehörige, oder in Form der Kostenübernahme bei ambulanter und stationärer Pflege erbracht. Heute ist die Höhe der individuellen Pflegeleistung abhängig vom sogenannten Pflegegrad. Zu Beginn des Jahres 2017 wurden die seit 1995 existierenden Pflegestufen durch fünf neue Pflegegrade ersetzt. Von dieser gesetzlichen Änderung ist auch die private Pflegezusatzversicherung betroffen.

Änderungen bei der Betrachtungsweise von Pflegebedürftigen

Mit den neuen Pflegegraden wird jetzt das umgesetzt, was seit fast zehn Jahren bereits angedacht und überprüft wurde. Es geht dabei um die Erweiterung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit und somit die Gleichbehandlung von geistigen und körperlichen Einschränkungen. Die Pflegeversicherung hatte bei ihrer Einführung vor über 20 Jahren vor allem Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Fokus. Es war damals entscheidend, wie mobil ein Pflegebedürftiger noch ist, und ob dieser sich selbst anziehen und ernähren kann. Heute wird die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit neu definiert.

Rund um die Uhr Betreuung bei z. B. Demenzkranken

Im Verlauf der letzten 20 Jahre hat sich die ursprüngliche Betrachtungsweise von Pflegebedürftigen als nicht ausreichend herausgestellt. Menschen mit Demenz sind zwar oft körperlich noch in der Lage, bestimmte Dinge zu tun, sie haben jedoch vergessen, wie die einzelnen Handlungsschritte ausgeführt werden. Meist brauchen sie daher rund um die Uhr Anleitung und Betreuung durch andere Mitmenschen. Das neue Verfahren zur Begutachtung schließt nun geistige und psychische Beeinträchtigungen mit ein. Ab 01.01.2017 spielt es nun keine Rolle mehr, ob körperliche oder geistige Gebrechen zur Pflegebedürftigkeit führen.

Pflegegrade und Lebensbereiche: Was sich konkret ändert

Die Frage, die sich zahlreiche Pflegedürftige und Versicherungsnehmer stellen betrifft den Umstand, was sich durch das neue Gesetz für den Einzelnen konkret ändert. Anstelle der drei Pflegestufen greifen jetzt die fünf neuen Pflegegrade. Wichtig bei der Einstufung ist nun, wie selbstständig der Versicherte tatsächlich noch ist. Das heißt, ob er oder sie auf die Hilfe und Unterstützung von anderen im Alltag angewiesen ist. Mit dem neuen Verfahren fällt jetzt auch das kritische Zählen von Minuten, die zur Pflege nötig sind, durch den Gutachter weg. Das Maß für die Einschätzung von Pflegebedürftigkeit ist seit Januar 2017 der Grad der Selbstständigkeit eines Menschen. Dafür gibt ein Gutachter seine Einschätzung ab. Sechs Lebensbereiche sind dabei von großer Bedeutung:

  • Mobilität der zu pflegenden Person
  • Verhalten von Pflegebedürftigen
  • soziale Kontakte
  • geistige und kommunikative Fähigkeiten
  • Selbstversorgungsmöglichkeiten
  • Umgang mit Erkrankungen und Belastungen

Punktesystem mit Einführung der neuen Pflegegrade

Ein Punktesystem soll jetzt für mehr Gerechtigkeit bzw. bessere Pflegeansätze sorgen. In all diesen Lebensbereichen werden je nach Stärke der körperlich oder geisteigen Beeinträchtigung Punkte vergeben, die am Ende aufaddiert werden. Die abschließende Gesamtpunktzahl entscheidet über den anzusetzenden Pflegegrad. Bei der bisherigen Einstufung in Pflegestufen wurde nur der Hilfebedarf bei Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftlicher Versorgung erfasst. Pflegegrade können sich natürlich im Verlauf der Beeinträchtigung ändern, um alle Pflegeumstände kontinuierlich abzudecken.

Pflegeversicherungen weiter abschließen: Vergleich im Internet

Auch die Frage: „Muss ich Angst vor einer Schlechterstellung durch die Pflegegrade haben?“ stellen sich viele pflegebedürftige Menschen. Diese kann zunächst mit nein beantwortet werden. Es sollte natürlich für eine entsprechende Pflegeversicherung gesorgt sein. Der Pflegeversicherung Vergleich im Internet hilft auf der Suche nach einer günstigen und guten Pflegeversicherung weiter.

Umstellungsphase auf neue Pflegegrade: Pflegeversicherung überprüfen

Während der Phase der Umstellung auf die neuen fünf Pflegegrade wird niemand schlechter gestellt. Alle bestehenden Pflegestufen werden zunächst in entsprechende Pflegegrade umgewandelt, bevor eine neue Betrachtung erfolgt. Dazu ein Beispiel: Ein Pflegeversicherter in Pflegestufe I mit Demenz, der bereits zuhause gepflegt wird, wechselt ab 2017 in den Pflegegrad 3. Das bedeutet für ihn aus finanziellen Sicht, dass er statt bisher 316,00 Euro nun 545,00 Euro im Monat bekommt. Für allen Menschen, die sich in der Pflege befinden und gesetzlich pflegeversichert sind, gilt es, ihre Pflegeleistungen zu überprüfen und ggf. einen Pflegeversicherungsvergleich in Erwägung zu ziehen. Um optimal aber auch günstig abgesichert zu sein, sollten generell alle Menschen den Versicherungsstatus ihrer Pflegeversicherung von Zeit zu Zeit überprüfen.