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Montag, 18.03.2013

Über Stock und Stein

Radfahren ist seine Passion. Aktiv im Gelände, passiv im Kino. Jetzt hat der Dresdner Anton Friedrich seinen ersten Film fertiggestellt - und dabei einiges gelernt.

Von Cornelius de Haas

Anton Friedrich (links), Produzent von „Wurzeln, Dreck & Steine“, und Regisseur René Paritschkow.
Anton Friedrich (links), Produzent von „Wurzeln, Dreck & Steine“, und Regisseur René Paritschkow.

© Kalbsroulade Photography

Mit Geländefahrten kennt sich Anton Friedrich aus. Seit Mitte der 90er Jahre meistert der 35-jährige Dresdner mit dem Mountainbike die unwegsamen Gelände abseits asphaltierter Wege. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als er im Mai 2012 im italienischen Finale Ligure beim 24-Stunden-WM-Rennen antrat - und es als Dritter seiner Altersklasse beendete. Auch wenn der Dresdner mal nicht auf dem Sattel sitzt, lässt ihn die Begeisterung für diesen Sport nicht los.

Vor fünf Jahren holte Friedrich, im Hauptberuf Architekt, mit „Virtuous“ den ersten Mountainbike-Film in die Schauburg. Bis 2012 organisierte er für sieben internationale Filme die Dresdner Premiere im Kino an der Königsbrücker Straße. Doch die anfängliche Euphorie wich nach und nach einer gewissen Ernüchterung. „Am Ende sah man immer wieder dieselben Leute die gleichen oder ähnlichen Strecken, sogenannte Trails, abfahren“, sagt Friedrich. Langeweile drohte.

Am Tag nach der Vorführung im vergangenen Jahr - und auf dem Weg nach Ligurien - kam die Idee auf, doch selbst einen Radsport-Film zu machen. Einen, der anders als die bisher gesehenen sein sollte. „In den gezeigten Filmen fuhren die Spezialisten Trails, die ich nicht mal zu Fuß bewältigen würde“, erinnert sich Friedrich. In seinem Film sollten dagegen Wege zu sehen sein, die nahezu jeder auch selber fahren könne und die zudem leicht zu erreichen sind - quasi eine Hommage an die radsportlichen Möglichkeiten der unmittelbaren Umgebung.

Seitenwechsel: vom Sattel hinter die Kamera

Mit dieser Idee und dem bereits feststehenden Titel „Wurzeln, Dreck & Steine“ stellte sich der Radenthusiast auf der Dresdner Crowdfunding-Plattform startnext.de vor. Innerhalb von gut sechs Wochen sammelte er knapp 3.000 Euro von privaten Unterstützern ein - zusätzlich zu den Leistungen der Sponsoren, die Friedrich bereits bei seinen Filmvorführungen in der Schauburg unter die Arme griffen. Das Projekt konnte starten und Friedrich gewann mit dem Dresdner Werbefachmann René Paritschkow einen kreativen Kopf als Regisseur.

Für seinen Film wechselte Friedrich die Seiten. Statt auf dem Rad zu sitzen, stand er hinter der Kamera. Die Dreharbeiten starteten im September 2012. Auch das Wetter spielte an den zehn Drehtagen mit und bei den Fahrern ließ die Motivation auch nach mehrmaligen Wiederholungen nicht nach. Auch kleinere Hindernisse wie die beim ersten Drehtermin vergessene Verpflegung konnten der Sache keinen Abbruch tun. Friedrich sieht es gelassen. „Mit dem Betreten eines mir eigentlich fremden Arbeitsfeldes tauchten immer neue Probleme auf, die ich mir vorher in meiner Blauäugigkeit nicht vorstellen konnte“, sagt er. Probleme, wie zum Beispiel eine Klappleiter oder plötzlich im Bild auftauchende Mitstreiter, die während der Aufnahme niemandem auffielen.

Zusammenarbeit mit regionalen Künstlern

Am Ende der Dreharbeiten kam Material von weit über 20 Stunden zusammen. Nach dem Schnitt sollen daraus 70 Minuten werden. In diesen zeigen hiesige Fahrer ihre Lieblingstrails und erklären in Interviews ihre Faszination für den Sport. Wichtig war es, dem Filmteam um Friedrich, dass nicht nur die Fahrer, sondern auch der Großteil der Musik aus der Region kommt. So konnten die aus Dresden stammenden Indie-Rocker von Trains on Fire, The Smokkings, The Naked Hands und Last Dangerous Racoons sowie die Electro-Musiker Insect O., Alec Troniq und Sandrow M. für den Soundtrack gewonnen werden.

Schon vor der Fertigstellung scheint eines sicher: „Wurzeln, Dreck und Steine“ wird ein Erfolg. So ganz will das Anton Friedrich zwar noch nicht glauben, doch ist dem Macher der Optimismus durchaus anzusehen. Denn schon lange vor dem finalen Schnitt gab es bereits erste Interessenten, die den Film zeigen wollen. Neben Freunden aus Berlin, Davos, Jena und Beirut gab es auch Anfragen aus Hamburg, Köln und Göttingen. Dann ginge es auch für den Film auf Geländefahrt.

Die Premiere von „Wurzeln, Dreck und Steine“ am 23. März um 22 Uhr in der Schauburg Dresden ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen gibt es am 27. März (20 Uhr) und 6. April (18 Uhr).

Die Premierenparty steigt nach der Vorstellung am 23. März im Alten Wettbüro mit einem Liveauftritt von Last Dangerous Racoons und den DJs Bob Wax und Insect O.

Hier geht es zum Videotrailer vom „Wurzeln, Dreck & Steine“

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