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Freitag, 08.12.2017

Übungsleiter verdienen Mehr-Wert

Der Kreissportbund Bautzen hat eine Idee des Bundesinnenministers aufgegriffen. Mit einem Ehrenamt-Wunschzettel.

Von Frank Oehl

Trainer wie Fußballlehrer Lutz Höfer (r.) in Kamenz sind wichtige Bezugspersonen im Vereinsalltag. Er wie alle anderen ehrenamtlichen Vereinsmitstreiter brauchen mehr Zuspruch auch vom Gesetzgeber her. Das ist die Quintessenz aus der Wunschzettelaktion des Kreissportbundes Bautzen. Der Freistaat Sachsen hat z.B. noch kein Gesetz zur betrieblichen Freistellung für die C-Lizenz-Ausbildung. Auch der Landessportbund möchte das ändern.
Trainer wie Fußballlehrer Lutz Höfer (r.) in Kamenz sind wichtige Bezugspersonen im Vereinsalltag. Er wie alle anderen ehrenamtlichen Vereinsmitstreiter brauchen mehr Zuspruch auch vom Gesetzgeber her. Das ist die Quintessenz aus der Wunschzettelaktion des Kreissportbundes Bautzen. Der Freistaat Sachsen hat z.B. noch kein Gesetz zur betrieblichen Freistellung für die C-Lizenz-Ausbildung. Auch der Landessportbund möchte das ändern.

© René Plaul

Kamenz. „Schreiben Sie mir doch mal einen Wunschzettel!“ Diese Anregung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière beim Ehrenamt-Forum in Kamenz hatte im August für einige Bewegung gesorgt. Der Kreissportbund Bautzen, dem mehr als 400 Vereine angehören, nahm die Idee umgehend auf. Denn die Not ist recht groß im Lande. Der Breitensport, für den de Maiziére eigentlich nicht zuständig ist, lebt vor allem im Ehrenamt. Überall in den Vereinen sind die Aktivsten vor allem in der Freizeit zugange, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. KSB-Präsident Torsten Pfuhl: „Es wird beklagt, dass sie zu wenig Wertschätzung und Anerkennung erfahren.“ Mehr als 30 Vereine meldeten sich schriftlich mit eigenen Vorschlägen auf den Wunschzettel-Aufruf, weitere 200 wurden in den Regionalkonferenzen erreicht. Sie teilten ihre Meinung mit, wiesen auf Nöte hin und machten Verbesserungsvorschläge. Sie waren so konkret, dass daraus jetzt in der KSB-Geschäftsstelle drei Briefe verfasst wurden. Pfuhl: „Die Vereinsideen berühren die Verantwortung verschiedener Ebenen.“ Die Briefe wurden am Mittwoch an den Bundesinnenminister, an den Präsidenten des Landessportbundes, Ulrich Franzen und an Landrat Michael Harig abgeschickt. Sie enthalten interessante Vorschläge:

Steuerliche Entlastung und Rentenpunkte für Ehrenamtler
Das sportliche Ehrenamt muss auch auf Bundesebene stärker gewürdigt werden, heißt es. Während die Zahl der sportlich Aktiven weiter steige, gehe in den letzten Jahren die Zahl der Vereinsengagierten im Bund wie auch im Landkreis deutlich zurück. Dem könnte z.B. durch eine Erhöhung des Steuerfreibetrages von Übungsleitern von derzeit 2400 auf 3000 Euro im Jahr entgegengewirkt werden. Für mehr Wertschätzung des Ehrenamtes wäre auch ein Rentenpunktesystem hilfreich. Insgesamt beklagt wird die zunehmende Bürokratisierung der Vereinstätigkeit. Sie müsse von der Bittsteller-Rolle befreit werden.

Freistellung für die Weiterbildung und höhere Übungsleiterpauschalen
Der Freistaat Sachsen wird aufgefordert, sich Gedanken über den „Bildungsurlaub“ für Ehrenamtliche zu machen. 14 Bundesländer haben dafür ein Gesetz, nur Sachsen und Bayern nicht. Bisher muss man Urlaub nehmen oder an Abend- und Wochenendlehrgängen teilnehmen, um Qualifizierungen z.B. für die Trainertätigkeit zu machen. Bei einer gesetzlich geregelten Freistellung, würde der Betrieb durch den Freistaat entlastet. LSB-Chef Ulrich Franzen: „Das ist eine komplizierte Materie, aber wir sind am Thema dran.“ Auch die Bitte, die Übungsleiterpauschale an die Vereine von 250 Euro pro Jahr und Trainer zu erhöhen (z.B. auf 440 Euro), werde aufgegriffen.

Willkommenskultur fürs Ehrenamt und endlich eine neue Förderrichtlinie
Die Wünsche der Ehrenamtlichen auf Kreisebene sind vielfältig. Der Landkreis hatte die Sportförderung auf 550 000 Euro pro Jahr erhöht. Ein wichtiger Schritt, aber finanzielle Entlastungen für die Vereine oder auch unbürokratische Wege im Alltäglichen sollten weitere Ansätze sein. Der Kreissportbund möchte mehr „Willkommenskultur im Ehrenamt“. Die neue Förderrichtlinie des Landkreises ist überfällig, heißt es. Torsten Pfuhl: „Die Vereine brauchen klarere Regeln für Anträge und Abrechnungen.“ Wenn ein Zuschuss erst im Herbst komme, müssten sie für wichtige Projekte zu lange eigenes Geld vorhalten.