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Montag, 25.09.2017

Übersicht für die Berufswahl

Das Praktikum ist das Mittel der Wahl, um Einblicke in die Berufswelt zu bekommen. Bei der Ausbildungsmesse im WelWel wurden viele angebahnt.

Von Jens Hoyer

Simon Alius (hinten) und Jürgen Pape (2.v.r.) sind am Stand vom Stahlbau Lüttewitz mit Kenny Nürnberger und seine Mutter Evelyn Nürnberger im Gespräch. Die Mühle aus Stahl haben Lehrlinge der Firma gefertigt. Sie mussten dafür alle Techniken anwenden, die sie schon gelernt haben.
Simon Alius (hinten) und Jürgen Pape (2.v.r.) sind am Stand vom Stahlbau Lüttewitz mit Kenny Nürnberger und seine Mutter Evelyn Nürnberger im Gespräch. Die Mühle aus Stahl haben Lehrlinge der Firma gefertigt. Sie mussten dafür alle Techniken anwenden, die sie schon gelernt haben.

© André Braun

Döbeln. Der Messebeitrag der Firma Stahlbau Lüttewitz ist nicht zu übersehen: Eine große Windmühle aus Metall steht am Messestand im WelWel. „Das ist eine Lehrlingsarbeit. Da haben sie Spaß und Freude dran und lernen, ohne dass sie es merken“, sagt Jürgen Pape, die für die Azubis der Firma zuständig ist. Er hatte sich gerade mit Marius Mielke unterhalten. Der Neuntklässler besucht das Gymnasium. „Ich schaue mich mal ein bisschen um und will mich orientieren. Vielleicht mache ich mal irgendwo ein Praktikum“, sagt er. Bei Jürgen Pape stößt er damit auf offene Ohren. „Es ist immer gut, wenn die Schüler ein Praktikum machen. Den Jungs macht es Spaß, wenn sie schweißen lernen.“ Der Stahlbau Lüttewitz bildet Metallbauer und Fachkräfte für Metalltechnik aus. Letzterer Abschluss ist für junge Leute mit Hauptschulzeugnis interessant. „Wenn wir merken, dass sie gut mitkommen, können sie auch umsteigen und Metallbauer werden“, so der Ausbilder. Neben ihm steht ein ehemaliger Lehrling am Messestand. Simon Alius hatte beim Stahlbau Lüttewitz gelernt und dann studiert. Heute ist er dort Produktionsleiter.

Für die Veranstalter vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft ist die Messe ein großer Erfolg. Fast 2 600 Besucher zählen die Organisatoren an diesem Tag. Rund 100 Aussteller, darunter Firmen und Einrichtungen vieler Branchen, aber auch die Schulen der Region, Verbände und Kammern beteiligen sich. „Die Firmen geben sich wirklich viel Mühe, den Schülern etwas zu zeigen“, so Christa Müller vom Arbeitskreis Schule Wirtschaft. Das Netzwerk zwischen den Firmen, Schulen und Elternvertretern funktioniere sehr gut – und sorge letztlich auch für das große Interesse der Schüler und Eltern an der Messe.

Am Stand des Dentalstudios Hartha ließ sich Julia Suckert von Laborleiter Dirk Melchior den Beruf des Zahntechnikers erklären. „ Ich habe das Abitur schon und absolviere gerade ein Freiwilliges soziales Jahr. Im nächsten Jahr soll es mit der Ausbildung oder dem Studium losgehen. Ich muss erst mal sehen, was zu mir passt“, sagt sie. Das Dentalstudio Hartha, mit 65 Mitarbeitern ein relativ großes Unternehmen der Branche, versucht jedes Jahr vier Lehrlinge einzustellen. „Es wird immer schwieriger, Azubis zu bekommen. In diesem Jahr hat einer angefangen. Deshalb müssen wir uns in Schulen und auf Messen vorstellen“, sagte Dirk Melchior. „Wir bieten immer Praktika an. Der Beruf ist sehr vielfältig. Man muss mit Kunststoff, Metall und Keramik arbeiten.“

Die Oewa als Dienstleister der Wasser- und Abwasserzweckverbände hat sich im Außengelände niedergelassen. Sven Gammisch, Netzmeister Trinkwasser, kann interessierten Jugendlichen nur empfehlen, sich für ein Praktikum anzumelden. „Wir haben in den Fahrzeugen immer einen Sitz frei und nehmen Schüler mit. Jetzt in den Ferien ist jedes Auto voll“, sagt er. Die Oewa bildet Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik und für Abwassertechnik aus, aber auch Elektroniker für Betriebstechnik und Bürokaufleute.

Der Pflegebereich bekommt den Personalmangel besonders zu spüren. Manuela Ulbricht, Chefin des Alloheim Seniorenresidenz im Waldheim, freut sich deshalb, dass ein Mädchen schon einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hat. „Wir versuchen, vier Altenpfleger pro Jahr auszubilden. Bei uns bekommen alle eine Einstellungszusage“, so Ulbricht. Das Alloheim bildet auch Altenpflegehelfer, Köche und Beiköche aus. Die Messe war aber offenbar nicht nur für junge Leute interessant. Neun Besucher hatten Bewerbungen für einen Job im Alloheim abgegeben.