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Montag, 05.01.2015

Twitter schützt Dresden bei der nächsten Flut

Wissenschaftler planen ein Millionenprojekt. Eine Krisen-App soll nützliche Infos von Falschmeldungen trennen.

Von Stephan Schön

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Dresden. In Sachsen entsteht eine neue Art von Flutschutz. Deiche, Staubecken und neue Hochwasserwände allein reichen nicht aus, um Menschen und Häuser zu schützen. Dresdner Wissenschaftler wollen eine Krisen-App entwickeln, mit der sich Hilfe im Katastrophenfall besser als bisher organisieren lässt. Die Voraussetzungen dafür biete das Web 2.0 mit seinen sozialen Netzwerken, vor allem aber mit Twitter, sagt Lutz M. Hagen, Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft (IfK) an der TU Dresden.

Während der letzten Elbeflut vor anderthalb Jahren waren Zehntausende Helfer vor allem über Facebook zu den Krisenorten geschickt worden. Schneller hatte die Katastrophenhilfe in einem solchen Ausmaß noch nie funktioniert. Der Nachteil: Nicht immer waren die Informationen präzise, manchmal auch schädlich, weil falsch.

Aus der Flut gelernt haben die Kommunikationswissenschaftler von Lutz M. Hagen schon während des Hochwassers. Über eine erst kurz zuvor fertig programmierte Schnittstelle hatten sie im Juni 2013 sieben Tage lang alle Twitter-Informationen aufgezeichnet, die etwas mit der Dresdner Flut zu tun hatten. 8 900 Tweets, also Kurzinfos, wurden so gespeichert. Von wem kam welche Information, wer hat sie weitergeleitet und vor allem: Waren diese Tweets nützlich? Für die Sächsische Zeitung haben die TU-Forscher nun erstmals einige Daten zusammengefasst. Mit überraschenden Ergebnissen, wie selbst Internet-Professor Lutz M. Hagen eingestehen muss. „Twitter wandelt sich in Krisenzeiten und wird zu einem Organisator.“ An die 90 Prozent der Tweets waren sachliche Infos, nur etwa 10 Prozent Meinung, berichtet IfK-Mitarbeiterin Jana Fischer. Sie wertet eben die Daten aus. Und anders als bei Facebook gingen diese Twitter-Infos nahezu in eine Richtung. Genau das will nun ein Forschungsverbund nutzen, dem neben der TU Dresden vor allem das Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, Hilfsorganisationen und auch der Sächsische Landkreistag angehören.

Ein Projektantrag über 3,8 Millionen Euro ist dafür bereits beim Bundesforschungsministerium eingereicht. Eines der wichtigsten Ziele sei die Programmierung einer Helfer-App, die im Katastrophenfall in Echtzeit Infos gibt – nutzbar auf jedem Smartphone. Das mächtige Werkzeug im Hintergrund sind dann Großrechner, die sämtliche Datenströme im Netz sammeln, sichten und sortieren. Und die selbst bei massenhaften Downloads nicht zusammenbrechen. Schneller als damit ist Hilfe nie organisiert worden, sagt Hagen. In drei Jahren etwa könnte das neue Hilfsmittel bei Flutkatastrophen funktionieren.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Mo Hammed

    Schön, dass dann im Krisenfall die halbe Hipster-Generation mit ihren Facebook-"Freunden" wirklichen Helfern im Weg rumsteht. Und falls der Strom ausfällt, es gibt ja hoffentlich bis dahin die Notstrom-App. Die Apps die werdens richten, die Apps die machens gut.

  2. Siegfried Arnold

    Die Auffahrrampen der Monsterbrücke Blaues Wunder in Loschwitz und Blasewitz haben eine viel zu enge Durchlassbreite. Und deswegen wird dieser Schillergarten (und die villa Marie und der Körnergarten) IMMER überschwemmt werden, weil sich die Elbe staut. Diese Gasthäuser gehören abgebaut und 5 Meter HÖHER wieder errichtet, damit sich das Hochwasser ausbreiten kann.

  3. rm

    und in 3 Jahren sind wir fertig ;-) gutes Projekt! eine Firma hätte das in 8 Monaten sicher für die häfte von Geld. ein Wahnsin ist das die Gerneration Internet von Gernation "das Internet ist noch Neuland für uns" über Förderung ect zu entscheiden hat. ?? ähnlich so wie der Bäckerlehrling dem Bäckermeister erklärt wir man am besten ne Bäckerei führt ;-))

  4. deutsche Sportgröße

    1. existiert adäquater Unsinn seit spätestens dem letztem Elbehochwasser einerseits bei "Fratzenbuch" und 2. werden in solchen Krisenfällen aktuelle Infos permanent im Net veröffentlicht, auf welches jedes "smartphone" Zugriff hat, was 3. den Verdacht äußerst nahe legt, daß es sich um eine "Abzock-App" handelt.

  5. ole

    @2. Echt, Herr Arnhold? Wie hoch war denn der Pegel vor und hinter der Brücke bei den letzten Hochwassern? Komisch, dass die Villa Marie auch betroffen ist, die liegt doch hinter der blauen Hochwassertalsperre. Ansonsten müsste man das Monster dringend durch einen schlichten, preiswerten Steg wie den neuen, ein paar Hundert Meter flussabwärts austauschen. Übrigens: Der Schillergarten muss dann aber aufgeständert werden. Der liegt weiter unten als das Ende der Brückenöffnung.

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