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Dienstag, 14.11.2017

Turm liefert nur halbes TV-Programm

Mit der Umstellung des Sende-Signals auf DVB-T2 kommt HD-TV erstmals über Antenne. Für Privatsender bleibt‘s dunkel.

Von Markus van Appeldorn

Alles rund ums DVB-T2-Fernsehen

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Der 162 Meter hohe Sendeturm auf dem Schafberg/Löbauer Berg funkt jetzt ein neues TV-Signal.
Der 162 Meter hohe Sendeturm auf dem Schafberg/Löbauer Berg funkt jetzt ein neues TV-Signal.

© Matthias Weber

  • Der 162 Meter hohe Sendeturm auf dem Schafberg/Löbauer Berg funkt jetzt ein neues TV-Signal.
    Der 162 Meter hohe Sendeturm auf dem Schafberg/Löbauer Berg funkt jetzt ein neues TV-Signal.
  • Bei Händlerin Susanne Münnich haben die dafür nötigen Zusatzgeräte gerade Konjunktur.
    Bei Händlerin Susanne Münnich haben die dafür nötigen Zusatzgeräte gerade Konjunktur.

Löbau. Bei manchen Fernsehzuschauern in und um Löbau ist seit ein paar Tagen plötzlich Mattscheibe. Der Bildschirm bleibt schwarz. Grund ist die Umstellung des Senders auf dem Löbauer Schafberg. Am 8. November wurde das bisherige DVB-T-Signal für den terrestrischen Antennenbetrieb abgeschaltet. Für hochauflösendes HD-Fernsehen wird nun das DVB-T2-Signal ausgestrahlt. Manche Zuschauer müssen ihre Fernsehtechnik deshalb umrüsten. Die SZ klärt die wichtigsten Fragen rund um DVB-T2 HD-Fernsehen.

Alles rund ums DVB-T2-Fernsehen

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Muss ich mir einen neuen Fernseher kaufen?

Nicht unbedingt. TV-Geräte der neuesten Generation haben oft schon ein Empfangsteil für den neuen Sendestandard eingebaut. Das erkennt man an dem grünen DVB-T2-HD-Logo. „Solche Geräte gibt‘s aber erst seit einem Jahr“, informiert Susanne Münnich, Inhaberin des gleichnamigen Löbauer Fernsehgeschäfts. Bei älteren Geräten muss ein DVB-T2-Receiver zwischen den HDMI-Anschluss am Fernseher und die Antennenbuchse geschaltet werden. „So einen Receiver gibt‘s ab 40 Euro“, sagt Susanne Münnich, die allein in der letzten Woche Dutzende solcher Geräte verkauft hat.

Brauche ich für DVB-T2 eine neue Antenne?

In aller Regel nicht. Bleibt der Bildschirm trotzdem dunkel oder kommt es zu Bildaussetzern, könnte das an der für den alten DVB-T-Standard nötigen „Verstärkerfunktion“ liegen. Diese Funktion muss man den sogenannten „aktiven Antennen“ herunterregeln oder ganz ausschalten, weil das DVB-T2-Signal diese Verstärkung nicht benötigt. Darüber informiert der MDR.

Welche Sender kann ich mit dem DVB-T2-Receiver empfangen?

Der Löbauer Fernsehsender strahlt 17 Programme in HD-Qualität aus. Das sind ARD, ZDF. MDR, Kika, Arte, 3sat, Phoenix, ZDF neo, ZDF info, One, Tagesschau 24 sowie die 3. Programme RBB, BR, HR, NDR, SWR und WDR. Einige der dritten Programme sind allerdings nur empfangbar, wenn der MDR keine Regionalsendung ausstrahlt. Für den Empfang fallen keine weiteren Zusatzkosten an. Die öffentlich-rechtlichen Sender in HD sind von der Fernsehgebühr abgedeckt.

Und was ist mit den privaten Sendern, zum Beispiel RTL?

Die gibt‘s in Löbau nicht über Antenne.

Aber ist nicht überall von „freenet TV“ mit 40 Programmen die Rede?

Susanne Münnich bringt es auf den Punkt: „Der Kauf eines Freenet-Receivers ist in Löbau rausgeschmissenes Geld.“ Freenet ist eine Plattform, auf der sich die privaten Sender zusammengeschlossen haben. Wer das private HD-Programm empfangen möchte, muss dafür bei Freenet 69 Euro im Jahr oder 5,75 Euro monatlich zahlen. Während diese Programme im Empfangsbereich des Senders Dresden ausgestrahlt werden, ist und bleibt das in Löbau blanke Theorie. „Der Löbauer Sender hat bisher keine Privatprogramme ausgestrahlt und wird das auch weiterhin nicht tun“, sagt Susanne Münnich. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigt das gegenüber des SZ: „Freenet TV wird leider auch in Zukunft nicht in Ihrer Region empfangbar sein.“

Und wenn ich nun trotzdem private Sender empfangen möchte?

Dann müssen Kunden eine andere Übertragungsart wählen. Schon heute findet laut dem aktuellen Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten der Fernsehempfang zu über 90 Prozent über Satellit oder Kabel statt. Beide Empfangsarten haben etwa den gleichen Marktanteil. Der Satelliten-Empfang etwa kostet nur einmalig für die Anschaffung der Antennenschüssel und eventuell eines SAT-Receivers. Bei vielen TV-Geräten ist ein solcher Receiver bereits eingebaut. „Über Astra 19,2 können Zuschauer mehr als 300 Programme in deutscher Sprache sehen, darunter bundesweit alle Regionalprogramme der ARD“, informiert Christoph Mühleib, Chef von Astra Deutschland.

Und was nutzt mir das neue DVB-T2-Fernsehen überhaupt?

Es bringt erstmals HD-Fernsehen über Antenne nach Löbau. Sportfans werden auch besonders das moderne Bildübertragungsverfahren gegenüber dem alten DVB-T schätzen. DVB-T2 stellt auch schnelle Bewegungen ohne Wischeffekte glasklar dar.