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Samstag, 11.02.2017

Tut Verona Dresden gut?

Ich finde es unerträglich, dass die Berichterstattung zum Opernball mit dem Foto einer „Persönlichkeit“ wie Verona Pooth eröffnet wird. Die Textzeile „Oh, wie gut das Dresden tut“ tut ein Übriges. Wenn dies und die Abbildung von Ballkleidern eine Vorstellung von Dresdner Kultur vermitteln soll, dann kann ich nur gratulieren.MfG, Jan Lohß

Sehr geehrter Herr Lohß,

schnell einig sind wir uns bestimmt, dass der Opernball noch immer erstaunlich polarisiert. Er macht Menschen glücklich, die bei Wind und Wetter auf dem Theaterplatz tanzen oder einen langen Fernsehabend genießen. Und auch die sind froh, die leichter Veranstaltungskarten oder einen freien Tisch in ihrer Lieblingskneipe bekommen. Aber ich kann auch jene verstehen, die eine Verona Pooth in unserem heiligsten Kulturtempel auf die Palme bringt. Die Frage ist, ob sich das wirklich lohnt.

Die Klatschtante mit dem tiefen Dekolleté wird von den Organisatoren für die Steigerung des Glamourfaktors eingeladen. Für nichts sonst. Dresden soll an diesem Abend mit Stars und schönen Kleidern strahlen, Hochkultur spielt dabei in der Semperoper ausnahmsweise eine Nebenrolle.

Klar hätte die SZ genauso auf ein anderes Gesicht auf dem Titel setzen können. Auf die Wörner vielleicht oder den Hoppe. Auch die Zeile „Oh, wie gut das Dresden tut“ sollten Sie nicht zu ernst nehmen. Damit ist nicht so sehr die Verona gemeint, sondern das gesellschaftliche Ereignis Opernball nach all den miesen Dresdner Nachrichten von Pegida & Co. Und natürlich haben das die Kollegen augenzwinkernd gemeint. So viel Distanz hat die Redaktion allemal.

Jedenfalls besteht keine Gefahr, dass die SZ jetzt Frau Pooth als ständiges Covergirl beschäftigt. Schon in der Montagausgabe und allen folgenden danach haben uns die ernsten Themen eingeholt: Die Trump-Dekrete, die Ukraine-Krise, der Dieselskandal. Selbstverständlich wird sich diese Zeitung auch künftig vor allem den wichtigen Dingen des Lebens widmen.

Und auch um die Hochkultur müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die Sächsische Zeitung verfügt für eine Regionalzeitung über einen gut ausgebauten Feuilletonteil, der über wichtige Ereignisse ausführlich berichtet und immer mehr auch mit seinen anspruchsvollen Debattenbeiträgen auffällt. Hier wird über das ganze Jahr hinweg die Vorstellung von Dresdner Kultur geprägt.

Ihr Olaf Kittel

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