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Freitag, 08.12.2017

Über 100 000 Tonnen Lithium in Sadisdorf?

Die Chancen für einen Neubeginn des Bergbaus im Osterzgebirge steigen weiter. Erste Tests sind vielversprechend.

Von Franz Herz

Anja Ehser, die Chefin von Tin International, steht hier vor der Sadisdorfer Pinge, dem Zentrum des Erzvorkommens, das neben Zinn auch Lithium, Wolfram und andere Produkte verspricht.
Anja Ehser, die Chefin von Tin International, steht hier vor der Sadisdorfer Pinge, dem Zentrum des Erzvorkommens, das neben Zinn auch Lithium, Wolfram und andere Produkte verspricht.

© Frank Baldauf

Sadisdorf. Manchmal überschlagen sich die Ereignisse. Am Mittwoch haben zwei Erkundungsbohrungen im Auftrag von Tin International an der Pinge in Sadisdorf begonnen. Zugleich hat das internationale Labor, das Erzproben aus Sadisdorf untersucht hat, seine erste Schätzung vorgelegt, wie groß der Lithium-Vorrat in Sadisdorf ist, teilt die Deutsche Rohstoff AG am Donnerstag mit. Die Firma CSA Global hat den Rohstoffvorrat in Sadisdorf auf 25 Millionen Tonnen mit einem Lithiumgehalt von 0,45 Prozent geschätzt, teilt die Deutsche Rohstoff AG mit. Dafür haben die Spezialisten von CSA Global neue Proben ausgewertet, die unter Tage in den vorhandenen Stollen genommen wurden. Außerdem haben sie die Daten von historischen Bohrungen herangezogen und neu analysiert. Die jetzigen Bohrungen dienen dazu, diese Werte zu überprüfen. Tin International ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Rohstoff AG und hat vom Sächsischen Oberbergamt die Lizenz bekommen, das Erzvorkommen in Sadisdorf zu erkunden.

Mit der neuen Rohstoffschätzung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass in Sadisdorf wieder ein Bergwerksbetrieb beginnt. Dort ginge es jetzt um den Abbau von verschiedenen Produkten. Zinn, Lithium und Wolfram wären die wichtigsten Metalle, die gewonnen werden könnten. Auch Beiprodukte wie Kaliumsulfat, das in Düngemitteln verwendet wird, oder Natriumsilikat, das ein Grundstoff für die Chemieindustrie ist, können dort abgebaut werden.

Je mehr Rohstoffe ein Bergwerk aus der Grube holen kann, desto breiter ist seine wirtschaftliche Basis, erklärt Anja Ehser, Vorstand von Tin International. Es gibt dann mehrere Erlösquellen, und Bergbau hängt immer von den Rohstoffpreisen ab. Mit mehreren Rohstoffen besteht die Chance, Preisschwankungen bei einem Material durch ein anderes auszugleichen.

Tin International hat für Sadisdorf einen Vertrag mit Lithium Australia geschlossen. Die Firma hat ihren Sitz in Perth in Westaustralien, ist auf Lithium-Erkundung und die Entwicklung von neuartigen Aufbereitungstechnologien spezialisiert. In Sadisdorf ist geplant, ein Verfahren namens „SiLeach“ anzuwenden, das Lithium Australia entwickelt hat. Das englische Wort „leach“ heißt auslaugen. Mit diesem Verfahren ist es möglich, auch die Beiprodukte zu gewinnen. Erste Tests für eine Laugung von Zinnwaldit aus Sadisdorf haben ein Ergebnis von 95 Prozent gebracht. Dieses Ergebnis stufen die Fachleute als „äußerst vielversprechend“ ein.

Adrian Griffin, der Chef von Lithium Australia, sagt dazu: „Unsere Tests beweisen, dass ,SiLeach‘ die Möglichkeit liefert,Sadisdorf als ein Polymetallvorkommen zu entwickeln. Lithium kann dabei aus den Rückständen der Zinngewinnung aufbereitet werden. Die Sadisdorf-Ressource ist bereits jetzt schon beachtlich und könnteüber mehr als zehn Jahre einen substanziellen Anteil der Förderung für eine ,SiLeach‘-Anlage mit einem Jahresausstoßvon 25 000 Tonnen Lithiumkarbonat beisteuern.“ Griffin weist weiter darauf hin, dass Sadisdorf ähnliche Lithiumgehalte aufweist wie die Vorkommen in Zinnwald auf beiden Seiten der Grenze.

Die neue Lithiumschätzung ergänzt die Schätzung, nach der 3 360 000 Tonnen Erz mit 0,44 Prozent Zinnanteil in Sadisdorf lagern. Teilweise überschneiden sich die Zinn- und die Lithiumvorräte.

Lithium Australia managt das Erkundungsprojekt in Sadisdorf. Die Firma hat auch das Recht, für zwei Millionen Euro 50 Prozent an dem Vorhaben zu kaufen.

Die Lagerstätte Sadisdorf ist seit Jahrhunderten bekannt. Erst wurde im 16. Jahrhundert an der Oberfläche Kupfer abgebaut, daher heißt die Lagerstätte im Volksmund immer noch Kupfergrube, auch wenn später Kupfer beim Abbau keine Rolle mehr spielte. 1986 wurde das Erzvorkommen noch einmal erkundet. Die damaligen Ergebnisse sind heute noch Grundlage für die Arbeit von Tin International.