Sonntag, 17.02.2013

TV-Show mit toter Pistorius-Freundin

Reeva Steenkamp sagte vor ihrem unerwarteten Tod Abschiedsworte als Show-Mitglied vor der Kamera, die nun die Südafrikaner aufwühlen. Denn ihr Abschied gilt nun für immer. Die TV-Show mit ihr aber läuft weiter.

Von Laszlo Trankovits

Reeva Steenkamp wurde unter noch ungeklärten Umständen im Hause des Sportstars Oscar Pistorius mit mehreren Schüssen getötet.
Reeva Steenkamp wurde unter noch ungeklärten Umständen im Hause des Sportstars Oscar Pistorius mit mehreren Schüssen getötet.

©dpa

Kapstadt. „So eine schöne, schöne Frau, es ist so traurig“ schrieb Jo Thouas auf der Facebook-Seite von Reeva Steenkamp. Wie sie verewigten sich viele hundert Fans nach der am Samstag ausgestrahlten Reality-TV-Show mit dem zwei Tage zuvor getötetem Model auf dessen Facebook-Seite. Unterdessen kommt Steenkamps Freund, der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius, immer stärker unter Tatverdacht.

Millionen Südafrikaner sahen keine 48 Stunden nach dem tragischen Tod des Models im Fernsehen eine fröhliche, geistreiche junge Frau. «Wir sind vor der Sendung nicht um Zustimmung gefragt worden, aber es wäre wohl in ihrem Sinne gewesen», sagte ein Familienmitglied laut «Sunday Times». Das letzte, was sie von Reeva gehört habe, war, «dass wir uns alle die Sendung ansehen sollten», wurde die Cousine der Toten, Sharon Steenkamp, vom Nachrichtensender eNCA zitiert.

Würdigung vs. Quote

Südafrikas staatlicher Sender SABC gab sich alle Mühe, die auf Jamaika aufgezeichnete TV-Show als «Würdigung Steenkamps» zu interpretieren - und nicht als fragwürdiges Mittel, eine hohe Quote zu erzielen. Vor der ersten Folge der südafrikanischen Variante von «Ich bin ein Star - holt mich hier raus» wurden Bilder mit einer Rose und einer brennenden Kerze gezeigt. Untertitel: «Reeva Steenkamp 19. August 1983 - 14. Februar 2013».

Die Folge am Samstag war nach dem Willen der TV-Produzenten ausdrücklich «Reevas Andenken gewidmet». Sie hätte es gewollt, dass die Sendung ausgestrahlt wird, betonte die Fernsehproduzentin Samantha Moon. Auf der SABC-Website wird weiter mit Steenkamp für die fünfte Staffel des südafrikanischen Dschungelcamps geworben: «Was können Sie erwarten? Eine Stunde voll Adrenalin-gefüllten Dramas.» Allerdings steht da auch: «Wir sind zutiefst betrübt und unsere Anteilnahme gilt Reevas Familie und Freunden.»

In der ersten Folge von «Tropika Island of Treasure» sieht man eine lachende, unbeschwerte Reeva Steenkamp, die bewundernd zuschaut, wie andere vom Felsen in die Karibik springen, die im Bikini am Strand sitzend Luftküsse in die Kamera schickt. Die 29-Jährige war am frühen Donnerstagmorgen unter noch ungeklärten Umständen im Hause von Pistorius getötet worden.

Blutverschmierter Schläger gefunden

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass ihr Freund, der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius, der Täter war. In dessen Haus wurde nach Medienberichten ein blutverschmierter Kricketschläger gefunden. Das widerspricht ersten Spekulationen, wonach Pistorius seine Freundin aus Versehen erschossen habe.

Veröffentlicht wurde am Wochenende auch eine Filmsequenz, die wohl gesendet werden sollte, wenn Steenkamp bei der Realityshow mit sieben südafrikanischen Prominenten ausscheiden würde. «Die Art, wie man geht und seinen Abschied nimmt, ist so wichtig», sagte die 29-Jährige in malerischer Kulisse unter einer Palme am Strand von Jamaika. «Bewahrt euch einfach eure Integrität und Klasse und bleibt euch immer selbst treu, ich werde euch alle so sehr vermissen», sagte die blonde junge Frau mit den blau-grünen Augen.

Die 29-Jährige hätte womöglich eine glänzende Karriere vor sich gehabt, denn sie war nicht nur attraktiv, sondern auch klug und gebildet. Trotz ihres Abschlusses als Juristin hatte sie sich für die glitzernde Welt des Showbusiness entschieden.

In dem nun veröffentlichten Video sagte sie über den Abschied - gemeint ist natürlich der von dieser TV-Show: «Entweder hat man auf positive oder auf negative Weise einen Eindruck hinterlassen.» Spätestens nach der TV-Sendung vom Samstagabend wissen die Südafrikaner, dass sie eine Frau mit viel Ausstrahlung und Potenzial verloren haben. Sie werden aber erst einmal weiter die Reality-Show mit dem so tragisch verstorbenen Model schauen, gemäß der alten Bühnendevise: «The Show Must Go On» - die Show muss weitergehen. (dpa)

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